Mehr als nur EBE Ein zu teurer Spaß

Bürgermeister im Landkreis stehen der Idee des Verkehrsministers, eigene Autokennzeichen für Kommunen einzuführen, skeptisch gegenüber. Man befürchtet mehr Arbeit und höhere Kosten für die Rathäuser

Von Wieland Bögel

Auch in Zukunft werden sich die Bewohner der Landkreiskommunen wohl nicht an ihren Autokennzeichen erkennen. Die Idee von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Städten und Gemeinden künftig zu erlauben eigene Autokennzeichen einzuführen, stößt bei den Bürgermeistern im Landkreis auf wenig Interesse. Mehr als die Unübersichtlichkeit durch zahlreiche neue Kennzeichen gibt es Befürchtungen, dass dadurch mehr Arbeit und vor allem mehr Kosten auf die Kommunen zukommen werden.

Als ob wir keine anderen Probleme hätten", meint der stellvertretende Landrat, Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU): Die Vergabe von Kennzeichen für jede Kommune sei "ein Schmarrn." Dem stimmt auch Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) zu. Das Verkehrsministerium sollte sich lieber mit wichtigeren Dingen beschäftigen, etwa dem Ausbau der Bahnstrecken. Für Hohmann ist die Idee des Verkehrsminister dem Sommerloch geschuldet: "Das ist wie das Krokodil im Badesee". Ebenfalls skeptisch ist man in der zweitgrößten Landkreisgemeinde. Poings dritte Bürgermeisterin Karin Kölln-Höllrigl (FWG) erklärt, es gebe genügend dringendere Aufgaben. Letztendlich müsste allerdings der Gemeinderat entscheiden, ob sich die Poinger ein eigenes Kennzeichen zulegen sollten. Dementsprechende Anfragen oder gar Anträge gebe es aber nicht.

Ich bin froh, wenn wir mit solchen Dingen nicht auch noch zu tun haben", meint Grafings Bürgermeister Rudolf Heiler (FW). Denn sollte es künftig ein eigenes Kennzeichen für die Stadt geben, müsste man wahrscheinlich auch eine eigene Zulassungsstelle im Rathaus einrichten. "Das wäre ein Riesenaufwand" und mit nicht unerheblichen Kosten verbunden, sagt Heiler. Vaterstettens zweiter Bürgermeister Martin Wagner (CSU) kann einer eigenen Zulassungsstelle im Rathaus dagegen positive Seiten abgewinnen: "Wenn wir unseren Bürgern den Service vor Ort bieten und eine Fahrt nach Ebersberg ersparen können, wäre das vielleicht ein Vorteil."

Trotzdem gebe es in der einwohnerstärksten Gemeinde des Landkreises noch keine konkreten Pläne, ein eigenes Autokennzeichen einzuführen. Dazu sei es noch zu früh, meint Wagner, und die Pläne des Verkehrsministers noch zu unkonkret. Bevor man sich mit dem Thema befasse, müsse erst klar sein, "ob wir dürfen". So sei noch unbekannt, ab welcher Größe eine Kommune ein eigenes Kennzeichen bekommen könne. "Mit 22 000 Einwohnern sind wir eben keine Großstadt", gibt sich Wagner bescheiden. Er geht deshalb nicht davon aus, "dass es im Landkreis bald 20 verschiedene Kennzeichen geben wird".

Dass die Bürger der Großgemeinde aber eines Tages vielleicht doch ihre Herkunft auf dem Nummernschild kundtun können, will Wagner nicht ganz ausschließen. Es gebe in Vaterstetten bestimmt Leute, die das gut fänden, vermutet er, auch im Gemeinderat. Wagner erwartet deshalb eine lebhafte Debatte, falls das Thema eigenes Autokennzeichen einmal auf der Tagesordnung des Gremiums stehen würde.

In Grafing wird eine solche aber voraussichtlich ausbleiben, man werde sich wohl nicht um ein eigenes Kennzeichen bemühen, sagt Heiler. Das bestehende System habe sich über Jahrzehnte bewährt, es gebe keine Notwendigkeit, es jetzt zu ändern. Als Vorsitzender des oberbayerischen Gemeindetages weiß Heiler aber, dass es durchaus Kommunen gibt, die lieber heute als morgen ein eigenes Kennzeichen möchten. Deshalb ist Heiler nicht unbedingt gegen eigene Kennzeichen für Städte und Gemeinden: "Wer meint, dass man sich dadurch besser mit seinem Ort identifizieren kann, der soll es machen."