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Kirchseeoner kämpfen um TV-Titel Bildungsfernsehen

Die Klasse 7b des Gymnasiums Kirchseeon will "Die beste Klasse Deutschlands" werden. Ob sie es ins Wochenfinale schafft, zeigt sich an diesem Mittwoch um 19.25 Uhr im Kinderkanal
Von Sandra Langmann , Kirchseeon

"Wir werden die beste Klasse Deutschlands!" Davon ist Marcel von der 7b des Gymnasiums Kirchseeon überzeugt. Selbstsicher und ohne jeglichen Zweifel richtet er diese Worte im Bewerbungsvideo an die Kamera und somit auch an den Kinderkanal (KiKA). Die Quizsendung "Die beste Klasse Deutschlands" hat Marcel bereits Jahre lang mitverfolgt, und als er erfuhr, dass Sechs- und Siebtklässler mitmachen können, gab es kein Halten mehr. Sofort informierte er seine Mitschüler, die auch gleich Feuer und Flamme waren. Dass es eine Klassenreise nach Madrid zu gewinnen gibt, war natürlich ein zusätzlicher Ansporn.

Zuerst musste aber noch jede Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden. Um überhaupt teilnehmen zu können, musste eine Begleitperson her. Diese sollte sie bei ihrem Vorhaben nicht nur unterstützen, sondern auch anmeldete. Physiklehrerin Birgit Karg schien dafür die perfekte Kandidatin zu sein. "Sie wollten das unbedingt machen", lächelt Karg bestätigend. Als der Klassenlehrer der 7b Matthias Ott aus seiner Elternzeit zurückkehrte, hatten ihn seine Schüler schon vor vollendete Tatsachen gestellt. "Ich war wirklich überrascht!", erzählt Ott, doch auch seine Unterstützung war der Klasse sicher.

Die 7b des Kirchseeoner Gymnasiums und ihre Lehrer Birgit Karg und Matthias Ott wollen beste Klasse Deutschlands werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Für das Bewerbungsvideo haben sich die 26 Mädchen und Jungs einiges einfallen lassen. Marcel führt durch das Video und viele seiner Klassenkameraden kommen zu Wort. In kurzen Sketchen machen sie deutlich, dass sie auf jeden Fall das Zeug zur besten Klasse haben. Auch Birgit Karg bekommt eine Rolle zugewiesen. Vor Unterrichtsbeginn wird ihr ganz unauffällig ein Schlafmittel verabreicht. Die Klasse hat somit eine Freistunde, die auch ordentlich genutzt wird. Als besonderes Bonbon verabschieden sich die Schüler in verschiedenen Sprachen - von Chinesisch bis Spanisch. "Das Drehbuch haben sie selbst geschrieben. Sie haben eigenständig Regie geführt und den Film geschnitten", lobt Klassenlehrer Ott, der sichtlich stolz auf seine Schülerinnen und Schüler ist. Und das kann er auch sein, denn das Video hat sich gegen 1400 weitere durchgesetzt.

Die Reise konnte also losgehen. Für die Aufzeichnung musste die Kirchseeoner Klasse bereits im März nach Köln fahren. "Und das bedeutete eine sehr lange Busfahrt", bestätigen alle im Chor. Doch mit lauter Musik und jeder Menge Vorfreude im Gepäck "ging das schon irgendwie". In der Rhein-Metropole angekommen, war die Aufregung natürlich groß - besonders bei Hannah und Marcel. Denn die beiden mussten "vorne sitzen". Das heißt, wenn eine Frage mit vier Antwortmöglichkeiten gestellt wird, müssen zuerst Hannah und Marcel eine Antwort geben. Ist diese falsch, gibt es eine geringere Anzahl an Punkten. "Wir hatten mehr Druck", erklärt Hannah.

Bei der Aufzeichnung für den Kinderkanal in Köln müssen Hannah und Marcel als Erste knifflige Fragen beantworten, bevor ihre Mitschüler helfen dürfen.

(Foto: Melanie Grande/kika)

Der 7b wurde einiges abverlangt. 32 Schulklassen aus 14 Bundesländern hatten es in die Wochenshows geschafft und gegen die mussten sich die Kirchseeoner beweisen. Fragen aus den unterschiedlichsten Themengebieten wurden gestellt. Dazu zählen: Natur und Umwelt, Sport, Musik, Erdkunde oder Essen und Trinken. Erst wenn Marcel und Hannah geantwortet haben, ist die ganze Klasse gefragt. "Da ist aber jeder auf sich alleine gestellt", erklärt eine weitere Schülerin. Denn beraten dürfen sie sich untereinander nicht. Jeder muss seinen eigenen Tipp abgeben und je mehr richtige Antworten es gibt, desto höher ist die Punktezahl. Wissen alleine reicht aber nicht aus, um zu gewinnen. Die Rateteams müssen schnell kombinieren, taktisch spielen und ihr Geschick unter Beweis stellen. "Diese Erfahrung hat uns richtig zusammengeschweißt", ist Hannah überzeugt.

Welche beiden Kandidaten in der ersten Reihe sitzen, wurde von der Klasse bestimmt. Marcel habe die Idee gehabt und habe es daher verdient, sind seine Klassenkameraden überzeugt. Hannah spreche sehr gut Spanisch. Und da es eine Klassenreise nach Madrid zu ergattern gab, wurden auch viele Fragen zu Spanien gestellt. Bereits bei der Auswahl des Teams haben sich die Schüler viele Gedanken gemacht "und eine gute Entscheidung getroffen", meint Ott. Trotz der Hektik hinter den Kulissen seien die beiden ruhig geblieben. "Auch vor der Kamera blieben sie konzentriert und das war wichtig", berichtet Ott.

Um für alle Fragen gewappnet zu sein, hatte sich die 7b gut vorbereitet. "Ich habe mir ein paar Folgen der letzten Staffel angeschaut und ein paar Quizkarten gekauft, mit denen ich gelernt habe", erzählt zum Beispiel Marcel. Mit ihrem Schlachtruf "Hakuna Matata!" aus "König der Löwen", was soviel heißt wie die Sorgen bleiben fern, und dem Motto "Es gibt bessere Zeiten, aber diese ist unsere" kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Doch ob die Kirchseeoner sich in der ersten Runde gegen die 7/1 des Landau-Gymnasiums aus dem sächsischen Weißwasser durchsetzen, dürfen die Siebtklässler vor der Ausstrahlung an diesem Mittwochabend von 19.25 Uhr an im Kinderkanal nicht verraten. Nur so viel: "Sie haben bewiesen, was man alles schaffen kann, wenn man etwas unbedingt will", sagt Ott, in dem sie allem Anschein nach ihren größten Fan gefunden haben. "Glück spielt auch immer eine Rolle", meint Ott augenzwinkernd. Heißt das also, dass es die Klasse aus Kirchseeon sogar ins Superfinale geschafft?