ESC-Vorentscheid Fast ein Heimsingspiel

Xavier Darcys eigenwillige Performance.

(Foto: J. Carstensen/dpa)

Xavier Darcy aus Oberpframmern wollte nach Lissabon

Von Judith Baum, Oberframmern

Ein Oberpframmerner in Lissabon, das hätte fast geklappt. Schließlich gehörte der 22-jährige Xavier Darcy zu den Kandidaten, die am Donnerstagabend für den deutschen Platz beim Eurovision Song Contest um die Wette sangen. Darcy wurde "nur" Zweiter. Was auch bedeutet, dass er nicht nur seine Fans aus dem Landkreis, sondern auch die Jury mit seinem Song "Jonah" durchaus beeindruckte. Der Folk-Rock-Titel des 22-Jährigen hatte einen biblisch-mystischen Hintergrund.

Darcy wurde eigentlich in Schottland geboren, sein Vater kommt aus Frankreich und die Mutter ist Engländerin. 2005 kam die Familie nach Deutschland und ließ sich in Oberpframmern nieder. Darcy ist regelmäßiger Gast bei den Ebersberger Kulturtagen, am Donnerstag überraschte er so manchen im Landkreis allerdings mit seinem TV-Auftritt, auch wenn seine Performance wohl Geschmackssache war.

Die Mutter führte ihn schon früh an die Musik heran, indem sie ihm Alben von Led Zeppelin und The Doors zeigt. Als er zwölf war, bekam er von ihr eine Gitarre geschenkt. Das Spielen brachte er sich selbst bei. Parallel dazu erhielt er Gesangsunterricht. Er sang unter anderem auch im Knabenchor der Frauenkirche in München. Beim Wettbewerb "Jugend musiziert" gewann er mehrere Preise.

Drei verschiedene Jurys, bestehend aus 20 ESC-Experten, 100 ESC-Fans und den Fernsehzuschauern, urteilten am Donnerstag schließlich darüber, ob der junge Mann aus Oberpframmern zum Eurovision Song Contest in Lissabon fahren darf. Das zu verhindern versuchten jedoch fünf andere Kandidaten und Kandidatinnen, die sich für den nationalen Vorentscheid qualifiziert hatten. Darunter die aus Georgien stammende Sängerin Natia Todua mit ihrem Song "My own way", einer gefühlvollen musikalischen Reise über ihren Weg nach Deutschland. Außerdem traten an der Sänger und Pianist Ryk mit "You and I", die fünfköpfige bayrische Band VoXXclub mit ihrem Lied "I mog di so", die in New York wohnende Sängerin Ivy Quainoo mit ihrem Popsong "House on fire" und der Sänger Michael Schulte, der gerne mal als der deutsche Ed Sheeran bezeichnet wird, mit seinem Song "You let me walk alone", der von seinem verstorbenen Vater handelt. Damit eroberte er die Herzen von Fans und Fachjury, Schulze erreichte die meisten Punkte und damit den ersten Platz des Vorentscheids. Nun gilt es, die Schmach der letzten Jahre als Verlierer des Wettbewerbs vergessen zu machen. Insofern könnte sich Darcys zweiter Platz am Ende als der bessere erweisen.