Kabarett Concerto famoso!

Mäx, der irrlichternde Clown, torpediert die vermeintlich ernst gemeinten Darbietungen seines Kollegen Gogol mit stets neuen Streichen und kuriosen Instrumenten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

"Gogol und Mäx" begeistern bei den Ebersberger Kindertheatertagen im Alten Kino mit einem unerhörten Reigen aus Musik, Pantomime, Slapstick und Akrobatik

Von Anja Blum, Ebersberg

Musikkabarett für Kinder? Kann so ein Format, das doch eher einen intellektuellen Ansatz vermuten lässt, für ein junges Publikum überhaupt funktionieren? Und wie! - Das haben Gogol und Mäx am Sonntag im Alten Kino eindrücklich bewiesen. Vor ausverkauftem Haus spielen sich die beiden Anarchisten, ihres Zeichens Musikanten erster Güte, mit wenigen Worten, dafür aber mit umso mehr Einfällen durch die Welt der Musik und der Instrumente - und geradewegs in die Herzen der Zuschauer. Das Ebersberger Publikum jedenfalls staunt, hält den Atem an, kichert und brüllt wechselweise. Denn das Programm dieses Duos aus Staufen im Breisgau, das seit 25 Jahren durch Europa tourt, ist nicht nur ein "Concerto humoroso", so der Titel, sondern schlicht famoso!

Die dramaturgische Idee, die der Inszenierung im altmodisch anmutenden Salon zugrunde liegt, ist in höchstem Maße simpel, so dass sie auch von Kindern rasch verstanden wird: Gogol und Mäx sind Antipoden, das machen schon ihre Äußerlichkeiten klar. Gogol (Christoph Schelb) gibt mit Frack und akkuratem Scheitel den klassisch-strengen Pianisten, Mäx (Max-Albert Müller) ist sein clownesker Widersacher, ein Dummer August mit wirrem grauem Haar, völlig überdimensionierten Schuhen und allerhand Flausen im Kopf.

Mit diesen zwei Figuren ist die Handlung schon vorgezeichnet: Der eine möchte ein ernst zu nehmendes Konzert geben, der andere funkt ständig dazwischen. Übertönt das Klavier mit einer großen Trommel, drängt sich mit allerhand Instrumenten, auch selbst gebauten, in den Vordergrund oder führt die Klassik mit artfremden Melodien ad absurdum. "La Cuceracha!" lautet sein frecher Schlachtruf. Immer wieder kündigt Gogol in wunderbar-gestelztem Pseudo-Italienisch, "Concerto serioso, Johann Sebastian Bach, preludio, allegro maestoso - piano solo!", hoffnungsvoll einen hochtrabenden Beitrag an, doch vergebens. Sein irrlichternder Handlanger kann es einfach nicht lassen, die Darbietung aufzumischen. So entsteht ein in höchstem Maße und für alle Altersklassen unterhaltsamer Reigen aus Musik, Pantomime, Slapstick und Akrobatik.

Gogol und Mäx nämlich sind nicht nur hervorragende Musikanten und begnadete Schauspieler, sondern auch körperlich zu Erstaunlichem fähig. Angesichts von Statur und Alter völlig unvermutet erweisen sie sich im Laufe des Nachmittags als ausgezeichnete Turner: Mäx ist so beweglich, dass er plötzlich eingeklappt in einer Tonne verschwindet, und Gogol balanciert, mit einem schlecht zitzenden rosa Tutu und billigem Schirmchen ausstaffiert, über eine Stange. Seine wichtige Mission am Klavier, so scheint es, hat er da bereits fast vergessen.

Aber auch angesichts des Instrumentariums, das die beiden Komiker zum Einsatz bringen, reibt sich wohl so mancher die Augen: Es reicht von Gitarre, Alphorn, Kuhglocken und Miniaturen diverser Blechbläser über ein Glockenspiel aus Glas und eine Orgel mit Steigbügeln bis hin zu allerhand Kuriosem Marke Eigenbau. Gegen Ende ist die Bühne vollgestellt mit einer Konstruktion aus einer XXL-Tuba, mehreren Schläuchen, einem Luftballon und einer Melodica - einer der vielen Überraschungsmomente des Programms! Nichts, so scheint es, ist diesem Duo heilig, nicht die klassischen Meisterwerke und erst recht kein Instrument: Da dient das Klavier auch als Klettergerüst, und die Klarinette landet schon mal im Wasser einer Blumenvase.

Den jungen Zuschauern wird das Ganze obendrein versüßt mit klassischen Slapstick-Elementen: Mäx ärgert Gogol und umgekehrt, vor allem das Erschrecken ist beliebt, und auch das Ungeschick. Als unter Gogols Füßen plötzlich ein Stuhl zusammenbricht, kann Mäx vor Lachen kaum an sich halten. Ist diese Panne etwa echt? Dem Zwerchfell, dem ist das herzlich egal.