Friedenslicht Ein Flämmchen für eine bessere Welt

Romy trägt vorsichtig die Laterne zum Lagerplatz der Pfadfinder. Als sie in Eglharting ankommt, hat die Flamme des Friedens schon fast 2500 Kilometer zurückgelegt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Aus Bethlehem nach Kirchseeon: Bei einem Gottesdienst in Eglharting geben Kirchseeoner Pfadfinder das Friedenslicht weiter. Gedacht wird dabei der Opfer von Krieg, Armut und Terror weltweit.

Von Anselm Schindler, Kirchseeon

Mit vorsichtigen Schritten nähert sich ein ganz in weiß gekleidetes junges Mädchen den drei Zeltdächern, die auf dem Stammesplatz der Kirchseeoner Pfadfinder errichtet wurden. Romy heißt das Mädchen, doch an diesem Tag trägt es den Titel Friedensengel. Auf ihrem Rücken sind weiße Flügel angebracht, wie es sich für einen Engel gehört. Umsichtig stellt Engel Romy ein gläsernes Behältnis vor sich ins feuchte Gras. Hinter dem Glas eine Kerze, man sieht es kurz aufflackern, die kleine Flamme wirkt zierlich und schwach, eine treffende Metapher: Bei der Flamme handelt es sich um das Friedenslicht.

Das Friedenslicht wird seit bald 30 Jahren in der Adventszeit in Bethlehem entzündet und geht dann um die Welt. An 500 Orten wird es in Deutschland weitergegeben, der Stammesplatz der Kirchseeoner Pfadfinderschaft ist einer dieser Plätze. Die Botschaft des Friedens passt gut an diesen beschaulichen Ort am Waldrand im Nordosten von Eglharting. Rund 50 Menschen sind an diesem Sonntag zum Friedenslichtgottesdienst gekommen, einer von ihnen ist Pfadfinder Oliver Kiss.

Von Kerze zu Kerze verbreitet sich das Licht

Zusammen mit anderen Pfadfindern hat der 22-Jährige den Friedenslichtgottesdienst organisiert. Am Sonntag zuvor haben die Kirchseeoner Pfadfinder das Friedenslicht in der Münchner Frauenkirche abgeholt. Unter den Zeltplanen am Stammesplatz wird die Flamme nun weitergegeben, von Kerze zu Kerze verbreitet sich das Licht. Rund zweieinhalbtausend Kilometer hat die Flamme des Friedens bis nach Eglharting zurückgelegt, die Welt, sie rückt zusammen. Die Konflikte des Nahen Ostens flimmern auch über die Bildschirme in deutschen Wohnzimmern. Und so beginnt der Friedenslichtgottesdienst mit einer Gedenkminute für all die Menschen, die weltweit unter Krieg, Armut und Unterdrückung leiden.

Mit dem Gedenken alleine ist freilich noch niemandem geholfen, "Freundschaft, die zusammenhält, so verändern wir die Welt", singen die Pfadfinder. Die Welt verändern, das gehe auch mit kleinen Schritten, betont Thomas Bergmeister in seiner Rede. Der Geistliche ist im Landkreis als Jugendseelsorger tätig. Wenn man aufmerksam sei, dann biete auch der Alltag genug Möglichkeiten, um zu helfen, betont Bergmeister. "Zum Beispiel wenn ein Geflüchteter am Fahrkartenautomat steht und sich nicht auskennt."

Zumindest beim Umdenken kann es helfen

Das Friedenslicht, es steht für Verständigung und gegenseitige Hilfe. Auch einen Bekannten aus Bethlehem habe er gefragt, was dieser mit dem Friedenslicht verbinde, berichtet Pfadfinder Oliver Kiss. Doch sein Bekannter hörte von dem Licht zum ersten Mal. Bezeichnend findet das Oliver Kiss, denn auch in der israelisch-palästinensischen Heimat des Friedenslichtes herrscht seit mehr als einem Jahrhundert Krieg.

Als Zeichen für Versöhnung und Frieden nehmen sich die Menschen unter den Pfadfinder-Zeltplanen gegenseitig an der Hand. Das Vaterunser erklingt, zwischen den Sitzreihen wuselt ein Hund herum. Zur Verabschiedung reicht einem Oliver Kiss die Hand. "Der Friede sei mit dir", sagt er. Ob das Friedenslicht auch praktisch zu einer friedlicheren Welt beiträgt? "Zumindest beim Umdenken kann es helfen", sagt Pfadfinder Kiss.