Neue Planung Wohnhäuser statt Heereslager

Das einzige Bundeswehrgelände des Landkreises in Kirchseeon wird aufgelöst. Die Gemeinde möchte das Areal gerne kaufen. Es gibt aber auch Gespräche mit Investoren

Von Katharina Blum

Das ehemalige Bundeswehrgelände in Kirchseeon ist immer noch mit Stacheldraht gesichert.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Seit Jahren regt das Bundeswehrgelände in Kirchseeon die Phantasie der Kommunalpolitiker an. Eine lockere Wohnbebauung mit Einzel- und Doppelhäusern sowie Dreispännern wünscht man sich auf dem rund 1,7 Hektar großen Grundstück. Auch die Erweiterung und eine bessere Verkehrsanbindung des Kindergartens "Zauberwald" am Forst, welcher nördlich angrenzt, gilt als großer Wunsch. Darüber hinaus will die Marktgemeinde prüfen, ob auf dem Areal zwischen Park- und Lindenstraße auch die Ausweisung von Einheimischenbauland möglich ist, wie man es derzeit in der Bucher Straße in Eglharting plant.

Damit aus diesen Phantasien irgendwann Realität wird, hatte sich der Gemeinderat im Sommer 2010 für ein Vorkaufsrecht ausgesprochen und sich dieses per Satzung gesichert. Das gesteht das Baugesetzbuch Gemeinden zu, damit diese ihre Bauleitplanung sichern können. Und nun sieht alles danach aus, als könnte der lang gehegten Wunsch bald in Erfüllung gehen. "Das Gelände soll verkauft werden, die Hallen werden abgerissen", berichtete Bürgermeister Udo Ockel im Gemeinderat.

Während der vergangenen 74 Jahre war oft ungewiss, was auf dem Gelände am Forstrand eigentlich vor sich ging. 1939 war der Bau von vier großen Lagerhallen und vier kleineren Häuschen abgeschlossen, die Kirchseeoner mussten fortan hinter dem Drahtzaun bleiben. Die offizielle Bezeichnung für das Lager lautete "Nebenzeugamt der Wehrmacht", oft hieß es aber nur Heereslager. In den Hallen wurden vor allem Rüstungs- und Versorgungsgüter gelagert. Ende April 1945, einige Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner, wurde das Heereslager aufgelöst und zum Teil von der Bevölkerung geplündert. Nach Abzug der Amerikaner pachtete 1946 Fiat das Areal für seine Ersatzteile. Der Autohersteller zog 1967 weg, im Frühjahr 1968 wurde es wieder militärischer Standort - ein mobiler Stützpunkt für den Verteidigungsfall. 1996 verließen ihn die letzten Einheiten. Zwischenzeitlich war dann das Ein- und Ausrücken von Zollfahndern zu beobachten, über die heutige Nutzung ist im Kirchseeoner Rathaus nichts Genaueres bekannt. Drei Hallen sollen leer stehen, eine wird von einem Autohaus genutzt. Eine SZ-Anfrage an die Bundesimmobilienverwaltung (Bima) blieb unbeantwortet. Die Bima vermarktet und verkauft alle ehemaligen Militärflächen für den Bund, der bis heute Eigentümer des Kirchseeoner Areals ist.

Das Grundstück ist aktuell im Flächennutzungsplan der Gemeinde noch als Sondernutzungsgebiet Bundeswehr ausgewiesen. Der Abriss soll laut Ockel "zeitnah über die Bühne gehen", wohl im März oder im April. 20 von circa 40 Bäumen sollen gefällt werden, vorwiegend Nadelbäume und Birken. Das Landratsamt hat bereits zugestimmt. Nicht weichen müssen die Linden und Eichen am südlichen Rand, sie gehören zu den zu erhaltenden Bäumen laut Baumschutzverordnung. "Bäume sind immer sehr schön, aber mitten in einer Siedlung machen sie eben auch Probleme bei einer Bebauung", so Ockel.

Mit dem Vorkaufsrecht hat die Gemeinde die Möglichkeit, sich ein Stück oder den ganzen Grund zu sichern, in jedem Fall aber eine "bessere Basis für Verhandlungen". Wie man sich entscheidet, hängt vom Preis und maßgeblich von den Vorstellungen möglicher Investoren ab. "Wir wollen keine Bebauung verhindern, aber unsere rechtlichen Instrumente nutzen, um sagen zu können, was wir uns dort vorstellen", so Ockel. Mit einem Interessenten gab es Gespräche - und der teile bislang die Wünsche der Gemeinde. Anders als in den vergangenen 74 Jahren ist immerhin klar, was auf dem Areal nicht entstehen soll: "Wir wollen dort keine sechsstöckigen Gebäude mit 40 Wohnungen."