Energiespeicher in der Alpenregion Neue Depots für alternativen Strom

Experten aus den Alpenländern treffen sich in Grafing zu einer Konferenz zum Thema Energiespeicher

Von Wieland Bögel

Gleich in mehreren europäischen Sprachen, Deutsch, Italienisch, Schweizerdeutsch und Slowenisch, begrüßte Ludwig Karg seine Gäste in der Grafinger Stadthalle. Dort begann am Montag eine zweitägige Konferenz zum Thema Energiespeicher. Zu Gast waren Experten aus verschiedenen Alpenländern, die sich im Rahmen des EU-Projekts Alp-Store über Möglichkeiten informierten, wie man die Energiewende in der Region effektiver gestalten kann. Auch in Grafing soll dies untersucht werden, die Firma Rothmoser mit ihrer Biogasanlage ist als Projektpartner für Alp-Store ausgewählt worden.

Für Grafings Bürgermeister Rudolf Heiler (FW) ist dieses Projekt "ein spannendes Thema". Der Stadt sei die Energiewende sehr wichtig, betonte Heiler, "fast alle öffentlichen Gebäude sind an die Nahwärmeversorgung der Biogasanlage angeschlossen, darauf können wir stolz sein". Doch es gebe noch ungelöste Fragen bei den regenerativen Energien, etwa die Versorgungssicherheit. Durch Alp-Store, so hofft der Bürgermeister, könne man Lösungen finden. Auch ein aktuelles Grafinger Problem, die Differenzen mit den Anwohnern über die mögliche Erweiterung der Biogasanlage, könnten sich durch neue Erkenntnisse lösen lassen. "Vielleicht müssen wir nicht Hunderte neue Anlagen bauen, wenn die vorhandenen effektiver werden." Auf jeden Fall lohne es sich hier zu forschen, betonte Heiler, weshalb die Stadt das Projekt auch mit 12 000 Euro unterstützt.

Den gleichen Betrag steuert auch der Landkreis Ebersberg bei. Wie der stellvertretende Landrat, Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) erklärte, passe ein Projekt wie Alp-Store gut zur Selbstverpflichtung des Kreises, bis zum Jahr 2030 von fossilen Energieträgern unabhängig zu sein. Brilmayer verwies auf die zahlreichen Fortschritte, welche es im Landkreis bei der Energiewende bereits gebe, so die Klimaschutzkonzepte des Landkreises und mehrerer Kommunen. Auch die gemeinsame Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windräder oder die geplante Energie-Genossenschaft aller Landkreis-Kommunen zeige, dass "wir heute schon viel weiter sind, als wir es uns noch vor wenigen Jahren erhofft haben". Doch gerade bei der Speicherung der regenerativ erzeugten Energie sei noch viel zu tun, weshalb man sich auch an Alp-Store beteiligt habe: "Wir erhoffen uns Ergebnisse, die für uns sehr nützlich sind."

Darauf setzt auch Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU). "Mit jeder Solarplatte, die auf ein Dach geschraubt wird, und mit jedem Windrad, das aufgestellt wird, steigt das Risiko, dass zu viel Strom im Netz ist." Längst sei dies nämlich ein viel größeres Problem als die Unterversorgung. Eine der wichtigsten Herausforderungen sei es daher, "diesen Strom aufzubewahren". Doch "gerade dieser Punkt erscheint mir am Weitesten von einer Realisierung entfernt", bedauerte Huber. Die einzige heute verfügbare Möglichkeit, große Mengen Energie längerfristig vorzuhalten, seien Pumpspeicher. Doch auch diese hätten ihre Grenzen: "Wir haben in Bayern nicht die Voraussetzungen, so große Anlagen zu bauen, um damit die Regelversorgung aufrecht zu erhalten." Andere Speichermöglichkeiten, wie die Herstellung von Methan und Wasserstoff mittels überschüssigem Strom, neue Batteriesysteme, Druckluft- und Wärmespeicher seien zwar vielversprechender, allerdings sei keines der Verfahren bislang wirklich ausgereift.

Dass sich nun Experten aus verschiedenen Alpenstaaten mit dieser Herausforderung befassten, sei sehr sinnvoll, so der Minister. Der Ausbau erneuerbarer Energien sei gerade für den Alpenraum von essenzieller Bedeutung. Kaum eine andere Region in Mitteleuropa sei so stark von den negativen Folgen des Klimawandels betroffen, erklärte Huber. Bereits heute seien die ersten Auswirkungen zu beobachten, etwa in Form stärkerer Niederschläge oder Murenabgängen in Folge des Auftauens von Permafrostböden. Auch die Artenvielfalt im alpinen Raum sei durch die Erwärmung bedroht. Deshalb "finde ich dieses transalpine Projekt klasse", lobte Huber. Der Freistaat werde Alp-Store "unter die Arme greifen", so der Minister und überreichte einen Scheck in Höhe von 66 000 Euro.

Deutlich mehr Geld könnte es für Kommunen geben, die in den kommenden Jahren in die Energiewende investierten, prophezeite Peter Droege. Der Präsident der Vereinigung Eurosolar, die sich der Förderung erneuerbarer Energien verschrieben hat, rechnete vor, dass durch deren Ausbau alleine in Deutschland bis 2020 rund 13,2 Milliarden Euro an Wertschöpfung entstehe. Dies hätten viele Kommunen erkannt, mehr als die Hälfte aller deutschen Städte und Gemeinden seien bereits dabei eine eigene dezentrale Versorgung ohne fossile Brennstoffe umzusetzen. "In der Region liegt die Zukunft", so Droege, "hier findet die Energiewende statt."