Hans Well im Interview "Söder wäre ein Flachwurzler"

Die "Wellbappn" im Grünen: Papa Hans Well mit seinen Töchtern Tabea (links) und Sarah. Sohn Jonas spielt die Tuba.

(Foto: Veranstalter/oh)

Vor dem Auftritt der "Wellbappn" in Pliening spricht Liedermacher Hans Well über den neuen bayerischen Ministerpräsidenten - und dessen Verbindung zum Ebersberger Forst.

Interview von Korbinian Eisenberger

Bei Hans Well zwickt es im Bein. Der 64-Jährige hat sich Anfang der Woche beim Bäumepflanzen eine Entzündung geholt. Er macht jetzt erst mal Pause, damit er fit ist für den Samstag, 14. April. Dann kommt er mit seinen zwei Töchtern und seinem Sohn ins Plieninger Bürgerhaus, zusammen sind sie die Wellbappn. Nun sitzt Hans Well in seinem Arbeitszimmer in der Ortschaft Zankenhausen bei Türkenfeld im Landkreis Fürstenfeldbruck. Dort hebt er jetzt den Hörer ab.

SZ: Herr Well, wie geht es ihrem Hax?

Hans Well: Es geht schon besser, ich bin vorhin schon die Treppe runter gegangen. Der Quarkwickel ist zwar noch dran, morgen dürfte es aber schon wieder gehen.

Welche Bäume pflanzen Sie denn?

Früher war mein kleines Waldstück eine Fichtenplantage. Ich mache daraus jetzt einen Mischwald. Weißtannen, Buchen, Vogelkirschen, insgesamt zehn Baumarten.

Wenn Bayerns neuer Ministerpräsident ein Baum im Ebersberger Forst wäre, was wäre er für eine Sorte?

Er wäre Teil einer Monokultur, weil ja in Bayern seit 60 Jahren die CSU regiert. Und er wäre Flachwurzler. So standhaft wie der tut, ist er nicht. Söder wird immer mehr zum Drehhofer. Als Heimatminister wollte er am Riedberger Horn den großen Skizirkus, als Ministerpräsident will er drei Monate später ein Naturschutzgebiet. Er muss aufpassen, dass ihm die grünen Borkenkäfer mit ihrem Volksbegehren gegen den Flächenfraß in Bayern nicht zu stark zusetzen.

Söder spielt ja auch am Samstag bei Ihrem Auftritt in Pliening eine Rolle...

Mit dem Wechsel musste ich das Programm natürlich umschreiben. Aber es geht auch um viele andere Themen. Ein Programm, dass sich nur auf Flachwurzler beschränkt, wäre eine Monokultur. Es soll ja ein unterhaltsamer Abend werden.

Ihre jüngste Vorstellung im Landkreis Ebersberg hatten die Wellbappn 2016 im Alten Speicher. Welche Charakterzüge hat denn das Kulturpublikum hier?

Besonders gute. Das ging schon bei einem meiner Auftritte Ende der 80er in Grafing los. Da habe ich mit meinen Brüder den Fortunat-Weigel-Preis musikalisch umrahmt. In der ersten Reihe saß eine junge, schöne Frau. Die habe ich später geheiratet, unsere drei Kinder sind die Wellbappn.

Früher, mit der Biermöslblosn, haben Sie jahrzehntelang Bierzelte gefüllt. In Pliening wird es nun eher eng zugehen. Was ist Ihnen lieber?

Ich habe in kleinen Räumen oft den größeren Spaß. Wir bauen ja bei so gut wie jedem Auftritt eine Premiere ein, ein Lied, ein Musikstück, das wir zum ersten mal singen oder spielen. Da kann auch mal was schief gehen. Je näher man beim Publikum ist, umso leichter fällt es, Fehler aufzufangen. Fürs Publikum ist das oft unterhaltsam.

Sie sind jetzt 64 Jahre alt. Bis zum 66. Geburtstag ist es da nicht mehr weit. Hören Sie schon Udo Jürgens-Lieder?

Ich verbinde mit dieser Zahl eher meinen Besuch bei Fredl Fesl zu seinem 66.

Fesl leidet ja unter Parkinson. Wissen Sie, wie es ihm geht?

Ich treffe ihn öfter. Und ich kann sagen: Sein Witz hat nie gelitten. Der ist immer noch frisch und lebenslustig. Schön ist, dass er immer noch von allen Generationen gehört wird, auch von meinen Kindern. Die Menschen schätzen seinen valentinesken Witz, der steht der bayrischen Mentalität viel näher als die Politiker unsrer Staatspartei.

Ende Mai bringen Sie eine neue CD heraus. Was hat es damit auf sich?

Es handelt sich um ein Hörspiel mit Sprechern wie Gisela Schneeberger, Gert Heidenreich, Johanna Bittenbinder. Die Wellbappn machen die Musik und Lieder dazu. Inhaltlich geht es um die Revolution am 7. November 1918 in München. Damals wurde die Monarchie gestürzt - ohne einen Tropfen Blutvergießen.

Kurz darauf hat Kurt Eisner den Freistaat Bayern ausgerufen.

In der CSU vergessen sie manchmal, dass nicht die CSU den Freistaat erfunden hat, sondern ein Unabhängiger Sozialdemokrat. Unter Eisner wurden das Frauenwahlrecht, die Trennung von Schule und Kirche und der Achtstundentag in Bayern eingeführt.

Der CD-Titel "Rotes Bayern" klingt fast sozialistisch. Kürzlich ist der frühere DDR-Liedermacher Wolf Biermann in München aufgetreten. Wie stehen Sie zu Biermann?

Die Revolution ist ja eine historische Tatsache. Biermann kenne ich von gemeinsamen Auftritten in den 80ern. Biermann hat mir mal einen Text geschrieben, in Spiegelschrift - das beherrscht er perfekt. Er wollte gar mal eine Platte mit mir und meinen Brüdern machen. Das hat dann irgendwie doch nicht hingehauen. Eigentlich schade, Biermann und Biermösln - und als Dritten noch den Sepp Bierbichler dazu...

Wie ist das denn, wenn man als politischer Liedermacher älter wird? Wird man auch zahmer?

Im Gegenteil. Manches regt mich nach wie vor furchtbar auf. Zum Beispiel, dass die Politik von Lobbys bestimmt ist, von Banken, Agrar- oder Autoindustrie. Dass die ganz legal die Zukunft versau'n und bescheißen, ohne dass die Politik reagiert.

Hans Well und die "Wellbappn" treten am Samstag, 14. April, um 20 Uhr im Plieninger Bürgerhaus auf. Tickets gibt es unter www.spevents.de

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