Kommunalwahl Dämpfer für Altgediente

In vielen Gemeinden werden erfahrene Lokalpolitiker abgewählt. Dafür können junge Kandidaten punkten.

Von A. Blum, I. Meixner, K. Eisenberger, T. Rienth und B. Mooser

Erfahrung schützt vor Abwahl nicht: Diese bittere Erfahrung mussten am Sonntagabend Gemeinderäte fast überall im Landkreis machen. Viele Lokalpolitiker, die sich oft seit Jahren in den Gemeindegremien engagieren, erhielten eine Zurückweisung von den Wählern. In manchen Fällen lassen sich die Gründe vermuten, in anderen rätseln Betroffene und Weggefährten.

Selbst manche Bürgermeister, die weiter Chefs in den Rathäusern sein dürfen, hadern mit ihren Wahlergebnissen: Denn obwohl sie keine Gegenkandidaten hatten, erreichten sie vergleichsweise niedrige Zustimmungswerte. So geht es etwa Ernst Eberherr (CSU), der mit 67,9 Prozent als Bürgermeister von Egmating bestätigt wurde. "Sicher nicht", sagt er auf die Frage, ob er mit diesem Ergebnis zufrieden sei. Ihm wäre es lieber gewesen, er hätte einen Mitbewerber gehabt, gesteht er: "Dann kann man sich besser reiben." Auch in Anzing kommt Amtsinhaber Franz Finauer (UBA) trotz fehlender Konkurrenz nur auf 76,8 Prozent der Stimmen.

In fast allen Gemeinden werden bei den konstituierenden Sitzungen im Mai vertraute Gesichter fehlen - und ihr schlechtes Abschneiden bei der Wahl liegt nicht daran, dass sie schlechte Listenplätze gehabt hätten. Im Gegenteil: Die Wähler haben sich nur offenbar in vielen Fällen nicht dafür entschieden, sich mit einem einzigen Listenkreuzchen zu begnügen und dafür nach Herzenslust kumuliert, panaschiert und gestrichen. Profitiert haben in mehreren Gemeinden ganz junge Kandidaten: etwa der 20-jährige Omid Atai (SPD) und der 19-jährige Dominik Fuchs (Grüne) in Poing oder der 18-jährige Moritz Neubauer (SPD) in Forstinning.

In gleich mehreren Fällen erlitten die Fraktionschefs oder Ortsvorsitzenden der verschiedenen Parteien am Wahlabend einen Dämpfer. In Glonn etwa rutschte SPD-Fraktionssprecher und Ortsvorsitzender Martin Podehl, der auf Platz zwei der Liste angetreten war, auf Platz sieben und verpasste somit nach zwei Amtsperioden im Gemeinderat den erneuten Einzug.

In Grafing straften die Wähler CSU-Fraktionschef Max-Josef Schlederer ab. Von einem sicheren Listenplatz vier wurde er nach hinten auf Platz neun durchgereicht und würde demnach eigentlich den Einzug in den Stadtrat verpassen. Gewinnt seine Parteifreundin Susanne Linhart am 30. März allerdings die Stichwahl gegen Angelika Obermayr (Grüne), rückt Schlederer doch noch nach.

Lässt sich bei Schlederer vermuten, dass seine umstrittene Rolle beim Einheimischenbauland "Wolfsschlucht" ihn zurückgeworfen hat, erschließt sich das in anderen Fällen nicht auf Anhieb. In Poing etwa wurde neben dem SPD-Ortsvorsitzenden Florian Stern auch dessen Fraktionskollegin Angelika Ertl abgewählt. Ertl ist unter anderem Mitorganisatorin des beliebten Poinger Straßenfestes, eine ortsansässige Weinhändlerin und gilt als beliebte Vertreterin von Alt-Poing. Auch der altgediente Grünen-Gemeinderat Manfred Kammler wird nicht mehr im Gemeinderat vertreten sein.

Sein Schicksal teilt er in Markt Schwaben mit Joseph Riexinger von den Freien Wählern, der von Platz vier auf Platz sechs gewählt wurde und deshalb den Wiedereinzug in das Gremium verpasste. Vor drei Jahren hatte Riexinger sogar noch versucht, den Bürgermeisterposten zu ergattern. Vor allem bei CSU und FW wurden in der Marktgemeinde sehr stark Personen statt Listen gewählt. Manfred Hoser und Andreas Stolz (FW) wurden von Platz elf und zehn auf vier und fünf vorgewählt. Bei der CSU zog Georg Holley von Platz neun auf zwei vor und Albert Hones von Platz zehn auf Platz drei. Grünen-Gemeinderätin Doris Seibt erlitt ebenfalls eine Niederlage, sie fliegt aus dem Gremium. Auch hier setzten die Wähler lieber auf einen jungen Bewerber: den 24-jährigen Tobias Vorburg.

In Steinhöring wurden sowohl der Vorsitzende der Parteilosen Wählergemeinschaft (PWG) Josef Huber als auch seine Ehefrau Sylvia Huber aus dem Gremium gewählt. Vielleicht können sie sich in diesem Fall ja gegenseitig trösten - und in Zukunft mehr freie Abende zusammen genießen.