Lange Nacht der Kirchen Mit christlichem Blick

Auch Nachdenkliches wird den Besuchern der Langen Nacht der Kirchen am kommenden Freitag in Grafing präsentiert.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Grafinger Kirchengemeinden greifen auch gesellschaftspolitische Themen auf

Oft wirft man den Kirchen vor, dass sie sich zu wenig um die wirklichen Probleme der Menschen kümmern würden. Dass dieser Vorwurf nicht zutrifft, wollen am Freitag, 13. Oktober, die Grafinger Kirchengemeinden und die Mitveranstalter, das Caritaszentrum Ebersberg und das katholische Kreisbildungswerk, im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen unter Beweis stellen. So befassen sich im Grafinger Pfarrheim ab 19 Uhr das Kreisbildungswerk gemeinsam mit dem päpstlichen Missionswerk missio mit der Fluchtproblematik und der Vor-Ort-Situation und -Hilfe in Afrika. Eingeladen wurde Madame Cécile Beloum, die im Rahmen der Weltmissionswoche in Deutschland unterwegs ist, um über die Situation in ihrem Heimatland Burkina Faso zu berichten. Cécile Beloum saß sechs Jahre als Abgeordnete in der Nationalversammlung und im Parlament der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, CEDEAO. Drei Jahre war sie in ihrem Heimatland auch Ministerin. Im Jahr 1992 gründete sie die Organisation AMMIE, die sich um die Förderung von Frauen und Kindern in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Erziehung kümmert.

Ebenfalls um 19 Uhr steht das Thema Asyl im evangelischen Gemeindehaus auf der Agenda. Elisabeth Kajnath und Mitglieder des Grafinger Asyl-Helferkreises berichten über ihre Arbeit. Auch wenn die Flüchtlingsproblematik momentan an Brisanz verloren hat, geschieht hinter den Kulissen vieles im Stillen. Die Helfer kümmern sich um die Betreuung von Anerkannten, helfen bei der schwierigen Wohnungssuche, begleiten die Asylbewerber zur Rechtsberatung und vieles andere mehr. Dem Thema Flucht und Heimat nähert sich die Religionspädagogin Ingrid Kastner um 19 Uhr im Caritaszentrum, Bahnhofstr. 1, einmal auf eine andere Art und Weise, in der Form des Bibliologs. Im Bibliolog wird die Bibel lebendig und ist nicht nur ein Text, der dem Leser oder Zuhörer erklärt wird. Es geht dabei nicht um die theologische Sichtweise, sondern um die ganz eigene Sichtweise. Die Lebensfragen und die Lebenssituation, in diesem Fall die Themen Heimat und Flucht, finden sich in dieser Form der Textauslegung wieder. Jeder kann sich beteiligen, ohne ein Bibelkundiger zu sein. Auch bei der Adventgemeinde steht das Thema Asyl auf der Agenda. So befasst sich Winfried Pletzer um 22 Uhr im Gemeindehaus der Adventgemeinde, Tegernauer Str. 9, unter der Überschrift "Liebe den Fremden wie dich selbst" mit dem bayerischen Integrationsgesetz und dessen Bezügen zu einer Leitkultur, die auf den Werten und Traditionen des christlichen Abendlandes fußen soll. In seinem Vortrag reflektiert Pletzer vor diesem Hintergrund ein entsprechendes Werteverständnis und nimmt Bezug auf die Fragen der Flüchtlingskrise.

An diesem Abend greifen die Veranstalter auch den Vorwurf auf, dass Religionen eher Trennung befördern, als dass sie Frieden stiften. In den Impressionen zu einem religiösen Gebet, zusammengestellt von Thomas Raabe, Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, lesen Christen und Muslime gemeinsam Texte aus den heiligen Schriften. Thomas Raabe geht es bei den Lesungen darum, dass sich Menschen in einem Klima des gegenseitigen Respekts begegnen. Angehörige verschiedener Religionen und Weltanschauungen sowie unterschiedlichen Alters befassen sich gemeinsam mit den Wurzeln ihrer jeweiligen Religion, die ihnen bei der Bewältigung ihres Lebens helfen soll. Das interreligiöse Gebet beginnt um 20 Uhr in der Grafinger Marktkirche.