Großer Erfolg für die Ebersberger "Filmfreunde" Löwen und Eber

Drei der vier Beiträge aus dem Landkreis werden bei den bayerischen Filmfestspielen in Ebersberg ausgezeichnet. Die beste Arbeit stammt von Toni Ackstaller

Von Anja Blum, Ebersberg

So sehen sympathische Sieger aus: Toni Ackstaller strahlt übers ganze weißbärtige Gesicht, reißt die Arme nach oben, neben ihm steht seine Frau und Komplizin Ilke Ackstaller, ebenfalls glücklich. Denn die Mühen haben sich gelohnt, sowohl die cineastischen, als auch die organisatorischen: Von den elf Preisen, die am Sonntag bei den bayerischen Amateurfilm-Festspielen im Alten Speicher verliehen wurden, bleiben ganze drei im Landkreis. Darunter der Hauptgewinn, der Große Bayerische Löwe mit Rautenschild, eine imposante Porzellanfigur, gestiftet vom Ministerpräsidenten höchstpersönlich. Diese Trophäe dürfen heuer die Ackstallers mit nach Hause nehmen, also jene, die das Filmfest in Ebersberg mit viel Eifer und noch mehr Liebe ausgerichtet haben. Denn Toni Ackstallers Reisereportage "Es wird Herbst im Altai" wurde zum besten bayerischen Kurzfilm des Jahres gekürt. Für das Ebersberger Paar ist es bereits der sechste Löwe, aber der erste Große. Darüber hinaus kann sich Ilke Ackstaller über einen zweiten Platz in der Publikumswertung für ihre Reisedoku "Der Weg in die Wildnis" freuen.

"Ich bin total überrascht", sagt Toni Ackstaller, und man glaubt es sofort. Schließlich hätten die vergangenen Jahre gezeigt, erklärt er, dass eher aufwendig und von einem größeren Team produzierte Spielfilme das Potenzial für den Großen Löwen hätten. Die beiden Autoren von den "Filmfreunden Ebersberg" hingegen machen alles selbst: Sie sind Regisseur, Kameramann, Sprecher, Tonmeister und Cutter zugleich - trotzdem konnte der "Herbst im Altai" die sechsköpfige Jury derart begeistern, dass sie eine einstimmige Entscheidung fällte.

"Was wäre ich ohne meine Frau!" Toni Ackstallers erster Dank gilt seiner cineastischen Komplizin Ilke Ackstaller.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Kein Wunder, ist der Film doch nicht nur sehr professionell gemacht, sondern einfach herzerwärmend. Zunächst liefert er wunderschöne, meditative Aufnahmen einer fernen Landschaft zwischen grünen Flusstälern, kargen Wiesen und schneebedeckten Gipfeln. Darüber hinaus hat Toni Ackstaller eine sehr persönliche Reiseerzählung geschaffen, die mit Ehrlichkeit und Humor zu überzeugen vermag. Die Ebersberger sind hier in der Mongolei unterwegs, in der totalen Abgeschiedenheit des Altai-Gebirges haben sie mit kasachischen Nomaden gelebt, in deren Jurten gehaust, mit ihnen Tee mit Kamelmilch getrunken. "Verständigung war nur mit Händen und Füßen möglich", erzählt der Autor und lächelt. Trotzdem kam man den Einheimischen sehr nahe, der Film gibt einen tiefen Einblick in ihr archaisches, spartanisches Leben, in dem Frauen Yaks melken, Männer Gras mit der Sense ernten, Kinder nach dem Schlachten mit Ziegenfüßen spielen und die Jahreszeiten den Lebensrhythmus diktieren.

Das Besondere aber ist, dass Toni Ackstaller auch von den eigenen Befindlichkeiten erzählt - vom beißenden Geruch des Joghurtbalgs im Zelt zum Beispiel, von einer bedrohlichen Autopanne im Sumpf oder von einem Ausritt bei schlechtem Wetter. Das soll aber nicht heißen, dass der Autor jammert, nein, er scheint jegliches Unbill mit Gelassenheit und Humor hinzunehmen. Ilke Ackstaller im dicken Kasachenmantel schier bewegungsunfähig auf einem Pferd sitzend ist jedenfalls ein köstlicher Anblick, und auch "das stille Örtchen mit Panoramablick" lässt die Zuschauer schmunzeln.

