Mehr Platz für Schüler Schulen in Vaterstetten und Ebersberg sollen größer werden

In Ebersberg soll der Verwaltungstrakt der Realschule (unten, rechte Seite) saniert und aufgestockt werden.

(Foto: Christian Endt)

Der Kreistag bringt den Ausbau eines Gymnasiums und einer Realschule auf den Weg.

Von Wieland Bögel, Ebersberg/Vaterstetten

Der Trend beim Bauen geht zu mehr Verdichtung, das gilt auch für die Schulen. Im Ebersberger Kreistag wurden nun die Ausbaupläne für das Vaterstettener Humboldt-Gymnasium und die Dr.-Wintrich-Realschule in Ebersberg beschlossen. Beide sollen dabei möglichst in die Höhe wachsen, die Realschule bekommt ein zusätzliches Stockwerk über dem Verwaltungstrakt, am Gymnasium wird ein vierstöckiger Anbau entstehen. Der Grund ist der gleiche wie bei privaten Bauvorhaben: Wer in die Höhe strebt, bekommt eine Art Mengenrabatt.

Aber auch der Raumbedarf hätten sich geändert, sagte Landrat Robert Niedergesäß (CSU) in der Sitzung. Darum müsse der Kreistag seinen Beschluss zum Vaterstettener Gymnasium ergänzen. Im vergangenen Sommer hatte das Gremium bereits einem Ausbau der Schule zugestimmt. Damals ging es allerdings zunächst um einen Ersatz für die Klassenzimmer, die seit 2004 in Containern untergebracht sind. Außerdem sollte dem zusätzlichen Platzbedarf durch die Wiedereinführung des neunstufigen Gymnasiums Rechnung getragen werden. Die Kreisverwaltung geht in ihren Berechnungen von etwa 1500 Schülern aus, was Räume für 50 Klassen nötig machen würde.

"Aber die Zeit steht nicht still", so der Landrat, Anfang des Jahres hatte die Schule erklärt, sie benötige darüber hinaus dringend einen Multifunktionsraum. Dieser soll sowohl für Veranstaltungen, für das Schülertheater, das Schulorchester und ähnliches genutzt werden, wie auch für den Unterricht, etwa für Vorträge oder Seminare mit größerer Schülerzahl. Auch für Schülerversammlungen oder Lehrerkonferenzen fehle derzeit ein geeigneter Raum, so die Schulleitung in ihrem Antrag vom Januar. In der bestehenden Aula und in der Pausenhalle seien solche Veranstaltungen nur sehr eingeschränkt möglich, außerdem müsste die Technik jedes Mal extra angemietet werden. Was in der Schule - zumindest mittelfristig - ebenfalls fehlt, ist eine weitere Sporthalle.

Die Containerklassen am Humboldt-Gymnasium, die der damalige Vaterstettener Bürgermeister Robert Niedergesäß 2004 eingeweiht hat, sollen unter Landrat Niedergesäß endlich durch richtige Klassenzimmer ersetzt werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Kreistag wurde nun vorgestellt, wie sich die drei Vorhaben - also mehr Klassenzimmer, eine neue Turnhalle und der Veranstaltungsraum - am besten verwirklichen lassen. Laut Hubert Schulze vom Landratsamt gibt es drei mögliche Vorgehensweisen. Entweder die Unterrichtsräumen und der Mehrzwecksaal würden in einem gemeinsamen Anbau untergebracht und die Turnhalle dann in einem späteren Bauabschnitt nach 2024 errichtet.

Die geplanten Kosten steigen von 14 auf 21 Millionen Euro

Das hätte den Vorteil, dass Klassenzimmer und Veranstaltungsraum schnell verfügbar wären. Ein Nachteil wäre, dass die Turnhalle erst in einigen Jahren gebaut würde und ein eigenes Gebäude dafür nötig wäre. Darum fallen bei dieser Variante die Kosten am höchsten aus, statt 14,3 Millionen Euro, wie im Juli 2017 beschlossen, müsste man mit mehr als 21,3 Millionen rechnen.

