Rektoren an Grund- und Mittelschulen Entlastung für die Überlasteten

Wenn die Aktenstapel trotz Abarbeitens immer größer werden: Viele Schulrektoren im Landkreis Ebersberg kennen dieses Problem.

(Foto: Stephanie Pilick/dpa)

Die Schulleiter im Landkreis Ebersberg sind wegen der Fülle an Aufgaben seit Jahren am Limit. Nun soll vieles besser werden.

Von Yvonne Münzberg, Ebersberg/Kirchseeon/Grafing/Steinhöring

In den letzten Jahren ist das umstrittene bayerische Schulsystems immer wieder umstrukturiert worden. Doch mit der Einführung von G 8, dem "LehrplanPlus" für Hauptschulen und dem neuen Verwaltungssystem - und das sind nur einige Beispiele - fehlt besonders den Schulleitungen und deren Verwaltungen immer mehr die Zeit für dringliche Aufgaben.

Dem soll nun Abhilfe geschaffen werden. Wie Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV), am Mittwoch mitteilte, gibt es sowohl 150 Stellen für die Schulleitungen als auch 150 Stellen für die Verwaltungsangestellten für alle Schularten.

Bereits Anfang 2017 hatte Fleischmann, die viele Jahre die Poinger Anni-Pickert-Schule geleitet hat, einen Brandbrief an den damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer geschickt. Darin forderte sie Unterstützung für die vielen Schulleitungen, die inzwischen zu viele Aufgaben in zu wenig Zeit bewältigen müssten. Die Reaktion vonseiten der Staatsregierung hat auf sich warten lassen. Im März hatten Ludwig Spaenle, damals noch Kultusminister, und Markus Söder, damals Finanzmister, allerdings Entlastung zugesagt. Das Versprechen wurde nun eingelöst. Die finanzielle Grundlage dafür ist der Nachtragshaushalt 2018, insgesamt knapp ein Drittel der Gesamtausgaben des Freistaates wird demnach in die Bildung investiert.

Wie die praktische Umsetzung aussehen wird, kann man im Schulamt Ebersberg zwar momentan noch nicht sagen. Doch die Hilfe ist bitter nötig. Besonders ernst ist die Lage an den Grund- und Mittelschulen. "Manchmal weiß man einfach nicht mehr, wohin mit den Aufgaben", erzählt Franz Kraxenberger, Rektor der Grund- und Mittelschule Kirchseeon. Es käme immer mehr "obendrauf, von alleine verschwinden die Aufgaben ja auch nicht".

Es wird überall zu viel: In Ebersberg, Kirchseeon, Grafing oder Steinhöring

Auch vonseiten des BLLV heißt es: "Die Fülle der Aufgaben ist immens und ständig kommen neue dazu." So sind in den vergangenen Jahren beispielsweise die Beurteilungen der Lehrkräfte vom Schulamt auf die Schulleitungen übergegangen. Das nächste Mammutprojekt steht ebenfalls schon in den Startlöchern: Der Medienentwicklungsplan im Zuge der Digitalisierung. "Das ist ein großer Baustein, der jetzt noch dazukommt", erzählt Doris Pfefferkorn, die seit Februar die Grund- und Mittelschule Glonn leitet. "Die Aufgabengebiete verändern sich einfach immens."

Auch die Anforderungen an die Verwaltung sind zuletzt extrem gestiegen. "Bürokratie lässt grüßen", so Kraxenberger. Das erklärt auch Alexander Bär, Leiter der Grund- und Mittelschule Ebersberg. "Diese administrative Leistung ist vielfältig und anstrengend."

Ein großes Problem stellt die Unterrichtsverpflichtung dar, deren teilweise Abschaffung viele Schulleiter fordern. Selbst die wenigen Stunden, die etwa Bär an seiner recht großen Schule übernehmen müsse, wären schon zu viel. Dann müsste man sich für die Gestaltung des Unterrichts regelrecht "was aus den Rippen schneiden". Eine echte Belastung. Auch die Nachmittagsbetreuung müssten Schulleiter oft übernehmen, wenn wie etwa in Kirchseeon oder in Grafing das Konzept der offenen Ganztagsschule verfolgt wird.

Vor allen Dingen ist die Entlastung der Schulleitung und Verwaltung für kleinere Schulen wichtig. In deren Sekretariaten, so Renate Schwarz-Reis, Rektorin der Grundschule Grafing, seien die Stellen oftmals auf wenige Stunden begrenzt, in denen die anstehende Arbeit gar nicht zu bewältigen ist. "Mit der aktuellen Stundenzahl kann man die Schule nur bedingt leiten", bemängelt Barbara Mäusl, Leiterin in Steinhöring. "Verwalten ja, aber wenn es um Projekte und die Schulentwicklung geht, fehlt die Zeit."

"Das ist nur ein Schritt von vielen"

Dazu kommen Elterngespräche, Absprachen mit dem Kollegium und vieles mehr - neben dem Unterricht, den die Leiter ohnehin naturgemäß übernehmen. "Wenn ich einen ganzen Tag lang Unterricht gebe, bleiben gerade einmal die Pausen, um das Dringendste mit der Verwaltung zu besprechen", erzählt Mäusl. Grundsätzlich fände sie es schön, dass man als Leiter mehr Verantwortung bekommt. Dann müsste aber auch die dafür eingeplante Zeit stimmen - und das tut sie bisher eben nicht. "Wir sind froh um jede Stunde, die wir zusätzlich bekommen", sagt Mäusl.

Sicherlich sind alle Schulleiter erleichtert ob der Unterstützung. Denn Bedarf gibt es an jeder Schule - das sagt auch die Grafinger Rektorin Schwarz-Reis. Die Aufstockung wäre schließlich auch jahrelang gefordert gewesen, erklärt Klaus Wenzel, der Ehrenpräsident des BLLV. Dennoch: "Das ist nur ein Schritt von vielen", mahnt Wenzel. Schulen bräuchten besonders in der Leitung viel Zeit - um reflektieren, kommunizieren und organisieren zu können. Aber man sei froh, dass der Bedarf zumindest erkannt werde.

Martina Strauß, Rektorin der Grundschule Vaterstetten konnte die SZ-Anfrage gar nicht erst beantworten. Sie entschuldigte sich, im Moment habe sie überhaupt keine Zeit für Presseanfragen. Auch nicht für gemeinsame Projekte etwa mit Kindergärten. Die Konrektorin der Schule war erkrankt, Strauß und ihre Sekretärin mussten alle Aufgaben im Alleingang bewältigen. "Bei uns ist gerade Land unter", sagte Strauß.