Ende eines Vorzeigeprojekts Mehrgenerationenhaus wird geschlossen

Nach monatelangem Streit im Trägerverein kündigt Vaterstettens Bürgermeister der Einrichtung die finanzielle Unterstützung auf

Von Wieland Bögel

Der Dauerstreit um das Mehrgenerationenhaus (MGH) wird nun zur Schließung der Einrichtung führen. Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU) kündigte an, man werde das MGH "in der jetzigen Form auflösen". Die Gemeinde werde das Projekt finanziell nicht weiter unterstützen und auch auf die Bundeszuschüsse verzichten.

In ungewöhnlich scharfer Form hat sich der Bürgermeister am Dienstag an die Öffentlichkeit gewandt. Nach den andauernden Querelen um die Einrichtung "reicht es dem Bürgermeister", so der Wortlaut einer Presseerklärung aus dem Rathaus. Durch die Zerstrittenheit im Verein würden "wertvolle Bürgerarbeit und damit auch viele engagierte Mitstreiter" in ein schlechtes Licht gerückt. Die Gemeinde sei nicht mehr bereit, unter diesen Umständen so viel Geld zu investieren. Mit einem Trägerwechsel der von der Gemeinde mit jährlich 60 000 und vom Bund mit 30 000 Euro unterstützten Einrichtung sei es nicht getan. Denn derzeit biete das MGH einen desaströsen Eindruck, "in einer solch verfahrenen Situation ist das MGH auch keinem anderen Träger mehr seriös zumutbar."Für die Zukunft sei deshalb ein "klarer Schnitt" nötig, die Bürgerarbeit müsse neu strukturiert werden.

Bereits seit Juli gibt es heftige Vorwürfe einiger Mitglieder gegen den Vorstand. Dieser verstoße gegen die Vereinssatzung und behindere die ehrenamtliche Arbeit im MGH, so die Kritik. Auch von Mobbing gegen die bei der Gemeinde angestellte Leiterin der Einrichtung, Renate Bress, war die Rede. Diese hatte im vergangenen Monat ihre Kündigung eingereicht. Die Gemeinde hatte darauf vor einigen Wochen reagiert und dem Verein nahegelegt, die Trägerschaft für das MGH abzugeben.

Doch der interne Streit ging weiter, die Vorsitzende, Christiane Warnke versuchte das Schweigen der Vorstandsmitglieder per Unterlassungserklärung zu erzwingen. Nachdem sich Beisitzer Gustav Lorenz geweigert hatte, eine rechtsverbindliche Schweigeverpflichtung abzugeben, erklärte Warnke den Vorstand für handlungsunfähig. Wenige Tage später gaben Warnke und fünf weitere Vorstandsmitglieder bekannt, bei der Mitgliederversammlung am 20. September ihre Ämter niederlegen und nicht erneut für den Vorstand kandidieren zu wollen.

Neben dem Chaos im Trägerverein, führt man im Rathaus aber auch andere Gründe für eine Schließung des MGH an. Zum einen seien die Förderrichtlinien für Mehrgenerationenhäuser derartig geändert worden, dass man die Gelder nur dann weiter erhalten würde, wenn das MGH neue Projekte anbiete. Damit würde man aber der Nachbarschaftshilfe und der Volkshochschule Konkurrenz machen, die die geforderten Projekte bereits jetzt in der Gemeinde anbiete. Außerdem weist man im Rathaus auf das "in seiner Bausubstanz und Struktur schwierige Gebäude" hin, in welchem das MGH derzeit untergebracht ist. Bereits in den vergangenen Jahren gab es des öfteren Beschwerden über den schlechten baulichen Zustand des ehemaligen Ladengeschäftes an der Zugspitzstraße. Auch wurde bemängelt, dass das MGH nicht behindertengerecht sei.

Trotz allem möchte man seitens der Gemeinde dem Verein aber eine Chance geben, zumindest einige seiner zentralen Projekte fortzuführen. Wie Niedergesäß erklärte, könne man dazu derzeit ungenutzte Räume im Jugendzentrum zur Verfügung stellen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Verein "möglichst schnell zu innerer und äußerer Ruhe finden" müsse, so der Bürgermeister.