Flüchtlingshelfer in Markt Schwaben Viel Engagement und viele offene Fragen

Aktivkreis Flüchtlinge

Die Markt Schwabener werden auf eine bestehende Organisationsstruktur zurückgreifen, um den Flüchtlingen im Ort zu helfen: auf die Aktivkreise. Diese sind ein an sich loser Zusammenschluss von Menschen, die etwa die Ortsmitte schön gestalten, die Gemeinde für Jugendliche attraktiver machen oder eben Asylbewerbern helfen wollen. Hinter den Aktivkreisen steht ein Förderverein, der als gemeinnütziger Verein eingetragen ist und Spenden für die Aktivitäten der Aktivkreise sammelt. Die Spenden können zweckgebunden für ein Projekt aufgegeben werden oder der Arbeit generell zugute kommen. Eine erste Spende zugunsten der Asylbewerber sei beim Förderverein bereits eingegangen, sagte Joachim Weikel.

Alternative zur Gründung eines Aktivkreises für die Flüchtlingsbetreuung wäre gewesen, einen Helferkreis ins Leben zu rufen, dessen Spenden über die Gemeinde verbucht werden. Das sei rechtlich jedoch nicht unproblematisch, warnte Weikel. Geld, das in der Verwaltung ankommt, kann nicht einfach weitergereicht werden, es muss im Haushalt gelistet werden. imei

Einkaufen gehen, Aufenthaltsräume suchen, Fahrdienste organisieren: Bei der Gründung eines Helferkreises für Flüchtlinge in Markt Schwaben zeigt sich, mit welcher Vielzahl an Problemen die Freiwilligen konfrontiert sind.

Von Isabel Meixner, Markt Schwaben

Joachim Weikel war angetan, als sich am Mittwochabend 50 Markt Schwabener im Schweiger-Bräu einfanden, um einen Aktivkreis für Flüchtlinge zu gründen. Mit Blick darauf, was in anderen Orten in Deutschland derzeit abgehe, "bin ich froh, dass da eine andere Einstellung in Markt Schwaben herrscht", sagte er. In der nächsten Woche sollen am Erlberg 24 Container für 60 Flüchtlinge aufgebaut und von Mitte September an bezogen werden. Zur gleichen Zeit sollen weitere 20 Asylbewerber in der Zinngießergasse unterkommen und im früheren Schwesternheim außerdem minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden.

Es werden anfangs die ganz banalen Alltagsprobleme sein, bei denen die Asylbewerber die Helfer so dringend benötigen. Beispiel einkaufen gehen. "Wir müssen damit rechnen, dass die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft kein Essen dabei haben und noch nichts gegessen haben", sagte Tobias Vorburg, mit Joachim Weikel zusammen der Initiator. Es müssten also drei, vier Gruppen gebildet werden, die am ersten Tag den Flüchtlingen erklären, wo sie Lebensmittel erhalten, welche verschiedenen Produkte es gibt und was sie nicht benötigen - Tiefkühlpizza etwa, wenn es keinen Backofen gibt.

Eine Anwesende schlug Patenschaften vor, damit jeder Flüchtling ein Vertrauensverhältnis zu einem Bürger aufbauen könne. Eine weitere mahnte an, dass für die Asylbewerber am Anfang so viele Dinge neu sein werden, dass Informationen auch mehrmals wiederholt werden müssen, bis sie auch wirklich angekommen sind: "Da müssen wir geduldig sein."

Damit die Asylbewerber keine wichtigen Fristen verpassen, sei das Ziel, dass jeden zweiten Tag Helfer sie beim Briefverkehr unterstützen, sagte Weikel. Er schlug vor, in den Unterkünften Fotos der Freiwilligen mit Name und Telefonnummer aufzuhängen, damit die Bewohner wissen, an wen sie sich wenden können. Wie die Helfer ihrerseits Kontakt zu den Flüchtlingen aufnehmen können, ist dagegen offen: Ein Gemeinschaftstelefon gibt es nicht, und ob alle Flüchtlinge Handys haben, weiß niemand.

Die Frage nach der Kommunikation ist nicht die einzige, die in den nächsten Wochen noch beantwortet werden muss: Wo können Veranstaltungen für Flüchtlinge stattfinden? Besteht die Möglichkeit, sie in Vereine zu integrieren? Werden schulpflichtige Kinder unter den Flüchtlingen sein? Zur letzten Frage meldete sich die Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Bettina Ismair zu Wort: Kinder unter 16 Jahren könnten die Übergangsklasse an der Markt Schwabener Mittelschule besuchen, in der Schüler gefördert werden, die des Deutschen nicht so mächtig sind. Sind die Jugendlichen aber älter als 16 Jahre, wird sich zeigen müssen, in welcher Klasse sie dem Unterricht folgen können.

Die Frage nach einem Veranstaltungsort dürfte schwieriger zu klären sein. In den Containern ist kein Gruppenraum vorgesehen, die Flüchtlinge haben nur ihren Wohncontainer, den sich bis zu vier Personen teilen müssen, und zwei Küchen als Treffpunkte zur Verfügung. Eine Tatsache, die bei den Anwesenden auf viel Unverständnis und Kritik stieß. "Ein Aufenthaltsraum ist nicht unwichtig", fand ein Anwesender. Ob man noch in die Planungen eingreifen könne?, fragte eine Frau. Doch die Erdarbeiten, bei denen das Areal geebnet und mit Platten ausgestattet wurde, sind abgeschlossen, wie Joachim Weikel sagte. Er wird den Kontakt zur Freiwilligen Feuerwehr suchen, um die dortigen Räume nutzen zu können.

Eine weitere Herausforderung: Der Aktivkreis will einen Fahrdienst nach Ebersberg organisieren, denn die Flüchtlinge werden immer wieder persönlich im Landratsamt erscheinen müssen. Die Gelder werden beispielsweise nur dem Asylbewerber selbst ausgezahlt, und auch Krankenscheine werden ausschließlich in der Behörde ausgestellt. "Wir sollten durchsetzen, dass eine Amtsperson hier in Markt Schwaben Krankenscheine und Gelder ausgibt", schlug eine Anwesende vor. In dieser Außenstelle des Landratsamts könnten Asylbewerber aus dem gesamten Landkreisnorden betreut werden.

Doch bis es soweit ist - falls es überhaupt dazu kommt -, werden die Markt Schwabener die Flüchtlinge mit dem Auto fahren. Dass diese den Bus nehmen, der alle heiligen Zeiten fahre, lehnt Weikel ab: "Das ist eine Zumutung."

Der Aktivkreis Flüchtlinge trifft sich das nächste Mal am Mittwoch, 9. September, um 19 Uhr im Schwaiger-Bräu. Wer sich engagieren will, kann sich an Joachim Weikel (jopa2903@arcor.de) oder Tobias Vorburg (t_vorburg@web.de) wenden.