Der Hauptgewinn ist der Große Bayerische Löwe mit Rautenschild. Die imposante Porzellanfigur hat der Ministerpräsident gestiftet.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Und ein weiterer Ebersberger Filmfreund wurde mit einem Löwen bedacht: Erich Heucke. Sein Film "Reichtum durch Kohle?" wirkt zunächst wie eine Reportage, der Zuschauer lernt eine Gruppe französischer Forscher kennen, die in Spitzbergen die Eisschmelze untersuchen - und dabei Gold finden. Lakonisch berichtet der Erzähler von wissenschaftlichen Analysen und "Aurocarbon", zu sehen sind kleine Goldnuggets. Erst am Ende klärt der Autor das Publikum auf, dass die Geschichte erfunden ist. "Der Film zeigt, wie leicht wir alle zu manipulieren sind", lobte die Jury, er behandelt im Zeitalter von Fake-News und Filterblasen ein höchst aktuelles Thema. Hauck, der tatsächlich als Geologe in Spitzbergen war, erzählt, dass er zunächst nicht wusste, was er mit dem Filmmaterial von dort anfangen sollte. "So wissenschaftliche Themen sind einfach immer schwierig, also dachte ich mir, ich setze mich einfach mal verkehrt herum auf den Stuhl und versuche mich an einer Persiflage", sagt er und lächelt. Eine Methode, die offenbar sehr gut funktioniert hat.

Der dritte ausgezeichnete Film aus dem Landkreis heißt "Vampire gibt es nicht", er erhielt den Preis für den besten Jugendfilm des Landesverbands. Darüber freuen können sich Peter Rohmfeld und seine Filmgruppe am Markt Schwabener Gymnasium. Ihre eindringliche Fiktion zeigt, wie das Dämonische einbrechen kann in den Alltag, welche Kraft menschliche Urängste entwickeln können. Die Jury lobte die fantastische Kameraführung, die dank teils sehr schneller Schnitte temporeiche Dramaturgie sowie die schauspielerische Leistung des Nachwuchses.

Ebenfalls über Preise freuen können sich Erich Heucke von den Ebersberger Filmfreunden (links) sowie Peter Rohmfeld und seine Filmgruppe vom Gymnasium Markt Schaben.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Was diese Ausflistung zeigt, galt für das ganze Festival: Niveau und Vielfalt des Amateurfilms sind schier unglaublich. Die Spannbreite reicht von der exotischen Reisereportage über den ergreifenden Naturfilm oder die historische Dokumentation bis zum grafisch-politischen Assoziationsfeuerwerk. Ein solches ist der Film "Farbe bekennen" von Martin Kochloefl aus Landshut, der einen Löwen erhielt: Der Autor hat eine Collage aus Parolen, Phrasen und abstrakten Farbspielen geschaffen und damit die Links-Rechts-Spaltung des Landes in eine cineastisch anspruchsvolle Form gegossen. Erich Hirsch aus Oberhausen durfte sich ebenfalls über einen Löwen freuen. Er hatte mit "Ein Tag wie kein anderer", einer Reportage aus Namibia, die Herzen gerührt. Nur in einer einzigen, perfekt choreografierten Einstellung aufgenommen ist "Wildschaden" von Marcus Siebler aus Landshut, ein entlarvendes Kammerspiel über Schuld und Selbstmitleid. Einen Löwen bekam auch Georg Merz aus Bobingen für ein gebanntes Stück Augsburger Geschichte: "Abr d'Pilz war scho oh schee". Etwas weiter weg hatte Anton Wallner aus Passau gefilmt: "Im Licht des Ayeyarwady" erzählt in kraftvollen Bildern von Myanmar, einem Land im Aufbruch.

Der Sonderpreis des Landkreises, ein Eber für "den besonderen Film", ging an Egid Spies und seine AG Video der Grundschule Rieden für den witzigen Musikclip "Schwuppdiwumm". Das wunderbar eingefangene Wilderer-Drama "Finstere Au" von Philipp Wagner aus Passau hingegen überzeugte mit einer "besonderen Kamera", es erhielt diesen Sonderpreis der Sparkasse, ebenfalls ein Eber.

Filmfestspiele sind wie Wundertüten, man weiß nie, was drin ist. Doch diese Überraschungen sind immer gut - das hat das Wochenende in Ebersberg gezeigt.