Lesung in Kirchseeon Einblicke in das Leben mit Demenz

Mal ernst, mal heiter, oft überraschend und auch Mut machend: Bernhard Horwatitsch eröffnet in seinem Buch "Das Herz der Dings" verschiedene Sichtweisen auf das Leben mit Demenz. Aus diesem liest der gelernte Fachpfleger für Gerontopsychiatrie auf Einladung der Alzheimer-Gesellschaft Ebersberg am Donnerstag, 8. Juni. Beginn ist um 18.30 Uhr im Awo-Seniorenzentrum Kirchseeon (Am Dachsberg 1-3).

Bernhard Horwatitsch, Jahrgang 1964, hat 25 Jahre in der Pflege gearbeitet. Seit 2014 arbeitet er als Lehrer für Pflegehelfer und Betreuungskräfte, Berater von Rechtsbetreuern und Schriftsteller. In seiner aktiven Zeit in der Pflege habe er für seine Kollegen und auch für sich "die ergreifenden und pointierten Selbstaussagen von an Demenz Betroffenen" gesammelt, erklärt der freie Autor den Impuls zum Verfassen seines Buches. "In meinen Demenz-Gruppen haben wir auch Erinnerungsarbeit und Schreibspiele gemacht. Die einzelnen Schicksale waren immer sehr bewegend, und ich fing an, darüber zu schreiben", sagt Horwatitsch.

Nach seiner Erfahrung ist die Diagnose Demenz für Angehörige so schwer, "weil sie ja ihr Bild von dem Menschen haben, der sich gerade so verändert". Loslassen sage "sich so leicht dahin", meint der Münchner, der in seinem Buch auch auf "Fehlertoleranz" aufmerksam macht. "Denn die Ich-Person dort ist nicht fehlerfrei", sagt er. "Die Chance besteht vielleicht darin, den Menschen neu kennenzulernen." Nachdenklich stimmt Horwatitsch, wenn er berichtet, der häufigste Satz, den er von Demenzbetroffenen gehört habe, sei: "Ich bin zu nichts mehr nütze." Daher meine er, dass "nicht so sehr die Demenz der Horror" sei. "Sondern eine Gesellschaft, die sich als Leistungsgesellschaft definiert und Angst davor hat, Hilfe zu verlangen." Der Eintritt zur Lesung ist frei, unter den Besuchern werden fünf signierte Bücher verlost.