Ebersberg SPD fordert mehr Sicherheit für Radler

Nach zahlreichen Einträgen im Online-Gefahrenatlas der SZ wollen die Sozialdemokraten riskante Straßen im Landkreis systematisch erfassen lassen. Landrat Robert Niedergesäß will den Antrag unterstützen

Von Wieland Bögel

Radler und Fußgänger im Landkreis leben gefährlich. Darauf weisen nicht nur Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und der Agendagruppen hin, fast jeder, der gelegentlich zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs ist, kann das - zumindest empirisch - bestätigen. Bekräftigt wird diese Einschätzung durch den Online-Gefahrenatlas der SZ, auf dem Nutzer ihre schlechten Erfahrungen eintragen können. Auch die Kreispolitik hat inzwischen auf diesen Gefahrenatlas reagiert. Die SPD-Fraktion fordert, der Landkreis solle die Gefahrenstellen für Radler und Fußgänger erfassen.

Seit dem 11. Juli ruft die SZ dazu auf, gefährliche Straßen in und um München in den Gefahrenatlas im Internet einzutragen. Alleine im Landkreis Ebersberg meldeten die Nutzer bislang knapp 60 problematische Verkehrswege. Besonders gefährlich fährt und läuft es sich offenbar in Markt Schwaben, hier gingen bislang 13 Warnungen ein. Auch in der Kreisstadt ist das Risiko für Radler und Fußgänger groß, für Ebersberg verzeichnet der Atlas zehn Einträge. Nur einer weniger ist es in der größten Landkreisgemeinde, in Vaterstetten, dicht gefolgt von Zorneding mit sieben und Pliening mit sechs Warnungen.

Die Art der Gefahren ist ebenfalls sehr vielfältig, sie reichen vom Stolperrisiko durch herumliegende Äste im Ebersberger Forst bis zu bei Regen rutschigen oder zu abschüssigen Radwegen. Die meisten Beschwerden indes betreffen das völlige Fehlen von Rad- und Fußwegen beziehungsweise deren unzulängliche Ausführung. In nahezu jeder Gemeinde gibt es damit Probleme. All diese Gefahren möglichst umfassend aufzulisten, ist nun das Anliegen der SPD. Dies soll in enger Absprache mit den Landkreiskommunen erfolgen, erklären Poings Bürgermeister und SPD-Fraktionschef Albert Hingerl und die SPD-Verkehrsexpertin Bianka Poschenrieder, "da das Gesamtverkehrsnetz, die Bundes-, Staats- und Kreisstraßen ebenso wie die gemeindlichen und städtischen Straßen- und Wegenetze in eine sinnvolle Planung einbezogen werden sollen".

Die SPD zitiert in ihrem Antrag auch den Kreisvorsitzenden des ADFC, Norbert Berger. Dieser hatte erklärt, die Mängel und Gefahren widersprächen "dem politischen Ziel des Landrates Robert Niedergesäß, Ebersberg zu einem radlerfreundlichen Landkreis zu machen". Dieses Ziel zu erreichen, wünschen sich auch Hingerl und Poschenrieder. Daher sei es unbedingt nötig, "die Rahmenbedingungen für Radfahrer und natürlich auch für Fußgänger so gut wie möglich zu gestalten". Doch damit dies gelingen könne, sei "mehr zu tun, als nur Ankündigungen zu verbreiten". Stattdessen brauche es "ein schlüssiges Konzept, beginnend mit der Feststellung der Gefahrenstellen, deren Zustandsbewertung und eine Reihenfolge der Abarbeitung mit Zeitschiene". Auch einen Statusbericht des Radwegekonzeptes wünscht sich die SPD.

Radeln macht Spaß. An vielen Stellen im Landkreis gehen Radler aber ein hohes Risiko ein, besonders unsicher scheint es in Markt Schwaben zu sein.

(Foto: Christian Endt)

Den Antrag der SPD werde er unterstützen, schreibt Landrat Niedergesäß in einer Antwort an Hingerl, "weil er die auch von mir vertretene Vision eines fahrradfreundlichen Landkreises Ebersberg positiv begleitet". Den geäußerten Vorwurf, lediglich Ankündigungen zu verbreiten, will der Landrat aber nicht auf sich sitzen lassen. "Das ist weder sachlich noch richtig", so Niedergesäß. "Zudem weißt Du als erfahrener Kommunalpolitiker ja auch, dass ein umfassendes Wahlprogramm in der Regel für eine Wahlperiode von sechs Jahren angelegt ist und sich nicht in 15 Monaten umsetzen lässt", schreibt der Landrat. Er verweist des Weiteren darauf, dass das Radwegekonzept erst Anfang Juli Thema auf der Bürgermeisterdienstbesprechung war, wo die Arbeitsgruppe "Runder Tisch Radwege" einen umfassenden Bericht abgegeben habe. "Du weißt aber auch, dass es sich dabei um ein sehr komplexes Vorhaben handelt, das eine schnelle Umsetzung nur schwerlich erlaubt", so Niedergesäß weiter. "Ein durchdachtes Vorgehen ist dringend notwendig." Inzwischen sei aber ein Prüfauftrag an einen Fachplaner vergeben worden: "Wir warten auf Ergebnisse, die wir dann zügig umsetzen wollen." Im Herbst soll das Thema Radwege und Radwegsicherheit dann in die Gremien des Kreistages eingebracht und im kommenden Jahr intensiv behandelt werden.

Gefährliche Stellen melden kann man unter http://www.sueddeutsche.de/muenchen/machen-sie-mit-der-gefahren-atlas-wo-sind-muenchens-strassen-am-gefaehrlichsten-1.2041670.