Klavierkonzert Besser geht's nicht

Da stimmt einfach alles: Grandios, wie Martina Filjak Musik aus dem Flügel zaubert, lebendig, scheinbar mühelos und wie selbstverständlich.

(Foto: Christian Endt)

Martina Filjak präsentiert sich in Ebersberg als hinreißende Pianistin mit großer emotionaler Musikalität

Von Peter Kees, Ebersberg

Das Kulturprogramm im Landkreis wartet mit so einigen hochkarätigen Konzerten auf. Etwas, das nicht selbstverständlich ist. Preisträger eines Internationalen Klavierwettbewerbs gastieren nicht eben häufig und nicht überall im ländlichen Raum. Martina Filjak - unter anderem erste Preisträgerin des Internationalen Klavierwettbewerbes Cleveland 2009 - konzertierte vergangenen Sonntag im Alten Kino in Ebersberg.

Und ihr Musizieren war hinreißend. Da stimmte einfach alles, von der Tongebung, über die Wahl der Tempi, der Dynamik, ihrer hochfeinen pianistischen Technik bis hin zu einer großen emotionalen Musikalität. Mit der zweisätzigen Sonate g-Moll Hob. XVI: 44 von Josef Haydn eröffnete die längst international gefeierte Klaviersolistin ihr Rezital.

Bereits beim ersten Ton sperrte man die Ohren auf: Mehr als mitreißend gestaltete Filjak dieses Werk. Klar war ihr Anschlag, fein ihre Tongebung; fantastisch, mit welcher Wucht sie die herabstürzenden Läufe dieses Satzes perlen lies, schmissig, ohne dabei auch nur im Ansatz brachial zu wirken. Durchweg unmissverständlich, transparent und immer spielerisch blieb ihre Interpretation. Einmal mehr fiel dabei auf, dass Haydn - auch wenn er zu dem legendären Dreigestirn mit Mozart und Beethoven gehört - häufig unterschätzt wird. Seine Musik (hier war ein Werk des etwa 30-Jährigen zu hören) hat Tiefe und ist eben weit mehr als das oft gehörte nette Dahingeplätschere. Dort, wo bei anderen Interpreten oftmals gern der Eindruck des Stehenbleibens, des auf der Stelle Verharrens entsteht, spielt Filjak flüssig, dicht, nach vorn gewandt, ohne auch nur irgendwie zu treiben. Grandios, wie sie diese Sonate aus dem Flügel zauberte, unglaublich lebendig, scheinbar mühelos und wie selbstverständlich. Dieser Eindruck hielt sich den ganzen Abend.

Nach Haydn wandte sich Filjak einem Komponisten ihrer kroatischen Heimat zu: Bruno Bjelinski, 1909 in Triest geboren und 1992 auf der kroatischen Insel Silba gestorben. Er unterrichtete einst Kontrapunkt an der Musikakademie Zagreb. Zwei Stücke aus seinen "Frühlingsspielen" von 1957 standen auf dem Programm des Abends: "Morgen in den Bergen" und "Das wilde Spiel". Fast impressionistisch begann die erste der beiden Miniaturen, ehe die Komposition furios ins Fortissimo überging, immer wieder durchbrochen von melodischen Passagen. Tänzerische Rhythmen mischten sich mit neoklassizistisch angehauchten Klängen. Wild und stürmisch der zweite Satz. Großartige Musik, wunderbar gestaltet von einer phänomenalen Klaviervirtuosin.

Dann romantische Musik: Filjak spielte das erste Heft der Davidsbündlertänze op.6 von Robert Schumann. Auch in diesen neun Charakterstücken brillierte die Tastengöttin. Wieder stimmte alles. Das leider nur sehr spärlich erschienene Publikum verlangte am Ende des Abends gleich zwei Zugaben. Warum bei einer solchen Weltklassepianistin der Saal nicht ausverkauft ist, bleibt unerklärlich. Wer nicht kam, hat einen Jahrhundertabend verpasst.

Nach der Pause interpretierte die 1978 in Zagreb geborene Pianistin noch Musik von Franz Liszt: zwei 1863 in Italien komponierte Legenden - seinen Namenspatronen Franz von Assisi und Franziskus von Paula gewidmet -, sowie die "Réminiscence de Lucia di Lammermoor" (eine Paraphrase aus dem 2. Akt der Oper von Donizetti) und "Grand Paraphrase de la Marche de Donizetti pour le Sultan Abdul Medjid-Kahn", eine Lisztsche Klavierbearbeitung des "Grand Marche" aus der Feder des unbekannten Donizetti-Bruders Guiseppe (der diesen Marsch 1839 für die Krönung des Sultans Abdülmecid-Khan in Istanbul geschrieben hatte).

Wie zuvor erwies sich Martina Filjak auch hier als einfühlsame Zauberin der Klangfarben und leuchtender Stern am Flügel. Besser und bewegender, als sie an diesem Abend in Ebersberg gespielt hat, geht es einfach nicht.