Kommentar Positive Entwicklung

Der Landrat und seine Behörde mussten sich in der Vergangenheit viel Kritik von Asylhelfern anhören. Das hat ihnen sicher nicht gefallen - aber zugehört haben sie offenbar

Von Korbinian Eisenberger

Die Ausländerbehörde und ihr oberster Chef standen vergangenes Jahr stark in der Kritik. Aus Helferkreisen war zunehmend Unverständnis und Resignation zu vernehmen. Wenig Entgegenkommen, unnötige Hürden und ein rauer Ton bei den Mitarbeitern - so lassen sich die Beschwerden von damals zusammenfassen. Dass der Bayerische Flüchtlingsrat Landrat Robert Niedergesäß (CSU) für seine Ausländerbehörde kritisierte, verpasste dem Ganzen einen offiziellen Anstrich. Klar, dass man so etwas nicht gerne hört, als Landrat, oder als Mitarbeiter der Behörde. Wichtig ist aber, dass man es hört. Und dass man Kritik ernst nimmt. Offenbar ist das im Ebersberger Landratsamt geschehen.

Dafür gibt es zumindest gute Hinweise, zu sehen am Dienstagabend in Grafing. Auf Initiative des Katholischen Kreisbildungswerks Ebersberg fand dort eine bemerkenswerte Zusammenkunft statt. 30 Asylhelfer aus dem Landkreis Ebersberg kamen mit fünf Politikern zusammen - unter ihnen Landrat Niedergesäß und die beiden Ebersberger Landtagsabgeordneten Doris Rauscher (SPD) und Thomas Huber (CSU). Das Besondere daran: Normalerweise erkennt man bei solchen Arrangements sofort, wer der Politiker ist, und wer Bürger.

In Grafing war das anders. Es war ein Treffen, das im Sinne des Wortes auf Augenhöhe stattfand. An den Tischen offenbarte sich auf diese Weise ungeschminkt, wie die Stimmung dort ist, wo die Entscheidungen von oben ankommen: bei Asylbewerbern und Ehrenamtlichen. Und da hat sich offenbar etwas getan. Zumindest, wenn es um das große Ebersberger Streitthema Arbeitserlaubnisse geht.

Um diesen Schluss zu ziehen, reicht nicht allein die Einordnung des Landrats, der erklärte, seine Ausländerbehörde sei hier - auch als Reaktion auf die Kritik - "deutlich liberaler geworden". Am aussagekräftigsten sind hier die Äußerungen jener, die lange so unzufrieden waren: den Helfern. Sie berichteten zwar nach wie vor von massiven Hürden in fast allen Bereichen. Deren Ursprung ist jedoch eher in der Asylpolitik von Land und Bund anzusiedeln. Mit dem Ebersberger Landratsamt, so war es am Dienstagabend von vielen Helfern zu vernehmen, hat sich die Zusammenarbeit in den vergangenen sechs Monaten verbessert. Auch wenn hier wie in vielen Asylangelegenheiten im Kreis Ebersberg noch viel Luft nach oben ist: Der Landrat und die Helfer sind ein Stück näher zusammen gerückt - an den Tischen, und auch sonst.