Nahverkehr MVV-Tarifreform: Mehr Gewinner als Verlierer in Ebersberg

Das Pendeln nach München mit der S-Bahn wird für viele Ebersberger günstiger - außer, sie müssen nur bis an den Stadtrand.

(Foto: Christian Endt)

Kunden, die aus der Kreisstadt in die Münchner Innenstadt pendeln, sparen künftig Geld. Es gibt aber auch Pendler, die benachteiligt werden.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Pendler, die mit der S-Bahn von der Kreisstadt in die Münchner Innenstadt fahren und dazu das Isar-Card-Abo nutzen, sparen vom nächsten Jahr an viel Geld: Statt 163,40 Euro monatlich zahlen sie für das Ticket künftig 143,90 Euro. Das ist eine der Auswirkungen der Tarifreform, auf die sich die Gesellschafter des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds nun geeinigt haben.

Auch der Tarifsprung in Vaterstetten, der viele Nutzer der Streifenkarte genervt hat, soll dann Vergangenheit sein. Wer allerdings aus dem Landkreis nur bis an den Münchner Stadtrand fährt, muss künftig deutlich mehr zahlen. Interne Berechnungen im Landratsamt gehen davon aus, dass etwa drei Viertel der MVV-Nutzer im Landkreis günstiger fahren als bisher, ein Viertel gleich viel oder mehr zahlen muss.

Nach Einschätzung von Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der auch Sprecher der MVV-Landkreise ist, handelt es sich bei der Reform vielleicht nicht um die "Megasuperlösung", aber immerhin um ein gutes Kompromisspaket und um einen "Meilenstein" auf dem Weg zu weiteren Verbesserungen. Durchgesetzt hat er sich unter anderem mit seiner Forderung, das Sozialticket im gesamten Verkehrsverbund einzuführen - bisher gab es das nur in Stadt und Landkreis München. Bei einem Pressegespräch unterstrich er am Dienstag zudem, dass weder im Dezember 2018, noch im Dezember 2019 Tariferhöhungen anstehen. Auch der Preis der Streifenkarte bleibt gleich.

Das bisherige Tarifsystem mit seinen Ringen, die für die Zeitkarten galten, und Zonen für Einzelfahrkarten und Streifenkarten, hatte den Ruf, beispiellos kompliziert zu sein. Davon will der MVV nun Abschied nehmen, künftig wird es nur noch sieben Zonen geben, diese gelten dann für alle Fahrgäste, egal, welches Ticket sie nehmen. Die Münchner Innenstadt umfasst dabei nur noch eine große Zone.

Fahrten in der gesamten Innenstadt sind nun inklusive

Dies hat vor allem Auswirkungen für diejenigen, die beispielsweise aus dem Landkreis zu einem eher zentrumsfernen Arbeitsplatz in der Landeshauptstadt fahren. Wer etwa bisher aus Vaterstetten nach Trudering pendelt, wählte drei Ringe und zahlte monatlich 66,60 Euro für die Monatskarte. Künftig werden 89,90 Euro fällig, weil die Zone M+1 gewählt werden muss.

Fahrten in der gesamten Innenstadt sind dafür dann inklusive. Innerhalb des Landkreises wird man seltener kostenträchtig mehrere Tarifzonen durchfahren müssen: Alle Orte sind maximal zwei Tarifzonen von der Kreisstadt entfernt, so der MVV in einer Pressemitteilung. Auch wer die Streifenkarte nutzt, kann in manchen Orten von der Reform profitieren: Wer beispielsweise von Poing, Vaterstetten und Zorneding in die Münchner Innenstadt fährt, muss nur noch drei statt bisher vier Streifen stempeln, er zahlt also statt 5,60 nur 4,20 Euro.

Noch mehr spart man künftig bei der Fahrt mit der Streifenkarte von Zorneding oder Vaterstetten nach Ebersberg, statt 5,60 Euro muss man für den Ausflug sogar nur noch 2,80 Euro investieren. Dasselbe gilt, wer mit dem Bus von Poing nach Ebersberg fährt. Auch unter den Nutzern der Isar-Card gibt es große Gewinner, etwa für diejenigen, die zwischen Vaterstetten und Ebersberg pendeln, sie zahlen statt 116,50 Euro monatlich nur noch gut die Hälfte, nämlich 59,90 Euro. Auch Pendler aus Zorneding oder Vaterstetten in die Münchner City werden die Neuerungen positiv im Geldbeutel spüren.

Sollte sich die Reform als Flop herausstellen, könnte das laut Niedergesäß für den Landkreis auch finanzielle Auswirkungen haben. Sollten die Einnahmen sinken, haben sich die Stadt München und die Landkreise verpflichtet, das Defizit auszugleichen. München würde dabei drei Viertel beisteuern, die Landkreise würden sich ein Viertel teilen. Ersten Kalkulationen zufolge könnte das Defizit zwischen 28 und 40 Millionen betragen.