Ebersberg Mittlerin für mehr Integration

Jessica Kropp ist als Referentin für Jugendarbeit mit Schwerpunkt Interkulturelles sowie für integrative und inklusive Projekte neu beim KJR.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Jessica Kropp, 28, ist die erste Referentin für integrative Jugendarbeit beim Kreisjugendring

Von Viktoria Spinrad, Ebersberg

Ein Konzept für Vielfältigkeit in der Jugendarbeit erstellen, Vereine untereinander vernetzen, sie beraten, Forschungsergebnisse aufbereiten, den Vorstand unterstützen, Arbeitskreise und Veranstaltungen leiten, eine Bedarfsanalyse durchführen - die "to do"-Liste der neuen Referentin für Jugendarbeit beim Kreisjugendring ist lang, vielfältig und hält doch einiges an Freiraum bereit. "Eine spannende Aufgabe", befindet Jessica Kropp. Die 28-Jährige darf den 20-seitigen Plan des Kreisjugendrings für mehr Inklusion, Interkulturalität und Integration ab sofort mit Leben füllen, seit einem Monat ist sie neues Teammitglied des Kreisverbands. Kropp, mittellange braune Haare mit Pony und lila Lidschatten, nennt sich Referentin "für offene und verbandliche Jugendarbeit mit dem Schwerpunkt interkulturelle, inklusive und integrative Jugendarbeit".

"Endlich wieder Land", sagt sie schmunzelnd, in den nächsten Wochen wird die studierte Sozialpädagogin von München in den Landkreis ziehen. Aufgewachsen ist sie in einer 5000-Einwohner-Gemeinde am Wörthsee. Noch orientiert sie sich im Geflecht der rund 25 Mitgliedsorganisationen, die sich alle unter dem Dach des Kreisjugendrings tummeln. Als verbindendes Glied soll sie die Vereine, die dem Kreisjugendring unterstehen, miteinander vernetzen, gute Ansätze beispielsweise für gelungene Inklusion von Menschen mit Behinderungen mit anderen Jugendgruppen teilen, Schulungen und Bedarfsanalysen durchführen.

Jetzt schon froh über die neue Unterstützung zeigt sich die Geschäftsführerin: "Wir waren am Limit", sagt Blandine Ehrl, lange habe man für Kropps Stelle kämpfen müssen. In den letzten Jahren wurden die jungen Leute und ihre Gruppen im Landkreis immer vielzähliger, entsprechend vielfältig ist das zweigeteilte Aufgabengebiet Kropps. Auf der einen Seite erwartet sie die "reguläre" offene und verbandliche Jugendarbeit: Die Jugendgruppen hinsichtlich Veranstaltungen beraten, bei Vereinsgründungen helfen, Studientage mitgestalten. Auf der anderen Seite soll sie sich explizit darum bemühen, dass auch junge Menschen mit Migrationshintergrund und solche mit Behinderung ganz selbstverständlich in den einzelnen Jugendgruppen vertreten sind. Was ein wünschenswertes Ziel der neuen Stelle wäre? "Dass der Migrationsanteil in den Vereinen sich dem im Landkreis annähert", sagt die Geschäftsführerin. Dann wird Kropp kurz ruhig, denkt nach. "Das Ziel wäre eigentlich, dass meine Stelle überflüssig wird", sagt sie und lacht.

Ein Ziel, für das es laut Stellenbeschreibung an Kommunikationsgeschick, Einfühlungsvermögen und Erfahrung im Netzwerken bedarf. Die Geschäftsführerin überzeugt hätten vor allem die vielen praktiktischen Erfahrungen, die Kropp bisher gesammelt hat. Lebendig gestikulierend berichtet die von ihrer Schulzeit, in der sie mit einer Nachbarin eine Einradgruppe im Ort hochzog. Vor zwei Jahren begann sie, sich für eine Stiftung zu engagieren, die Geld für Krankenhäuser und Schulen in Nepal sammelt, machte diverse Praktika in der Kinder- und Jugendhilfe, ging als Au-pair nach Neuseeland. Nach ihrem Bachelor arbeitete sie dann in der koordinierenden Rolle der Fallbetreuung beim Münchner Stadtjugendamt, zuletzt war sie ganz praktisch in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wolfratshausen tätig.

Als besonders prägend und beeindruckend schildert sie die Zeit, in der sie als Studentin eine Klientin mit psychischen Schwierigkeiten nach der Reha betreute. Ob das in jungen Jahren nicht auch schwierig gewesen sei? "Es schadet nicht, hin und wieder ins kalte Wasser geworfen zu werden", entgegnet Kropp - eine pragmatische Einstellung, die ihr bei ihrer neuen Aufgabe zugutekommen dürfte. Ihre Fähigkeit zum lösungsorientierten Dialog lobt auch ihre neue Chefin: "Jessica findet Zugang zu verschiedenen Menschen, kann gut vermitteln", sagt Ehrl.

Zwischen verschiedenen Akteuren zu vermitteln ist eine Rolle, in der sie sich seit ihrer Kindheit zuhause fühlt: "Ich bin schon immer die Mittlerin gewesen", bestätigt sie. Was vermitteln für sie bedeutet, umreißt sie so: "Ich rücke die Jugendlichen in den Mittelpunkt, möchte ihnen Raum geben, für sich zu sprechen." Sie habe für sich die Erfahrung gemacht, dass sich die Dinge am besten lösen lassen, indem man alle Seiten zu Wort kommen lässt - eine Philosophie, die den Organisationen und Jugendlichen im Landkreis ziemlich gut taugen dürfte.