Etwas günstiger, mit 20 Millionen Euro, sei Variante zwei. Dabei entstehen die Klassenzimmer in einem Anbau, die kombinierte Sport- und Veranstaltungshalle in einem zweiten Anbau. Dieser Anbau stünde aber auch hier erst nach 2024 zur Verfügung, außerdem gebe es ebenfalls das Problem des hohen Flächenverbrauchs.

In Ebersberg soll der Verwaltungstrakt der Realschule (unten, rechte Seite) saniert und aufgestockt werden.

(Foto: Christian Endt)

Am besten, sowohl finanziell als auch vom Zeitplan, sei daher, alle Nutzungen in einem einzigen Neubau unterzubringen. Dieser soll vor 2024 fertig werden, die Gesamtkosten liegen wegen der Synergie-Effekte etwa bei 18,5 Millionen Euro. Laut Niedergesäß könne man etwa ein Viertel der Summe über Fördermittel des Freistaates zurückbekommen - auch weil dieser nach dem sogenannten Konnexitätsprinzip dazu verpflichtet ist, alle Mehrkosten zu übernehmen, die den Landkreisen durch die Umstellung auf das neunjährige Gymnasium entstehen.

Im Untergeschoss, das dafür extra "tiefer gelegt" wird, entsteht eine Sporthalle, die auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Die darüberliegenden drei Stockwerke beherbergen unter anderem Fachräume für Naturwissenschaften, Klassenzimmer und Computerräume. Durch die Unterbringung in einem einzigen Anbau spare man außerdem Flächen auf dem Schulgrundstück. Einziger Nachteil sei, dass der Bau länger dauern werde, laut Verwaltung etwa ein halbes Jahr bis zu neun Monaten zusätzlich. Für den Liegenschafts- und den Schulausschuss hatten jedoch die Vorteile klar überwogen. Beide hatten die Variante drei daher einstimmig befürwortet. Dies tat nun auch der Kreistag, ohne Debatte und ohne Gegenstimmen wurde der neue Anbau beschlossen.

Ebenfalls einstimmig votierte das Gremium für die Aufstockung der Ebersberger Realschule. Auch hier geht es darum, Zeit und Geld zu sparen. Geplant ist, bei der ohnehin anstehenden Sanierung des Verwaltungstraktes, ein zusätzliches Stockwerk aufzusetzen. Dort sollen zwei Klassen- und zwei Musikräume sowie je ein Büro für die Schulsozialarbeit und die Fachleitung Wirtschaftswissenschaften entstehen, auch Elternsprechzimmer wird es dort künftig geben. Da diese Räume ohnehin in den kommenden Jahren nötig werden, sei es günstiger, alles in einem Zug zu errichten. Dadurch müsste die Schule nur einmal zur Baustelle werden. Auch die Mehrkosten seien mit 1,3 Millionen Euro noch am geringsten, würde man bis 2025 warten, könnten diese mehr als 1,5 Millionen betragen. Die Verwaltung geht von einem Gesamtbetrag von 5,8 Millionen aus, es sei mit etwa 1,45 Millionen Euro Fördergeld zu rechnen.

Mit den Ausbauprogrammen in Vaterstetten und Ebersberg hat der Kreistag nun den ersten Teil des im vergangenen Oktober vorgestellten "Masterplan Schulen" auf den Weg gebracht. Dieser umfasst jene Maßnahmen, die an den bestehenden Schulen des Landkreises anstehen. Der zweite Teil des Masterplanes umfasst die Gründung zweier neuer Schulen, dem dann fünften Gymnasium, das in Poing entstehen wird, und einer Berufsschule - es wäre die erste im Landkreis Ebersberg. Diese soll in Grafing-Bahnhof entstehen, wo genau ist derzeit noch nicht klar.