Eingeständnis des Verantwortlichen "Kein optimaler Zeitpunkt"

Eine Nummer, zwei Kästen: Offenbar gibt es in dem Waldstück bei Zorneding zwei Nistplätze mit der Nummer 126.

(Foto: Korbinian Eisenberger)

Forstchef Heinz Utschig erklärt die umstrittenen Baumfällarbeiten in Zorneding für verfrüht - ein Vogelschützer stellt Strafanzeige.

Von Korbinian Eisenberger, Zorneding

Ein Nistkasten fällt bei Fällarbeiten vom Baum und wird wieder aufgehängt. So sieht es auf den ersten Blick aus: Das Foto vom Donnerstag zeigt einen Nistkasten auf dem Waldboden, Gehäuse Nummer 126. Auf dem zweiten Foto hängt einen Tag später ein Nistkasten am Baum - ebenfalls Nummer 126. Man muss jedoch keine Adleraugen haben, um zu sehen, dass es da eine Ungereimtheit gibt: Auf den beiden Fotos sind zwei unterschiedliche Nistkasten zu sehen: einer mit Moos, und einer ohne, ein älteres Modell und ein neueres. Identisch ist lediglich die Nummer. Wurde hier etwa heimlich etwas ausgetauscht?

Es geht um ein Waldstück bei Zorneding und um die Frage, ob der Forstbetrieb hier zu früh zu viele Bäume gefällt hat. Und ob dadurch fahrlässig Vögel getötet und Nistplätze zerstört wurden. Der Zornedinger Vogelschützer Rainer Förderreuther hat seinen Verdacht öffentlich gemacht. Seiner Ansicht nach sind die Förster bei ihrem Eingriff zu weit gegangen. Deswegen hat er seine Drohung wahr gemacht und am Montag Strafanzeige gegen den Forstbetrieb gestellt. Seine Vermutung: Die Förster waren bei den Fällarbeiten unachtsam. Ein weiterer Verdacht Förderreuthers: Möglicherweise versucht der Forstbetrieb nun, eigene Fehler zu vertuschen.

Förderreuthers Kritik richtet sich an Heinz Utschig, seit zehn Jahren Leiter des Forstbetriebs, er hat den Eingriff veranlasst. Utschig erklärt am Dienstag, dass es sich tatsächlich um zwei Nistkästen handle. Der eine ist aber nicht durch den anderen ersetzt worden. "In dem Gebiet gibt es zwei Nummernkreise", so Utschig. "Deswegen gibt es viele Nummern doppelt", so Utschig. Das erklärt dann auch Förderreuther: Sein Foto wurde mitten im Wald aufgenommen, das andere am Wegrand.

Ein Nistkasten fällt bei Fällarbeiten vom Baum und wird wieder aufgehängt. So sieht es auf den ersten Blick aus.

(Foto: Privat)

Utschig: "Man hätte das auch vier Wochen später machen können"

Das Beispiel zeigt, wie kompliziert die Angelegenheit ist, und wie leicht man sich im Dickicht verirren kann. Bei der entscheidenden Frage, ob der Eingriff am Reitöster Geräumt hinter dem Busparkplatz von Wolfesing astrein war oder nicht, zeigt sich Utschig selbstkritisch. "Es war kein optimaler Zeitpunkt für diesen Eingriff", so Utschig. "Man hätte das auch vier Wochen später machen können." Ziel sei jetzt, die Wogen zu glätten und bei künftigen Eingriffen sensibler vorzugehen, so Utschig. Zumal die Zusammenarbeit in zehn Jahren "sehr fruchtbar" gewesen sei. Förderreuther kümmert sich um einen Teil der Nistkästen im Ebersberger Forst. "Wir haben einiges von ihm gelernt", so Utschig.

Förderreuther hatte vergangene Woche moniert, dass man auf das Ende der Brut- und Nistzeit warten hätte müssen. Dass durch den großflächigen Eingriff Vögel zu Schaden kamen, davon ist er weiter überzeugt. Auf Fotos habe er dokumentiert, dass drei Nistkästen zerstört wurden. "Möglicherweise lagen die schon seit Tagen so rum", sagt er. Niemand könne also sagen, was mit den Bewohnern passiert ist.

Seine Strafanzeige liegt nun bei Johann Taschner, er leitet die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt. Taschner hatte das Areal nach einer E-Mail Förderreuthers am Freitag besichtigt. Die Strafanzeige, so Taschner am Dienstag, werde er mangels Hinweisen nicht an die Polizei weiterleiten.

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