Moosach Geplanter Stall stinkt den Nachbarn

Künftige Anwohner und Lokalpolitiker besichtigen den Bauplatz einer Schweinemastanlage in Baumhau. Auch der Bauherr ist gekommen und stellt sich der Debatte - einig werden sich die Parteien indes nicht.

Von Wieland Bögel, Moosach

Dass man auf manche Nachbarn lieber verzichten würde, diese Erfahrung hat wohl jeder schon gemacht. Derzeit entspricht dies der Stimmung bei den meisten Bewohnern des Örtchens Baumhau bei Moosach. Sie wünschen sich, dass ihre bereits angekündigten Nachbarn möglichst nie einziehen werden: Es geht um bis zu 600 Mastschweine. An der Stelle, wo deren Stall einmal entstehen soll, haben sich nun die künftigen Nachbarn, Lokalpolitiker und der Bauherr getroffen und ihre Argumente ausgetauscht.

Seit mehr als zwei Jahren schwelt bereits der Streit um die geplante Mastanlage. Schon kurz nachdem die Pläne im Sommer 2012 bekannt wurden, gab es Protest von den Anliegern, welche die Bürgerinitiative "Pro Moosach" gründeten. Zum einen wegen des zu erwartenden Gestanks, der von den Schweinen und ihren Hinterlassenschaften ausgeht. Aber auch Umweltschäden werden befürchtet, etwa durch den Austritt von Gülle ins Grundwasser, genau wie eine Verkehrszunahme und nicht zuletzt eine Verschandelung der Landschaft durch das rund 1200 Quadratmeter große Gebäude. Der Gemeinderat Moosach sah dennoch im September vor zwei Jahren keine Handhabe, gegen das Projekt vorzugehen, und erteilte sein Einvernehmen. Denn der Antragsteller hatte seine Pläne nachgebessert und den Standort für den Maststall etwas weiter weg vom Ort verlegt. Außerdem versicherte er den Gemeinderäten, dass dort auf keinen Fall mehr als 600 Schweine gehalten werden sollten, eine "Agrarfabrik" wie sie einige der Kritiker befürchteten also ausgeschlossen sei. Zudem ist das Votum des Gemeinderates ohnehin nicht bindend. Landwirtschaftliche Anlagen, zu denen auch der Maststall gehört, dürfen außerhalb von Ortschaften ohne Genehmigung der Gemeinden errichtet werden, wenn das Landratsamt zustimmt.

Siegfried Lehnberg, Sprecher der Bürgerinitiative, hofft, dass es eine solche nie geben wird. Grund zur Hoffnung habe ihm ein Treffen zwischen Landrat Robert Niedergesäß (CSU) und Landratsamtmitarbeitern sowie Mitgliedern der Bürgerinitiative Anfang Februar gegeben, über das er nun beim Lokalaugenschein berichten wolle. Gekommen waren neben einigen Nachbarn auch Politiker, etwa die stellvertretende Landrätin Waltraud Gruber (Grüne), SPD-Kreisrätin Bianka Poschenrieder und Ebersbergs Grünen-Vorsitzende Bettina Goldner sowie Grünen-Landeschefin Sigi Hagl. Lehnberg erklärte, er habe durchaus "den Eindruck, dass man im Landratsamt Bauschschmerzen hat". Das Areal östlich von Baumhau sei, das habe man auch seitens der Behörde bestätigt, "ein sehr sensibler und problematischer Standort". Eine Geruchsbelästigung der Umgebung sei genauso wenig auszuschließen, wie eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. "Wenn der Stall erst einmal steht, ist es zu spät", so Lehnberg.

Ein Stall mit bis zu 600 Schweinen soll auf dem Areal im Hintergrund entstehen. Doch viele Bewohner des nahen Dorfes Baumhau sind gegen das Projekt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bauherr Markus Murr widersprach diesen Befürchtungen. Der Stall werde so gut wie gar nicht stinken, denn es werde eine Unterdruckbelüftung eingebaut, außerdem soll die Gülle sofort mit Stroh gebunden werden. "Das wird getrocknet und geht anschließend in eine Biogasanlage." Außerdem diene der Maststall der regionalen Wertschöpfung, so Murr, der auch eine Schlachterei und Metzgerei betreibt. Er wolle Ferkel aus der Region mit Futter aus der Region mästen und anschließend auch regional vermarkten. Eine Aussage, die ihm die Kritiker seines Vorhabens nicht glauben wollten. Nachbar Hans Mutzbauer unterstellte Murr, er wolle eigentlich gar keine Schweine mästen, sondern die Grundstückspreise. "Jetzt ist das landwirtschaftliche Fläche, wenn der Stall kommt, ist es in zwei Jahren Gewerbegrund."

Ob der Stall wirklich kommen darf, darüber habe man noch nicht entschieden, sagt Norbert Neugebauer, Büroleiter des Landrates. Dies liege vor allem an der Größe des Vorhabens, "das ist kein Standardbau, hier gibt es noch Klärungsbedarf". Die von den Kritikern angesprochenen Probleme sehe man im Landratsamt ebenfalls, "ob es reicht, die Genehmigung zu versagen, muss sich zeigen". Neugebauer rechnet damit, dass diese Entscheidung innerhalb des kommenden Vierteljahres fällt.