Gefährdung für den örtlichen Einzelhandel Zurechtgestutzt

Nachdem die Bezirksregierung das Fachmarktzentrum in Parsdorf gekippt hat, bemüht man sich in Vaterstetten um Optimismus.

Von Wieland Bögel

- Einen Tag nach Bekanntwerden der negativen Stellungnahme der Regierung von Oberbayern zum Fachmarktzentrum in Parsdorf bemüht man sich in Vaterstetten um Schadensbegrenzung. In einer Presseerklärung nennt Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU) das Ergebnis einen "Teilerfolg", immerhin sei der ebenfalls geplante Baumarkt nicht beanstandet worden. Ob das Gewerbegebiet aber überhaupt ohne das Fachmarktzentrum realisiert werden kann, bleibt offen.

Im Vaterstettener Rathaus ist man über das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens alles andere als glücklich. Weniger als die Entscheidung der Regierung von Oberbayern selbst kritisiert man eine angebliche Meinungsänderung. Noch zu Beginn des Verfahrens habe die Regierung erkennen lassen, dass sie Parsdorf grundsätzlich als "städtebaulich integrierte Lage", also einen Standort, der großflächigen Einzelhandel erlaube, betrachte. Nun sei man in München auf einmal der Meinung, dass der Ortsteil, der "immerhin bis 1978 Namensgeber der Gemeinde" war, als Randlage zu betrachten sei, wo nur Geschäfte für die Nahversorgung der Einwohner zulässig sind. Auch dass sich die Regierung mit ihrer Stellungnahme viel zu lange Zeit gelassen habe, wird kritisiert, denn dies habe die Gemeinde "unnötig in zeitliche Bedrängnis gebracht", so der Bürgermeister.

Man wolle aber nicht gegen die Entscheidung vorgehen, kündigte Niedergesäß bereits am Montag an, denn dies würde das Projekt noch weiter verzögern. Ähnlich sieht dies Josef Mittermeier von der SPD: "Wir wären nicht gut beraten, dagegen anzukämpfen." Der Ausgang sei unsicher und das Verfahren langwierig. Auch der dritte Bürgermeister Wolfgang Will (FDP) hält nichts von einer juristischen Auseinandersetzung um das Raumordnungsverfahren. Damit würde das gesamte Gewerbegebiet auf Jahre verzögert. "Das werden einige nicht mitmachen", befürchtet Will, etwa der Feinkosthersteller Kugler, der bereits klar gemacht habe, spätestens 2014 in Parsdorf den Betrieb aufnehmen zu wollen. Wie es jetzt weitergehe, hänge ganz vom Investor ab.

Beim Investor, der Firma Activ-Group mit Sitz im baden-württembergischen Schemmerhofen, möchte man sich noch nicht auf ein weiteres Vorgehen festlegen. "Es sind jetzt viele Fragen zu klären", meint Geschäftsführer Andreas Dünkel, die wichtigste wird sein, ob sich das Projekt in der abgespeckten Version noch lohnt. Denn das Fachmarktzentrum, so erklärt Dünkel, wäre die Haupteinnahmequelle gewesen. Andererseits bedeute ein reines Gewerbegebiet ohne Einzelhandel auch weniger Verkehr und damit geringere Kosten für die Erschließung. Denkbar sei auch, so Dünkel, dass man sich mit der Gemeinde auf einen Kompromiss einige, etwa eine finanzielle Beteiligung an den Erschließungskosten. Ob sich die Firma Active-Group weiter in Vaterstetten engagiere, darüber werde man spätestens bis Ende des Jahres entscheiden, so Dünkel.

Nicht für alle wäre der Ausstieg von Active-Group eine schlechte Sache. Statt auf einen Investor zu setzen, sollte Vaterstetten das Gewerbegebiet selbst entwickeln, meint etwa Grünen-Gemeinderat Günter Glier: "Es wäre das Richtige, wenn die Gemeinde die Hände drin hätte." Dass die Regierung das Fachmarktzentrum abgelehnt hat, ist für Glier keine Überraschung. Dies habe man erwartet. Seine Fraktion hatte deshalb schon vor Monaten beantragt, die Einzelhandelsflächen um 80 Prozent zu reduzieren, dass es jetzt genau so kommen wird, "darüber sind wir sehr froh." Nicht ganz unglücklich ist man auch bei den Freien Wählern. Seine Fraktion hatte den Antrag der Grünen zur Reduzierung der Einzelhandelsflächen unterstützt, sagt Gemeinderat Will-Rafael Bienheim: "Die Entscheidung der Regierung geht dahin, wie wir uns die Größenverhältnisse vorgestellt hatten." Ob das Gewerbegebiet nun wie geplant mit Active-Group verwirklicht werden kann, darüber möchte Bienheim keine Prognose wagen. Klar sei aber: "Alles muss auf den Prüfstand." Dies werde Zeit kosten, eine Verzögerung die nicht nötig gewesen wären, hätte man die Einzelhandelsflächen rechtzeitig angepasst.