Grafing Zu klein für die erste Liga
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Grafings Volleyballer sind sportlich top. Aufsteigen dürfen sie aber nicht - weil es im ganzen Landkreis keine geeignete Halle gibt.
Da könnte eine Mannschaft aus dem Landkreis Ebersberg in der ersten Bundesliga spielen, doch es scheitert an der Sportstätte: Trotz großer Erfolge auf dem Spielfeld dürfen Grafings Volleyballer zum Saisonende nicht aufsteigen, weil es weder in der Stadt noch anderswo im Landkreis eine geeignete Halle für Profiturniere gibt. Die Chancen, dass eine solche in absehbarer Zeit gebaut werden könnte, stehen nicht gut: Kommunen und Kreis verweisen auf leere Kassen.
Sportlich sind die Grafinger Volleyballer höchst erfolgreich. Doch der Aufstieg muss warten.
(Foto: EBE)Die Regularien der Deutschen Volleyball-Liga (DVL) sind eindeutig: Eine Mindesthöhe von neun Metern zwischen Spielfeld und Decke sowie Platz für nicht weniger als 1000 Zuschauer muss eine Halle haben, damit dort Erstliga-Spiele ausgetragen werden dürfen. Diese Vorgaben erfüllt die Jahnsporthalle in Grafing nicht. Sie fasst lediglich 400 Besucher und ist fast zwei Meter zu niedrig. Auch keine andere Halle im Landkreis entspricht den Vorgaben der DVL, sagt der Manager der Grafinger Volleyballer, Marcus Bohle.
Das Hallenproblem ist zwar nicht das einzige Problem beim Aufstieg, gibt Bohle zu: "Das ist auch finanziell schwierig." Pro Saison in der ersten Liga bräuchte der Verein mindestens 250000 Euro. Doch auch dieses Problem sei letztlich mit dem Fehlen einer Halle verknüpft: Der Erfolg bei der Suche nach Sponsoren hänge von einer erstligatauglichen Spielstätte ab, so Bohle. "Wenn wir keine Möglichkeit haben aufzusteigen, haben wir auch Probleme, Sponsoren zu finden."
In einen Nachbarlandkreis wollen die Grafinger schon aus Prestigegründen nicht ausweichen: "Als Grafinger Mannschaft verlieren wir doch das Gesicht, wenn wir in München, Rosenheim oder Wasserburg spielen." Zudem seien auch dort die Sportstätten stark ausgelastet, so Bohle. Für die Grafinger wäre dort möglicherweise kein Platz. Da auch die Hallen im Landkreis chronisch überbelegt sind, spricht sich Bohle für einen Neubau aus. "Man sollte alle leistungsorientierten Mannschaften des Landkreises in einer Halle vereinen, davon würden alle Sportarten profitieren." Die Profis hätten so eine angemessene Spielstätte und die übrigen Hallen würden dadurch entlastet, sagt Bohle.
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Wer eine solche Halle bauen und bezahlen soll, ist allerdings unklar. Die Stadt Grafing sei dazu nicht in der Lage, bedauert Bürgermeister Rudolf Heiler (FW). Er freut sich zwar über "die klasse Leistung" der Volleyballer, sieht aber keine Möglichkeit, wie die Stadt deren Aufstieg unterstützen könnte. "Wir können keine Erstliga-Halle aus dem Boden stampfen, das ist eine Größenordnung jenseits von Gut und Böse und fern jeder Realität." Auch einen Umbau der Jahnsporthalle sieht der Bürgermeister kritisch. "Die Investitionen, die wir leisten müssen, sind andere." Beispielsweise die Sanierung der VHS und der Musikschule oder der seit Jahren geplante neue Bauhof. Für eine neue Sporthalle sei deshalb kein Geld vorhanden.
Ähnlich die Situation in der Kreisstadt, wo gerade eine 15 Millionen Euro teure Schulsanierung und der Bau des neuen Stadtsaales ansteht. Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) könnte sich Ebersberg zwar gut als Standort für eine Halle für die Profimannschaften des Landkreises vorstellen. Dafür könne man auch ein städtisches Grundstück zur Verfügung stellen, sagt Brilmayer. "Aber selber bauen könnten wir das im Moment nicht."
Auch der Kreis plane zur Zeit nicht, eine neue Sporthalle zu bauen, sagt Andreas Stephan vom Landratsamt. Im Kreistag liege kein dementsprechender Antrag vor, außerdem sei der Kreishaushalt hoch verschuldet.
Ob es doch noch eine Chance für eine neue Profi-Halle gibt, wird sich im Mai zeigen. Dann wollen Bohle, Brilmayer, Heiler und Landrat Gottlieb Fauth (CSU) zusammen mit den Vorständen der Sportvereine über die Möglichkeiten neuer Sportstätten beraten.