Markt Schwaben Kindergarten ohne Erzieher

70 Kinder könnten in der umgebauten Markt Schwabener Haydn-Villa betreut werden. Zur Eröffnung zieht aber nur eine Gruppe ein, weil der Trägerverein keine Fachkräfte gefunden hat.

Von Karin Kampwerth

Wenn am Montagvormittag die Haydn-Villa in Markt Schwaben offiziell als Kindergarten eröffnet wird, sind zwar der Bürgermeister und der Besitzer des Gebäudes da, aber es fehlt eine ganze Reihe der wahren Hauptdarsteller. Denn eigentlich wäre in dem aufwendig sanierten historischen Gebäude gleich beim Marktplatz Platz für drei neue Kindergartengruppen mit maximal 70 Kindern. Einziehen wird aber nur eine Gruppe. Der Grund: Dem Trägerverein "Vorschule Markt Schwaben e.V." ist es nicht gelungen, Erzieherinnen für die Einrichtung zu finden.

"Seit wir im Februar erfahren haben, dass wir die Haydn-Villa als Kindergarten übernehmen können, suchen wir Erzieherinnen", sagt Vereinsvorsitzende Brigitte Tillmann. "Und wir haben wirklich alles getan." In Zeitungen habe sie inseriert, die offenen Stellen beim Arbeitsamt gemeldet und auf die Internetseiten von sozialen Berufsportalen gestellt und alle Erzieher- und Kinderpflegeschulen angeschrieben. Die Bewerbungen aber habe Tillmann an einer Hand abzählen können.

Das, so weiß Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann (SPD), liege weder an der liebevoll zum Kindergarten umgebauten Haydn-Villa, in der es mit großzügig ausgestatteten Räumlichkeiten sogar mit Lift und einem riesigen Garten in der Ortsmitte weder Kindern noch Fachpersonal an irgendetwas fehlen würde. Vielmehr sei der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen schlichtweg leergefegt.

Dass ausgerechnet die Haydn-Villa als erste Einrichtung im Landkreis den Fachkräftemangel mit aller Härte zu spüren bekommt und die Zahl der Kinder, die eigentlich aufgenommen werden könnte, drastisch um ein Drittel reduziert werden muss, überrascht Hohmann indes nicht. Bereits vor vier Jahren habe der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo), dem er angehört, auf die Problematik hingewiesen. Zwar könne die Awo als großer Träger von Kindertagesstätten mit entsprechendem Personal noch auf nicht besetzte Stellen reagieren, etwa wenn eine Erzieherin in die Elternzeit gehe. "Aber wir laufen sehenden Auges auf einen Abgrund zu", sagt Hohmann. So sei zwar gerade beschlossen worden, weitere 96 Krippenplätze in der Gemeinde zu schaffen, um dem von 2013 an geltenden Rechtsanspruch nachzukommen. "Aber was nützt uns das, wenn wir das baulich organisieren und dann die Erzieherinnen fehlen", sagt Hohmann.

Dass die Situation schon jetzt für Familien in Markt Schwaben schwierig ist, zeigt sich an der Haydn-Villa. So hat Hohmann schon Besuch von einigen Eltern gehabt, die einen Platz im neuen Kindergarten benötigt hätten. "Ich musste ihnen sagen, dass sie an der falschen Tür angeklopft haben." Die Verantwortlichen dafür sieht er nicht im Rathaus, sondern in Berlin.

Dem kann sich Brigitte Tillmann vom Trägerverein der Haydn-Villa nur anschließen. Sie sieht die Versäumnisse vor allem darin, dass das Berufsbild nicht attraktiv genug für junge Leute ist. Weder Wertschätzung noch Bezahlung stimmten, "dabei gibt es schon lange nicht mehr die Kindergartentante, die den ganzen Tag vor sich hinsingt." Statt Eltern ein Betreuungsgeld zu bezahlen, sollte das lieber in die qualifizierte Betreuung gesteckt werden.

Für die Haydn-Villa hat sich der Verein etwas überlegt. Statt zwei neuer Gruppen werden aus dem Kindergarten "Altes Schulhaus" übergangsweise zwei Gruppen einquartiert. So kann das alte Schulhaus in den kommenden Monaten brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden. "Das ist für die Kinder schöner, als Container, die wir sonst als Ersatz hätten aufstellen müssen", sagt Tillmann.