Gold, Weihrauch und Myrrhe Für Jesus nur das Beste

Die Gaben der Weisen aus dem Morgenland, waren damals kostbarste Güter. Mit Rauch, Harzen und verführerischem Glanz prägen sie bis heute die Rituale der Kirche

Katharina Blum

- Ein weißer Schleier liegt in der Luft. Der Ministrant schwingt kräftig das Weihrauchfass, bis der Duft der Harzmischung das gesamte Kirchenschiff von St. Sebastian umhüllt. Seit Jahrtausenden beschert Weihrauch Kirchen diesen unverwechselbaren Geruch. Bisweilen missglückt das allerdings. "Die Handhabung ist gar nicht so einfach. Wenn die Glut zu heiß ist und die Weihrauch-Körner zu brennen anfangen, kann das bestialisch stinken", weiß der Ebersberger Pfarrer Josef Riedl. Ob die Drei Heiligen Könige das auch schon wussten, ist nicht überliefert. Fest steht nur, dass sie neben Gold und Myrrhe auch das Harz des seltenen Weihrauchbaums dabei hatten.

Caspar, Melchior und Balthasar, so heißt es, sollen einen hellen Stern am Himmel gesehen haben. Weil der viel heller leuchtete als alle anderen, folgten sie ihm. Bis nach Bethlehem. ". . . da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe", so steht es in der Bibel, im Matthäus-Evangelium. Der sechste Januar erinnert jedes Jahr an diese drei Weisen aus dem Morgenland. Liturgisch gesehen wird die Erscheinung des Herrn gefeiert, im Volksmund spricht man vom "Dreikönigstag". Was es mit den Gaben an diesem Tag auf sich hat, erklärte Pfarrer Josef Riedl der SZ. "Es gibt verschiedene Deutungsmuster. Bei allen handelt es sich um symbolische Geschenke, die einen theologischen Hintergrund haben." Die Geschichte der Könige ist dabei eine der rätselhaftesten des Neuen Testaments. Bis heute gibt es nur Vermutungen über die Identität und Herkunft der Männer. Auch ihre Dreizahl ist biblisch nicht belegt. Sie erklärt sich nur rein weltlich aus den drei Geschenken, die sie mitbrachten:

Gold als Zeichen der königlichen Würde. Oder ganz profan ausgedrückt: "Etwas Kostbares schenke ich nur jemanden, der mir kostbar ist." Die drei Weisen wollten Gottes Sohn somit durch das Kostbarste ehren, was die Erde bietet. Und noch heute blitzt es Golden in Kirchen, etwa bei den Ikonenfiguren. Auch die Kleinsten zieht Gold schon in ihren Bann, wie der Ebersberger Pfarrer erzählt: Wenn er den Kindern den Tresor in der Sakristei öffnet und die vergoldeten Kelche zeigt, sind zunächst die Augen und später dann die Enttäuschung groß, weil es sich eben doch nur um einen Goldüberzug handelt.

Weihrauch steht für eine göttliche Gabe. Weil er sichtbar nach oben aufsteigt, kommt ihm eine symbolische Bedeutung zu. "Wir bauen uns eine Weihrauch-Straße zu Gott", erklärt Riedl. In der Vorstellung der Gläubigen gelangen durch den Rauch ihre Bitten zu Gott. Eine wertvolle Opfergabe. Zur Zeit Jesu kostete ein Kilogramm Weihrauch etwa umgerechnet fünfhundert Euro, heute gibt es das Harz in Körnerform in Kirchengeschäften aber auch Parfümerien zu kaufen. 100 Gramm Rosenweihrauch kosten etwa 20 Euro. In St. Sebastian wird ein Byzanz-Weihrauch verwendet - und das meist nur zu Festgottesdiensten. "Drei bis vier Teelöffel ergeben eine saubere Rauchschwade," so Riedl. Mittlerweile kann man den Kirchenduft auf die Hand auftragen. Eine Pfarrei im Allgäu gibt eine eigene Creme mit Weihrauch-Extrakten heraus. "Das muss ich nicht haben", stellt Riedl fest.

Myrrhe stammt aus dem Harz des Myrrhenstrauches. Zur Zeit Jesu hat man die Toten mit dieser Art antikem Nobelparfüm einbalsamiert. Jesus selbst wurde vor seiner Kreuzigung ein Myrrhe-Schwamm angeboten, als eine Art Betäubungsmittel. "Die Myrrhe steht für das erahnte Leid, das Schicksal Jesu", so Riedl. "Heute taucht die Myrrhe so gut wie gar nicht mehr auf."