Ebersberg Singen, schubsen, schwänzeln

Bühnenbild Fehlanzeige: "Das Papperlapapp der Tiere" kommt ohne Kulisse und Requisiten aus. Dafür gibt es viel Quatsch und Musik.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ebersberger Kindertheatertage finden mit dem "Papperlapapp der Tiere" einen wundervollen Abschluss

Von Anja Blum, Ebersberg

Vermutlich jedes Kind kennt das Lied von der kleinen Wanze, die auf der Mauer auf der Lauer sitzt - so dass man meinen könnte, dieser Gassenhauer tauge nicht gerade für Begeisterungsstürme. Doch weit gefehlt! Das junge Publikum im Ebersberger Alten Kino kommt aus dem Lachen schier nicht mehr heraus, als Uwe Schade und Peter Markhoff das Lied von dem kleinen Krabbeltier durchexerzieren. Die beiden verbinden es nämlich mit einem Duell - um den einzigen Stuhl auf der Bühne. Jeweils einer sitzt singend darauf, während der andere sich anschleicht und versucht, das Sitzmöbel zu ergattern. Sei es durch ein geschicktes Ablenkungsmanöver oder einfach einen kräftigen Schubser von hinten. Am Ende sitzen beide Männer auf dem Hocker, Rücken an Rücken, und drehen sich zum Wanzen-Song wild im Kreis - bis einer auf den Boden plumpst. Die Kindergartenkinder im Parkett haben daran freilich ihre helle Freude.

Diese Szene ist symptomatisch für "Das Papperlapapp der Tiere", eine Inszenierung des Theaters Mär aus Hamburg, mit der die Ebersberger Kindertheatertage am Dienstag einen wundervollen Abschluss gefunden haben. In dem Stück für Kinder ab drei Jahren beschäftigen sich ein Schauspieler und ein Musiker mit den Sprachen, Lauten und Geräuschen der Tiere. Wobei die kleinen Zuschauer hier keine wissenschaftlichen Exkurse erleben, sondern jede Menge Quatsch und Musik. Das Gerüst der Inszenierung nämlich bilden mehr oder weniger bekannte Kinderlieder: Vom "Esel und dem Kuckuck" über "Lauf, Jäger lauf" bis hin zu "Kommt ein Vogel geflogen". Ein schöner Nebeneffekt für erwachsene Zuschauer ist, dass dabei so manche längst vergessene Textzeile wieder aufgefrischt wird - zum Beispiel "Kehre heim mit reicher Habe, bau uns manche volle Wabe", die dritte Strophe von "Summ, summ, summ".

Doch egal, wie viele Verse sie singen: Dank einer ausgefeilten Dynamik bei Tempo und Lautstärke gelingt es Schade und Markhoff stets, die Spannung aufrecht zu erhalten. Für Begleitung sorgen sie selbst mit einem Cello und einer kleinen elektrischen Ukulele, wobei vor allem das Streichinstrument nicht nur klassisch gespielt, sondern auch als Lärm- und Geräuscherzeuger genutzt wird.

Zu und zwischen den Liedern bieten die beiden Darsteller den Kindern was fürs Auge: Vollführen bienengleich einen albernen Schwänzeltanz, rennen wie aufgescheuchte Gänse über die Bühne oder lassen im Fingerspiel die "Imse Bimse Spinne" lebendig werden. Vor allem Schauspieler Schade vermag dabei die Kinder mit versiertem Spiel zu fesseln. Den Klassiker vom Fuchs, der die Gans gestohlen hat, dichten Schade und Markhoff um zum politisch korrekten Vegetarier-Song: Anstatt des Gänsebratens, einer Maus oder Wurst solle sich das Raubtier doch lieber mit Tofu zufrieden geben. So dass ja keine "rote Tinte" fließen muss. . .

Einziges Manko der Inszenierung ist, dass sie keine Interaktion zwischen Darstellern und Publikum beinhaltet. Dabei sind die Kinder mit Feuereifer dabei, rufen rein, wie die Kuh macht, tanzen beim Spinnen-Lied unaufgefordert mit. Der Begeisterung tut das indes keinen Abbruch: Als die Vorstellung vorbei ist, verlangen die kleinen Zuschauer gleich nach einer Wiederholung. Doch die Ebersberger Kindertheatertage sind nun zu Ende. Jugendpfleger Peter Hölzer, dem das Projekt eine Herzensangelegenheit ist, feilt allerdings bereits am Programm für 2016.