Markt Schwaben Artenvielfalt von A bis Z

Auf dem Storchenacker am Rand von Markt Schwaben baut Doris Seibt gemeinsam mit anderen Gemüse an. Mit Kräuterfachfrau Irena Meilick führte sie Besucher durch ihr nachhaltig bewirtschaftetes Teilstück

Von Antonia Heil, Markt Schwaben

Doris Seibt zeigt ihren Besuchern Gemüsesorten und Blumen, die es anderswo nicht mehr oft gibt.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

"Na, was glauben Sie, was ist das hier?" Allgemeine Ratlosigkeit herrscht. "Irgendetwas Kohlartiges", vermutet jemand. "Richtig! Es ist eine Version des Meerkohls. Die Blätter kann man super zubereiten!" Wenn sie über ihre Pflanzen spricht, leuchten Doris Seibts Augen. Etwa 15 Erwachsene und eine Handvoll Kinder sind zur Führung durch ihren Storchengarten gekommen. Der Storchengarten ist ein Teil des Storchenackers, einem gemeinschaftlich bewirtschafteten kleinen Feld am Rand von Markt Schwaben am Ende der Grafen-von-Sempt-Straße. Doris Seibt ist Agrar-Ingenieurin und politisch bei den Grünen aktiv. Der Storchengarten ist ihr Herzensprojekt.

Bei regelmäßigen Führungen will sie ihren Gästen erklären, welche unterschiedliche alten Sorten verschiedener Pflanzen sie anbaut und warum genau das so wichtig ist, um die Artenvielfalt zu erhalten. Und Artenvielfalt gibt es auf ihrem Teil des Feldes: Borretsch, wilde Hirse und Artischocke stehen neben Ringelblumen, Tomaten und Speisezwiebeln.

Manche Pflanzen verjagen Schädlinge

Bevor der eigentliche Rundgang über das Stück Grünland beginnt, zeigt Seibt ihren Gästen den Samenstand einer Senfpflanze. "Nehmen Sie sich ruhig Samen mit! Senf hilft gegen Schnecken." Für die Kinder hat sie etwas ganz besonderes: kleine Mimosen. Sie falten ihre Blätter zusammen, als die Mädchen und Jungen sie mit den Fingern anstupsen. Es ist ein Schutzreflex der Pflanze. "Ich möchte, dass Kinder ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie empfindlich die Natur ist", sagt Seibt.

Die Schlangenzucchini scheinen Darion und Robin, hier mit Kräuterpädagogin Irena Meikick, gut zu gefallen. Ob die Begeisterung anhält, wenn die Früchte auf dem Teller landen?

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Sie hat ihr Stück Feld systematisch angelegt. Die Gewächse, deren lateinischer Name mit a beginnt, stehen nah am Weg, und je weiter man in das Feld hineingeht, desto weiter schreitet man auch im Alphabet voran. Die Gäste gehen von Pflanze zu Pflanze und erfahren jeweils, was es ist und wie man es anbaut. Seibt und ihre Freundin Irena Meilick, eine Spezialistin für Wildkräuter, sind voll in ihrem Element.

Während Seibt vor allem Kulturpflanzen wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreidesorten erklärt, lenkt Meilick immer wieder die Aufmerksamkeit auf eher unscheinbare Wildkräuter wie zum Beispiel die Kamille. Deren heilsame Wirkung ist auch heutzutage noch ziemlich bekannt. Den Beinwell hätten die meisten Gäste aber wohl nicht identifizieren können. Seine Blätter kann man laut Meilick als Salbe bei schmerzenden Beinen einsetzen - daher der Name. Ein paar Besucher zücken Bleistift und Block und notieren sich die Tipps. Die Wildkräuter sprießen munter auf dem Storchenacker, weil hier keine Pestizide gegen Unkraut eingesetzt werden.

Moderne Züchtungen sind zwar ertragreich - aber die Samen sind steril

Die beiden Frauen wollen ihr Wissen weitergeben. Aber nicht nur das Wissen um den Anbau und die Verwendung der Pflanzen, sondern vor allem das Wissen um die Erhaltung der Vielfalt in der Natur. Dabei geht es Seibt besonders darum, Gemüse und Pflanzen mit samenfestem Saatgut selbst anzubauen und auch unter die Leute zu bringen. Als samenfest bezeichnet man Saatgut, das man über Pflanzengenerationen hinweg vermehren kann und bei dem alle Nachfolgepflanzen gleich aussehen. In der modernen Züchtung kommt aber stattdessen Hybrid-Saatgut zum Einsatz. Hierbei wird Saatgut immer weitergezüchtet, um Faktoren wie Widerstandsfähigkeit und Ertrag zu vergrößern. Heutzutage verwendet man in der Landwirtschaft fast ausschließlich das Endprodukt dieses Prozesses. "Die Samen von Hybridpflanzen sind unbrauchbar", sagt Seibt. Dabei deutet sie auf eine Rosenkohlpflanze. "Die hier hat mir ein Bekannter geschenkt, der sie in seinem Gewächshaus gefunden hat. Wir wollten testen, ob sie samenfest ist." Sie zerreibt die winzigen Samen zwischen ihren Fingern und schüttelt den Kopf. "Da kann nichts draus wachsen."

Ein paar Schritte weiter stehen mehrere Reihen Sojapflanzen. Auf die neugierige Nachfrage eines Besuchers hin erklärt Seibt, dass sie die Pflanzen im Auftrag der Universität Hohenheim anbaue. Man wolle versuchen, die wärmeverwöhnte Sojapflanze auch in unseren Breiten ertragreich anzubauen. Es gebe in diesem Bereich zwar schon einiges, man wolle aber weitere Sorten ausprobieren. Der Auftrag gehe von der Firma Taifun aus, die aus Soja unter anderem Fleischersatzprodukte herstellt. Seibt unterstützt dieses Projekt gerne. Noch sind die Sojabohnen nicht reif. Seibt vertröstet die Zuschauer mit Erbsen und Futterbohnen.

Wieder ein Stück weiter ist eine mehr als zwei Meter hohe Sonnenblume umgefallen und hat das Rankgitter für die Bohnen niedergedrückt. Die Gärtnerin seufzt: "Wenn ich mehr Zeit hätte, könnte ich hier noch viel mehr herausholen. Oder natürlich, wenn mir noch mehr Helfer zur Seite stehen würden."

Mehr Informationen zum Storchenacker findet man auf www.adonai-echad.com/Storch.