Markt Schwaben Wider der Natur

Am frühen Donnerstagmorgen rückt am Hauser Weg schweres Gerät an, um die ehemalige Fläche des Tennisklubs zu roden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

In Markt Schwaben werden am Hauser Weg Bäume und Sträucher gerodet - womöglich ohne Genehmigung

Von Max nahrhaft, Markt Schwaben

- Trostlosigkeit macht sich breit, wenn man im morgendlichen Dunst die gefällten Bäume und große Haufen an umgeschnittenen Sträuchern sieht. Von der Natur, die dort bis vor wenigen Stunden noch war, ist nicht mehr viel zu sehen. Viele Spaziergänger bleiben erst einmal verdutzt stehen, als sie riesige gerodete Fläche sehen. Neben dem Hauser Weg am nördlichen Rand Markt Schwabens ist am Donnerstag eine etwa 20 000 Quadratmeter große Fläche gerodet worden.

Bis vor einigen Jahren hat ein Tennisverein die Fläche genutzt, es gab mehrere Spielfelder und ein Vereinsheim. Nachdem das Vereinsheim des Clubs niederbrannte, stellten die Verantwortlichen den Spielbetrieb ein und überließen das Gelände sich selbst. Seitdem diente das Areal als kleine grüne Lunge des Ortes und bot ein Refugium für viele Tiere und Pflanzen.

Als am Donnerstagmorgen schweres Gerät anrollte, wurde dieser Naturraum abrupt gestört und langfristig beeinträchtigt. Drei große Maschinen fällten fast alle Bäume auf dem Grundstück und mähten die Sträucher und Büsche nieder. Viele Anwohner betrachteten dieses Szenario ungläubig. Eine direkte Nachbarin rief bei der Gemeinde an und wurde zur Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Ebersberg verwiesen. "Ich wollte einfach nur eine Auskunft darüber, was dort drüben passierte", sagt sie. Nur wenige Minuten nach dem Anruf wurden die Arbeiten gestoppt. Damit konnten noch einige wenige Bäume gerettet werden, die auf dem Grundstück stehen.

"Wir wurden weder vom Eigentümer benachrichtigt, noch liegt uns ein Bauvorhaben oder Ähnliches vor", sagt Horst Schuh, der zuständige Mitarbeiter in der Gemeinde Markt Schwaben. Da das Gebiet an den Hennigbach angrenzt, ist es Teil des Überflutungsbereichs und damit zunächst einmal nicht für Bauvorhaben zugelassen, erklärt er. Das Gelände liegt zudem im stadtplanerischen Außenbereich der Gemeinde, für den es noch keinen Bebauungsplan gibt. Allerdings sei die Gemeinde bei einer sogenannten Fläche der freien Natur gar nicht zuständig, "das ist eigentlich Sache des Landratsamts", sagt Schuh weiter. Die zuständige Untere Naturschutzbehörde wusste nichts von dem Rodungsprojekt. "Nichts, was dort geschah, war mit uns abgestimmt", so Evelyn Schwaiger vom Landratsamt in Ebersberg.

Der Eigentümer, der die Arbeiten beauftragt hatte, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut eines örtlichen Architekturbüros, das die Arbeiten kontrollierte, habe er vom Landratsamt eine Genehmigung erhalten, die sich auf die Fällung der Bäume direkt am Weg und nicht auf das gesamte Gelände bezog. Allerdings habe der Eigentümer veranlasst, nicht nur die Bäume am Rand zu roden zu lassen, sondern die ganze Fläche vom Bewuchs und den Resten desTennisklubs, etwa den Netzen, Spielfeldmarkierungen und Zäunen, zu säubern. Das Ebersberger Landratsamt kündigte an, rechtliche Schritte gegen den Urheber der Rodung zu prüfen. Behörden-Sprecherin Evelyn Schwaiger sagt: "Ich finde das nicht in Ordnung, wir müssen aber zunächst schauen, gegen welches Recht verstoßen wurde und wie wir das ahnden werden." Der Schaden selbst lässt sich logischerweise nicht beheben, da der Urzustand des Geländes nicht wieder herzustellen ist. Eine mögliche Option wäre darum zum Beispiel die Zahlung eines Bußgeldes. Bevor man über die Konsequenzen nachdenke, müsse aber erst einmal nachgeprüft werden, ob die Rodung tatsächlich rechtswidrig war.