Markt Schwaben Mal kurz die Welt erklären

Der frühere Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Horst Teltschik (links), und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, im Sonntagsgespräch.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bei den Sonntagsbegegnungen plaudert der frühere Kanzlerberater Horst Teltschik mit Joachim Herrmann über große Politik

Von Karin Kampwerth, Markt Schwaben

Schuld ist eigentlich Obama. Und wer seinen Nachfolger als US-Präsident, Donald Trump, eines Dachschadens bezichtigt, spricht keine Beleidigung aus. Im Gegenteil, "so jemand ist offen für Höheres". Weisheiten wie diese kamen am Sonntag von Horst Teltschik. Der frühere Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl und Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz in den Jahren von 1999 bis 2008 war Gast der Sonntagsbegnungen in Markt Schwaben. Mit seinem Dialogpartner, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, sprach Teltschik darüber, wie man "Aus der Geschichte lernen" könne.

Doch bevor Teltschik mit Erinnerungen aus seinem bewegten politischen Leben Herrmann genauso in den Bann zog wie das Publikum im vollbesetzten Saal des Unterbräu, wurde es festlich. Denn die Reihe, die 1992 von Bernhard Winter, inzwischen Markt Schwabener Altbürgermeister, ins Leben gerufen wurde, feiert ihr 25-jähriges Bestehen. In Summe kann der SPD-Politiker und Psychologe auf 163 Dialoge mit 16 000 Zuhörern zwischen Politikern, Kabarettisten, Sportlern, Medien- und Kulturschaffenden zurückblicken. Lob gab es dafür von Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der die Sonntagsbegegnungen als "einmalig in der ganzen Region" lobte. Winter müsse inzwischen längst nicht mehr um Gäste betteln, sondern könne diese handverlesen aussuchen. Inzwischen gelte es als Ehre, nach Markt Schwaben eingeladen zu werden. Dem schloss sich Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) an, der seinen Amtsvorgänger mit einer Urkunde auszeichnete. Doch zurück zu Obama. Wenn dieser nicht Russland als regionale Macht bezeichnet hätte, dann hätte Wladimir Putin keinen Grund, sich mit Assad oder dem türkischen Präsidenten Erdoğan zu verbünden. Damit wolle Russland lediglich unterstreichen, weltpolitisch ein Wörtchen mitzureden. "Auch wenn Obama recht hat, er hätte es nicht sagen dürfen", erklärte Teltschik die hohe Schule internationaler Diplomatie.

In Bezug auf Russland hätte man dem Thema des Vormittags folgend ohnehin viel aus der Geschichte lernen können. Denn der Konflikt mit der Ukraine sei lediglich Ausdruck des Sicherheitsbedürfnisses, dass die Russen seit jeher antreibe und die sich nun von Nato-Partnern umzingelt sähen. "Sicherheit ist das zentrale Interesse der Russen", sagte Teltschik. Das habe sich auch 1990 beim sogenannten großen Vertrag damals noch mit der Sowjetunion gezeigt. Darin habe die Bundesrepublik unter anderem auf den Erstangriff sowie den Einsatz von ABC-Waffen verzichtet. Der damalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow habe Teltschik daraufhin bei einem geheimen Treffen in Moskau gefragt, warum man nun noch die Nato brauche, "wir sind doch jetzt Freunde". Inzwischen müsse man sich die Frage stellen, warum die Nato-Partner stärker für Abrüstung engagierten - im Gegenteil: "Die vertrauensbildenden Maßnahmen mit der Ukraine wurden eingestellt", sagte Teltschik.

Doch nicht nur Russland, auch die Türkei war Thema im Unterbräu. Demokratieferne Vorgänge, die den bayerischen Innenminister zu einem Plädoyer für die Europäische Union veranlassten. Denn auch, wenn in Brüssel nicht alles richtig laufe, bedeute die EU doch, dass es hier seit 70 Jahren keinen Krieg gab. "Wir müssen alles tun, dass sich Weltkriege nicht wiederholen", appellierte Herrmann.

Der Innenminister stellte sich aber auch lokalen Fragen wie der Bitte von Poings Polizeidienststellenleiter Helmut Hintereder nach mehr Personal. Herrmann versprach, die Dienststellen im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in den kommenden Jahren besser auszustatten.

Blieb die Frage nach dem Umgang mit Donald Trump. Am besten, wie Kohl einst mit Ronald Reagan verfahren sei. Wenn es diesem zu viel wurde, habe er Witze erzählt. Angela Merkel riet Teltschik für ihren bevorstehenden Besuch im Weißen Haus deshalb: Nicht mehr als drei, vier zentrale Themen ansprechen. Und falls Trump Unfug rede: "Immer dagegen halten."