Energiewende Nachhaltig heizen

Dieses Bild wird man auch in Vaterstetten in den kommenden Jahren öfter sehen. Die Gemeinde plant ein großes Nahwärmenetz.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Vaterstettens Gemeinderat bringt den Ausbau eines Nahwärmenetzes voran. Dieses soll hauptsächlich mit erneuerbaren Energien betrieben werden

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Mehr Platz im Keller könnte es bald für Vaterstettener Hausbesitzer geben, viele von ihnen brauchen demnächst keinen Heizkessel mehr. Denn vom kommenden Jahr an soll das Nahwärmenetz ausgebaut werden, dies beschloss nun der Gemeinderat. Laut dem vorgestellten Zeitplan könnte bis 2030 ein einheitliches Netz für den Ortsteil Vaterstetten entstehen. Beheizt werden soll es überwiegend mit erneuerbaren Energien.

Die Idee eines Vaterstettener Wärmenetzes, gibt es schon länger, allerdings als Teil eines viel größeren Projekts: der Geothermie. Doch daraus wurde nichts. Im Sommer 2014 scheiterte das Vorhaben nach gut zehn Jahren Planung und Investorensuche endgültig, der Projektpartner zog sich zurück. Ein Grund, warum die Geothermie nie so recht vorankam, war auch, dass es in der Gemeinde kein Netz gibt, wo man sie hätte anschließen können.

Und genau dieses soll nun im kommenden Jahrzehnt entstehen, wenn auch nicht überall im Gemeindegebiet. Wie nun Maximilian Walch und Wolfgang Moises vom Ingenieurbüro "Team für Technik" vorstellten, werde zunächst nur in Vaterstetten nördlich der Bahn ein Nahwärmenetz gebaut. Dieses soll auch die Neubaugebiete West und Nordwest umfassen und bis zur Johann-Sebastian-Bach-Straße reichen. Im Osten wird bis zu einer Linie entlang der Zugspitz- und weiter in die Schumann- und der Rossinistraße bis zur Böhmstraße ausgebaut. Auch die Bayernbodensiedung liegt im Ausbaugebiet.

Den Energiebedarf des Gebietes errechneten die Experten mit 80 Gigawattstunden pro Jahr, allerdings könnte er bis 2030 um 18 Gigawattstunden sinken, weil die Gebäude immer sparsamer würden. Aus diesem Grund empfahlen die Planer auch den Ausbau als Niedertemperaturnetz, dieses kostet etwa 911 Euro pro Meter, insgesamt fallen Kosten von 26,6 Millionen Euro an, der Unterhalt pro Jahr werde sich auf etwa 358 000 Euro belaufen.

Der vorgestellte Plan sieht drei Phasen vor, das Netz entsteht gewissermaßen von innen nach außen entlang bestehender Netze, wie etwa jenes in der Baldhamer Straße. Für dieses hat das Kommunalunternehmen der Gemeinde auch bereits den ersten Versorger gebaut, seit vergangenem Jahr ist das neue Heizkraftwerk am Sportpark. Dieses wird mit Erdgas betrieben, mit dem Ausbau des Netzes soll aber der Anteil der erneuerbaren Energien steigen. Dazu hatten die Planer drei Szenarien vorgestellt, wie der Energiemix aussehen könnte.

Am einfachsten - und auch am profitabelsten - wäre die es, den größten Teil der Wärme aus vermutlich Pellets oder Hackschnitzel, zu erzeugen. Bis zu 58 Prozent wären möglich. Etwa ein Viertel käme aus Erdgas - der Wert ist in allen Varianten gleich - den Rest gewinnt man aus Biogas, Wärmepumpen und Solarthermie.

Auch wenn diese Variante die geringsten Kosten verursachen würde, rieten die Experten ab. Denn einerseits müsste der größte Teil der Biomasse zugekauft werden. Außerdem werde dafür ein großes zentrales Heizwerk benötigt, mit allen Emissions-Problemen, die mit so einem Projekt verbunden sind. Die Planer sprachen sich für die zweitprofitabelste Variante aus: Hier kommen 13 Prozent aus Biomasse, 20 Prozent aus Solarthermie und 29 Prozent aus Grundwasser-Wärmepumpen.

Herbert Uhl (FW) stellte die Frage, warum man nicht auch die Geothermie als Energiequelle mit untersucht habe. Diese sei ohne bestehendes Netz nur schwer umzusetzen, so die Einschätzung der Planer. Auch für Sepp Mittermeier (SPD) ist die Tiefenwärme durchaus eine Option - nur eben noch nicht jetzt: "Wenn das in zehn oder 15 Jahren kommt, bauen wir es ein, aber jetzt müssen wir erst einmal etwas tun." Christl Mitterer (CSU) meinte: "Irgendwo muss man anfangen", deshalb sei es gut, jetzt den Netzausbau voranzutreiben. Damit könne man "bauen, ohne uns etwas zu verbauen", sagte Bürgermeister Georg Reitsberger (FW).

Ohne Gegenstimmen wurde der Ausbauplan beschlossen, umsetzen soll ihn nun das Kommunalunternehmen. Dabei sind durchaus noch Änderungen möglich. So besagt der Beschluss ausdrücklich, dass wirtschaftliche Kriterien bei der Umsetzung zu berücksichtigen sind.

Das begrüßt Peter Fleckner von der Energiewende, die an dem Konzept mitgearbeitet hat. Auf jeden Fall müsse das Nahwärmenetz wirtschaftlich sein, was nach Meinung Fleckners aber gut möglich ist. Bei der Energiewende ist man aber vor allem froh, dass es nach Jahren der Vorbereitung endlich mit konkreten Schritten los geht so Fleckner.