Geräusch in Steinhöring Schlechtes Zeugnis für die Brummton-Prüfer

Wegen des Brummens in Steinhöring werden jetzt Vorwürfe an das Landkratsamt laut.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Seit sechs Jahren klagen die Steinhöringer über einen mysteriösen Brummton. Nun beschweren sie sich beim Umweltministerium über das Ebersberger Landratsamt.

Von Wieland Bögel, Steinhöring/Ebersberg

Der Steinhöringer "Verein zum Schutz der Gesundheit und Umwelt vor Infraschall" erhebt schwere Vorwürfe gegen das Ebersberger Landratsamt. Dort, genau wie beim Landesamt für Umwelt (LfU), habe man zu wenig getan, um dem mysteriösen Brummton auf die Spur zu kommen, der viele Steinhöringer seit Jahren belästigt. Darum hat der Verein nun eine Aufsichtsbeschwerde gegen beide Behörden an das Bayerische Umweltministerium gerichtet.

Seit dem Jahr 2011 häufen sich in Steinhöring die Beschwerden über etwas, das die einen als Vibration wahrnehmen, andere mit dem Geräusch eines Kühlschranks vergleichen. Etwa 100 Steinhöringer haben sich bereits über das Brummen beschwert. Dass es wirklich existiert, steht seit 2014 fest, damals bestätigte eine Messung in verschiedenen Ortsteilen und über einen Zeitraum von drei Wochen tieffrequente Geräusche und Vibrationen in den untersuchten Wohngebäuden. Eine Ursache nannte das Gutachten zwar nicht, allerdings einen Anhaltspunkt: Eine natürliche Geräuschquelle sei unwahrscheinlich, stattdessen vermuteten die Experten damals "Vibrationen technischer Anlagen".

Viel mehr Erkenntnisse sind seitdem allerdings nicht dazugekommen. Zwar hatte sich auch das LfU der Sache angenommen - indes ergebnislos. Weder seien die geltenden DIN-Werte für Schallimmissionen überschritten, noch werde sich deren Ursache durch weitere Messungen nachweisen lassen, so eine Einschätzung der Behörde vom Mai 2016. Im Landratsamt sagte man daraufhin eine geplante sogenannte "Kreuzkorrelationsmessung" wegen erwarteter Erfolglosigkeit wieder ab.

Bei den Brummton-Betroffenen, die mittlerweile den "Verein zum Schutz der Gesundheit und Umwelt vor Infraschall" gegründet haben gibt es dagegen zumindest einen Verdacht. Das Geräusch sei nämlich erst aufgetreten, seit die Unternehmen OMV Deutschland GmbH und TAL GmbH, deren Ölpipeline unter Steinhöring verläuft, im Jahr 2010 und 2011 an ihrem Tanklager bei Oberseifsieden Baumaßnahmen vorgenommen hätten. Einen Zusammenhang, den man bei den betroffenen Firmen immer bestritten hat.

Vorwürfe an Landratsamt und LfU

Nun erheben die Betroffenen den Vorwurf an Landratsamt und LfU, diesen Zusammenhang nicht ausreichend untersucht zu haben. So habe sich das Landratsamt etwa darauf berufen, seinen Gutachtern sei der Zutritt zu den verdächtigen Anlagen verwehrt worden. Das könne man nicht nachvollziehen, so die Vereinsvorstände, schließlich sei das Landratsamt für den Immissionsschutz zuständig und habe das Recht, solche Anlagen zu überprüfen. Ebenfalls kritisiert werden die tatsächlich vorgenommenen Messungen. Die seien "vorab mit den Betreibern des Tanklagers abgestimmt" sowie "nach deren Vorstellung durchgeführt" worden. Dies "schafft Raum für nicht originäre Betriebszustände", die Beschwerdeführer fühlen sich an "die Manipulationsmöglichkeiten bei Dieselfahrzeugen" erinnert.

Auch beschwert man sich beim Verein über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Protokollierung von Sitzungen und Versammlungen. So fehle eine der Auffassung des LfU widersprechende Aussage eines Experten, wonach die Anlagen von TAL und OMV als Verursacher des Brummens nicht ausgeschlossen werden könnten. Zudem verlangt der Verein Einsicht in die Teilnehmerliste eines Treffens im September 2014 zwischen Vertretern des Landratsamtes und den beiden Firmen. Das Fazit des Vereins: "Das Landratsamt erweckt durch ein solches Vorgehen den Eindruck einer Begünstigung der vermuteten Verursacher der Lärmschädigung."

"Wenn jemand über eine Dienstaufsichtsbeschwerde eine Sache auch rechtlich klären möchte, dann ist das sein gutes Recht. Dies schafft Klarheit, auch für uns", kommentiert Landrat Robert Niedergesäß (CSU) die jüngste Entwicklung. Die im Übrigen wenig überraschend gekommen sei, die Betroffenen hätten dies "schon vor langer Zeit angekündigt". Er finde es allerdings "fraglich, dass die Bürgerinitiative den Weg der Kooperation mit dem Landratsamt auf diese Art und Weise verlässt", so der Landrat weiter. Zumal man dieser schon vor einem Jahr angeboten habe, "auf die in Rede stehenden Firmen mit der Aufforderung von Untersuchungen zuzugehen", dazu aber die Betroffenen "um fachlichen Input gebeten" habe, "was dort aus Sicht der Bürgerinitiative und deren beigezogener Fachleute noch einmal genau untersucht werden soll. Hierzu erfolgte bis heute leider keine inhaltliche Rückmeldung."

Den Vorwurf, sich nicht intensiv genug mit dem Brummen beschäftigt zu haben, weist Niedergesäß zurück: "Das Landratsamt und der in Kritik stehende sehr versierte Fachmann haben sich in den letzten drei Jahren sehr intensiv mit dem Brummtonphänomen befasst und ernsthaft wie kostenintensiv auf den Weg gemacht, auf die Ursache des Problems zu kommen." Andernorts, so der Landrat weiter, hätten sich Behörden "nicht annähernd so engagiert um vergleichbare Probleme gekümmert beziehungsweise sich auf Unzuständigkeit oder die Einhaltung gesetzlich geltender Grenzwerte zurückgezogen". Dies habe man in Ebersberg nicht getan, "unser Ansatz war und ist ein gänzlich anderer, was die Betroffenen zum Teil aber wohl leider nicht so anerkennen".