Fest am Montag Kreuz bei Glonn feiert seine Kirche

Ein absolut malerisches Fleckchen: die Glonner Filialkirche in Kreuz.

(Foto: Christian Endt)

Das idyllisch gelegene Kircherl bei Glonn feiert 750-jähriges Bestehen. Warum das zugehörige Dorf "Kreuz" heißt? Es gibt zwei Theorien.

Von Rita Baedeker, Glonn

Heute würde man es einen gelungenen Deal nennen, was die Bauern aus Kreuz und Umgebung am 28. Dezember 1803 vor dem Landgericht in Schwaben aushandeln. Im Land wütet die Säkularisation. Klöster und Kirchen werden enteignet, abgerissen. Auch das aus Tuffstein errichtete Kreuzer Gotteshaus steht auf der Liste, es soll als Steinbruch für einen Schulbau im nahen Glonn geopfert werden.

Doch die Bauern, die hier beten, die frohe Botschaft hören und ihre Toten begraben, setzen sich zur Wehr. Ihnen ist ihre Kirche wichtiger als eine Schule, die nur die Kinder von der Arbeit abhält. Und so erscheint vor Gericht eine vierköpfige Delegation aus Kreuz, Schlacht, Münster und Lindach. Das Quartett fordert nicht nur den Erhalt der Kirche, sondern gleich eine eigene Pfarrei. Schließlich, so argumentieren die Männer, sei die Pfarrei Egmating, wozu Kreuz und die kleinen Ortschaften ringsum bis 1928 gehören, weit entfernt und der Weg beschwerlich, vor allem für alte Leute. Sie geloben, ihren Teil an Geld und Baumaterial für die Schule zu leisten, wenn die Kirche erhalten bleibe.

Und so kommt es. Mit einem Schreiben "Im Namen Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht zu Pfalzbaiern" vom 25. Januar 1804 wird der Erhalt der Kreuzer Kirche genehmigt. Dem Wunsch nach einer eigenen Pfarrei wird indes nicht entsprochen. Eine Kopie des Schriftstücks hängt in der Sakristei. "Das ist die zweite Geburtsurkunde", sagt der Glonner Ortschronist Hans Obermair.

Die erste Gründungsurkunde der heutigen Glonner Filialkirche wird am 18. Juni 1268 vom Freisinger Bischof Konrad zu Ehren des "glorreichen Kreuzes", der Heiligen Dreifaltigkeit, der Jungfrau Maria und des Heiligen Korbinian geweiht. Entdeckt wird das kostbare Schriftstück bei der Renovierung 1974 in einer Bleikapsel im Altarstein. Und bald danach wieder einbetoniert. Anna Messerer, genannt Mesner Nanni, die dieses Amt sechzig Jahre lang das versah, hat das so entschieden. Sie ist vor 15 Jahren 94-jährig verstorben. Ihr Grab auf dem kleinen Friedhof liegt unter einem üppig blühenden Rosenstrauch.

Wenn Hans Obermair erzählt, verleiht er den Toten Gestalt und Stimme

Geht man mit Hans Obermair über den von hohem Gras bewachsenen alten Friedhof, bekommen die Toten Gestalt und Stimme. Zu jedem Grab, jedem Namen kann er eine Geschichte erzählen. Hier der Pferdenarr, da der Künstler, dort die Schwester seines Urgroßvaters. Ein schönerer und friedlicherer Platz für die letzte Ruhestätte ist schwerlich zu finden.

Nähert man sich dem Dorf auf der schmalen Straße durch den Wald von Schlacht her, kommt als erstes die leicht erhöht gelegene Kirche in Sicht. Auf einer Koppel grasen Pferde, in das jubelnde Lied der Mönchsgrasmücke fällt das Zwölf-Uhr-Läuten ein. Keines übertönt das andere. Am Fuß des Turms blühen Lavendel, Schafgarbe und Glockenblumen, eine kleine Fichte schmiegt sich ans Gemäuer. Über der Kirche ziehen Mauersegler ihre Runden, wenige Meter entfernt träumt ein Dorfteich in der Sonne. Der Wind streicht flüsternd durch die hohen Gräser. In Kreuz gibt es offenbar mehr Pferde als Menschen, Roswitha Sarreiter bestätigt lachend diese Vermutung. "13 Ureinwohner sind wir heute", sagt sie, dazu einige wenige, die sich hier eingemietet haben.

Wie aus der Zeit gefallen wirkt auch die Kirche. Der Schlüsselbund zum Öffnen der massiven Holztüre mit den schmiedeeisernen Beschlägen sieht aus, als habe ihn Petrus höchstpersönlich dem Mesner ausgehändigt. Doch weil auf Heilige allein nicht immer Verlass ist, hat man sicherheitshalber eine moderne Alarmanlage installiert.

Die im Ursprung romanische Kirche wurde mehrere Male verändert und umgebaut. Der älteste Teil ist der Altarraum. Über dem erhob sich einst auch der Turm. Bis 1630 war wohl die Bausubstanz unverändert. Aus dieser Zeit, so Obermair, stammen die Kielbogenfenster. Der Turm war aus Holz. Später wurde das Langhaus verändert, wurde 1793 der jetzige Turm am anderen Ende errichtet. 1883 erhielt die Kirche eine neugotische Ausstattung, die Renovierung 1965 gab dem Innenraum sein heutiges Aussehen.

