Mehr Hilfe für Zuwanderer Missverständnisse am Arbeitsplatz gefährden die nachhaltige Integration

Mangelnde Sprachkenntnisse sind ein Grund dafür, dass viele Flüchtlinge nicht dauerhaft am Arbeitsmarkt Fuß fassen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Das Ebersberger Jobcenter weist eine der besten Quoten im Umland auf, was die Vermittlung von Flüchtlingen angeht.
  • Allerdings scheitern die Arbeitsverträge oftmals an kulturellen Missverständnissen.
  • Eine Zusammenarbeit mit externen Coaches soll diese Probleme im Jobcenter nun beheben.
Von Barbara Mooser, Ebersberg

Auf den ersten Blick sieht die Bilanz hervorragend aus: 60 Prozent aller beim Ebersberger Jobcenter gemeldeten Flüchtlinge haben eine Beschäftigung gefunden, das ist mit Abstand die höchste Quote aller Jobcenter im Umkreis. Doch die Unterschrift auf dem Arbeitsvertrag bedeutet in vielen Fällen kein dauerhaftes Happy End: Viele Arbeitsverhältnisse sind nur befristet, andere werden noch vor dem Ablauf der Probezeit beendet, wie Fachleute vom Jobcenter in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses des Kreistags berichteten.

Kulturelle Missverständnisse, Sprachhürden, aber auch Defizite in Grundlagen der Mathematik sind die Ursache. Ein Coachingprogramm, das sich auch an Kunden des Jobcenters ohne Migrationshintergrund wendet, soll hier ansetzen.

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Insgesamt hat das Jobcenter im vergangenen Jahr 703 Menschen eine Beschäftigung vermittelt, darunter 298 Flüchtlingen. Die 60-prozentige Vermittlungsquote im Bereich der Zuwanderer übersteigt laut Hermann Schmidbartl, dem Chef des Jobcenters, die in anderen Landkreisen deutlich, dort werden durchschnittlich nur 40 Prozent der Flüchtlinge in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt.

Doch 50 bis 60 Prozent dieses Personenkreises landen auch in Ebersberg innerhalb eines Jahres erneut in der Kartei des Jobcenters. Zum Vergleich: Bei den übrigen Kunden sind es etwa 30 Prozent.

Die Gründe dafür, dass die Integration "oft nicht nachhaltig" ist, wie es Benedikt Hoigt, Teamleiter Markt und Integration, beschreibt, sind vielfältig. Zum einen, das stellen die Fachleute vom Jobcenter immer wieder fest, reichen die Sprachkenntnisse einfach nicht aus. Auch die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) angebotenen Deutschkurse vermitteln nicht die nötigen Grundlagen; im Rahmen des Möglichen bietet das Jobcenter daher selbst Sprachkurse an. Ähnlich sieht es mit den Mathematikkenntnissen vieler Betroffener aus, auch hier gibt es bisweilen Nachhilfe vom Jobcenter.

Die Zusammenarbeit scheitert oft an kulturellen Missverständnissen

Zum anderen aber scheitert die Zusammenarbeit von örtlichen Arbeitgebern und Flüchtlingen aber auch an kulturellen Missverständnissen. Hermann Schmidbartl nennt ein Beispiel: In Eritrea etwa gelten Nachfragen als Kritik am Chef, daher werden Menschen aus diesem Land in der Regel immer bejahen, wenn sie gefragt werden, ob sie alles verstanden haben - einfach, um das Gegenüber nicht zu brüskieren. Erst später stellen die Chefs dann fest, dass es doch noch Redebedarf gegeben hätte - auch das führt bisweilen zu Frust.

Auch unzählige Dinge, die für hiesige Arbeitnehmer selbstverständlich sind, müssen erst geklärt werden, erläutert Hoigt: Wie pünktlich muss man sein, wie sieht es mit den Pausen aus, wie meldet man sich richtig krank, wie geht man mit den Kollegen um? Um eine an sich gut anlaufende Zusammenarbeit nicht an solchen Fragen scheitern zu lassen, arbeitet das Jobcenter nun mit externen Coaches zusammen.

Diese bieten den Kunden des Jobcenters Beratungstermine an, auch außerhalb der Arbeitszeiten, zum Beispiel samstags. Der Coach könnte aber die Betreffenden auch in die Firmen begleiten und dabei helfen, Missverständnisse schnell auszuräumen. Wie Hoigt unterstreicht, sind die Coaches aber nicht nur für die Geflüchteten im Einsatz, sondern für alle Kunden des Jobcenters, die das wünschen oder brauchen.

Speziell auf Flüchtlinge ausgerichtet war hingegen ein Strategietag Anfang März, bei dem Fachleute aus vielen Bereichen darüber debattierten, wie es noch besser gelingen kann, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Kreishandwerkerschaft, die IHK und die Kammern waren dabei ebenso vertreten wie der DGB, die Helferkreise, die betroffenen Behörden, die Polizei, die Wohlfahrtsverbände und die Schulen. Die mehrstündigen Debatten sollen nun in einem Strategiepapier mit entsprechenden Schlussfolgerungen zusammengefasst werden.

Im Ausschuss bekamen die Fachleute vom Jobcenter Applaus von der gesamten Runde und Lob von Reinhard Oellerer in doppelter Funktion als Grünen-Kreisrat und Mitglied im Anzinger Helferkreis: Er danke dem Jobcenter für die engagierte Arbeit mit Flüchtlingen, sagte Oellerer, die Mitarbeiter agierten unbürokratisch und "insgesamt super".

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