Kleider für totgeborene Kinder Nur ein Foto bleibt

Zunächst meinte sie, vielleicht ein paar Mützen zu stricken und diese an den Verein "Frauenworte" zu schicken, welcher das Projekt der Schmetterlingskinder vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat. Inzwischen versorgt Kloppenborg die Kliniken und Krankenhäuser in Rosenheim, Erding, Freising, Wasserburg und Ebersberg mit Schmetterlingsboxen. Nicht in allen Häusern war das Projekt bekannt, doch "bisher waren alle aufgeschlossen".

Die weiße Plastikkiste ist mit einem Aufkleber versehen, auf dem schlicht "Schmetterlingskinder" steht.

(Foto: Endt)

Die erste Box bringt die Grafingerin stets persönlich vorbei, sie erklärt Inhalt und Idee und hinterlässt ihre Nummer - für Nachbestellungen. "Ich dachte anfangs, das wäre eine Sache für die Hebammen", sagt Kloppenborg. Doch in vielen Krankenhäusern seien es die Chefärzte höchstpersönlich, die sich der Thematik annehmen. "Ich glaube, die Ärzte haben bemerkt, wie wichtig und hilfreich ein würdevoller Umgang mit der stillen Geburt ist", erklärt Kloppenborg.

Auch Cornelia Höß ist dankbar, betroffenen Eltern in Ebersberg mit der Schmetterlingsbox eine Hilfestellung geben zu können. "Wir respektieren es aber auch, wenn das Angebot nicht angenommen wird", sagt sie. Doch eines empfiehlt sie den Eltern stets, nämlich ihr totes Kind anzusehen - oder ein Foto machen zu lassen, um das zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. "Das ist oft wichtig, um zu realisieren und loslassen zu können", weiß die Ärztin. Zwischen 500 und 700 Kinder werden jedes Jahr in der Kreisklinik geboren, nur etwa ein Prozent davon sind Tot- oder Fehlgeburten.

Weshalb Kinder während der Schwangerschaft sterben, hat verschiedene Gründe. Die Ursache spielt für das Projekt Schmetterlingskinder keine Rolle - der Umstand, dass es so ist, ist schlimm genug. Man nimmt Anteil, wünscht Trost und Kraft - und bietet Hilfe an. Neben der Kleidung, die von Handarbeitskreisen oder Helferinnen ehrenamtlich angefertigt wird, erhalten Eltern wichtige Informationen zum Bestattungsrecht, Empfehlungen für Geburt und Abschied eines Sternenkindes. Sie bekommen eine Kerze mit nach Hause, möglicherweise einen gefilzten Engel - und eine Telefonnummer vom Verein Frauenworte.

Für Daniela Deuser aus Bürstadt bei Mannheim ein wichtiger Bestandteil der Box. "Oft werden Familien mit diesem Schicksal alleingelassen", erzählt die Initiatorin des Projekts. Sie selbst hat im November 2008 ihren Sohn in der 21. Schwangerschaftswoche verloren - und weil sie ihn nicht nackt beerdigen wollte, zog sie ihm ein Rüschenkleid und eine viel zu große Frühchenmütze an. Etwas anderes war in der Eile nicht aufzutreiben. Ein Umstand, der sie noch lange mit Kummer erfüllte.

In Internetforen erfuhr sie später, dass es auch anderen Eltern so ging und beschloss, Abhilfe zu schaffen. Inzwischen hat Deuser mit Helferinnen wie Margareta Kloppenborg 200 Kliniken in Deutschland mit Schmetterlingsboxen ausgestattet. "Die meisten Stationen bedanken sich regelmäßig", sagt sie. Bisweilen melden sich auch betroffene Eltern - dankbar, das Unglück irgendwie verarbeitet zu haben.

Die Aktion Schmetterlingskinder sucht Paten für Schmetterlingsboxen sowie Helfer, die Kleider nähen oder stricken. Informationen unter www.schmetterlingskinder.de oder bei Margareta Kloppenborg, info@doula-begleitung.de.