Bei dieser Maßnahme erhielt der Turm auch die stützenden Betonpfeiler. Geplant hat diese seinerzeit Johannes Sarreiter, ein Vetter des Schwiegervaters von Roswitha Sarreiter. Die ganze Familie ist eng mit den Geschicken der Kirche verbunden. Roswitha war bis vor kurzem Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, ihr Schwager Albert ist Mesner, zusammen mit anderen kümmern sie sich um das Jubiläumsfest. "Das ganze Dorf hilft zusammen", sagt der Mesner. 2001 wurde die letzte Außenrenovierung in Angriff genommen. "Damals sind wir fast jeden Tag auf den Turm geklettert. An klaren Tagen sieht man vom Glockenstuhl bis zum Chiem- und Simssee", erzählt Roswitha Sarreiter.

Erinnerungen an ein Gemetzel

In der Mitte des Altars regiert Maria, Herrscherin des Himmels, mit lieblich rundem Antlitz, goldener Krone, das Jesuskind auf dem Schoß und einen Apfel in der Hand. Die Vaterstettener Kunsthistorikerin Brigitte Schliewen hat die Figur etwa auf das Jahr 1444 datiert und schreibt sie der Seeoner Meisterschule zu. Die Nische, in der die Figur thront, ist allerdings ein wenig eng. Ursprünglich, so Obermair, habe zur Maria ein anderer Altar gehört. Der Altar, den die Kirche im Zuge einer neugotischen Ausstattung um 1883 erhalten hatte, wurde bei der Renovierung 1965 entfernt und durch einen barocken aus der Höglinger Kirche ersetzt. Als Begleitschutz der Madonna sind die Apostel Petrus und Paulus neben dem Altar postiert.

Ein in leuchtenden Farben ausdrucksstark gemalter Bilderzyklus der Kreuzwegstationen, ein vom früheren Glonner Pfarrer Josef Schneider als Geschenk überlassenes Gemälde der Heiligen Familie samt den Großeltern von Jesus, Anna und Joachim, der Rest einer Wandmalerei in der Empore, die den gekreuzigten Christus zeigt, aus Wachs geformte Pferde in einem Kasten mit Votivgaben sowie ein Verkündigungsengel ergänzen den Kirchenschmuck. Den hinter dem Altar abgelegten Flügel mit weißen Federn aber hat nicht etwa ein Engel verloren; er gehörte einer Gans und dient als "Flederwisch" zum Abstauben der Heiligenfiguren.

Mit dem Pferdekult hat es laut Obermair eine besondere Bewandtnis. Der Heimatforscher hält es für möglich, dass es in Kreuz schon 955 einen Markt gab, dem Jahr der Schlacht auf dem Lechfeld. Möglich, dass in Kreuz ähnlich wie in Keferloh Pferde der Ungarn, die das Gemetzel überlebt hatten, verkauft wurden. Erstmals urkundlich erwähnt wird Kreuz im Jahr 1095. "Aber die alten Hofnamen beim Moar und beim Westamoar verraten uns, dass hier schon in der Zeit der Agilolfinger Kreuzer ihren Blick in die Umgebung schweifen ließen", schreibt Obermair in einem Beitrag zum Jubiläum.

Zum Ursprung des Namens gibt es zwei Theorien. Die eine, naheliegende, lautet, dass er auf den Kirchenpatron, das "glorreiche Kreuz", zurückgeht. Die zweite, von Obermair ebenfalls erwogene Erklärung stützt sich auf die Geografie: Kreuz liegt an der Kreuzung zweier einst wichtiger Wege. Der eine führt von Ebersberg nach Helfendorf und verbindet die Heiligen Sebastian und Emmeram; der andere die Pfarrkirchen Glonn und Egmating.

Wie auch immer der Name entstanden sein mag, Kreuz war Wallfahrtsort. Und ist es noch immer. In die Wand neben dem Eingang wurde eine Granitplatte eingemauert, die irgendwann im Boden des Gottesackers entdeckt wurde. In dem verwitterten Stein, dessen Alter unbekannt ist, erkennt man die Form eines keltischen Kreuzes und ein Seerosenblatt, Symbol des Klosters und Wappen der Stadt Tegernsee. Ein Hinweis darauf, dass das Land einst im Besitz dieses Klosters war.

In einem Buch über den Bayerischen Jakobsweg wird auch Kreuz erwähnt. "Es heißt, dass man zur Ruhe kommt, wenn man den Stein berührt", berichtet Rosi Sarreiter. Wo, wenn nicht hier, könnte man für ein paar köstliche Augenblicke der Zeit entrinnen. So, wie es auf dem Grabstein von Anna Messerer unter blühenden Rosen geschrieben steht: "Sterben ist nur eines Tages Ende".

Das Jubiläum der Kreuzer Filialkirche wird am Montag, 18. Juni, um 19 Uhr, mit einem Festgottesdienst gefeiert. Anschließend spielt die Glonner Musi im Stadel.