Ebersberg Integration im Wasser

In den Hallenbädern im Landkreis sind Flüchtlinge willkommen

Von Anja Blum, Ebersberg

Verständigung mit Füßen und Händen: Jürgen Puls gibt im Kirchseeoner Hallenbad Schwimmkurse für Asylbewerber.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Für Flüchtlinge ist in Deutschland so einiges neu, zum Beispiel auch der Besuch eines Hallenbads. Viele betreten ein solches hier zum ersten Mal in ihrem Leben. Daher wissen sie unter Umständen nicht, wie man sich in einem öffentlichen Bad zu verhalten hat: Dass vor dem Schwimmen geduscht werden muss, dass es für Nichtschwimmer einen speziellen, abgetrennten Bereich im Becken gibt, dass man nicht in Alltagskleidung ins Wasser geht oder dass Frauen - egal ob im Badeanzug oder im knappen Bikini - auf jeden Fall zu respektieren und nicht zu belästigen sind. Darüber hinaus können viele Asylbewerber nicht schwimmen. Das alles hat in einigen deutschen Bädern zu Problemen geführt - mit unterschiedlichen Resultaten: Die Stadt Bornheim erließ ein generelles Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge, München hingegen setzt seit langem auf Aufklärung, mit mehrsprachigen Comics auf Flyern und Plakaten werden Flüchtlingen die Verhaltensregeln im Badebetrieb nahe gebracht.

In den Hallenbädern des Landkreis ist bislang weder das eine noch das andere notwendig: Keiner der Betreiber berichtet von Problemen oder Beschwerden. "Das ist ein sehr entspanntes Miteinander, ein wunderbarer Baustein zur Integration", sagt Jürgen Puls, der für die Bäder in Kirchseeon und Glonn zuständig ist. "Zu uns darf jeder kommen". Am liebsten würde er allen Menschen das Schwimmen beibringen - unter seinen Schülern waren schon Kinder mit Downsyndrom, Schwerbehinderte und Gehörlose. Gerade organisiert Puls wieder einen Schwimmkurs für Flüchtlinge, denn auch diese sollen lernen, sich über Wasser zu halten. Und aus diesem persönlichen Kontakt entwickle sich dann eine positive Gesamtstimmung, in der es keine Plakate brauche: "Wenn es etwas zu regeln gibt, dann tun wir das auf dem kurzen Dienstweg", sagt Puls. Im Glonner Hallenbad zum Beispiel trügen die arabischen Mädchen ein bisschen mehr Stoff am Körper als hierzulande üblich - was anfangs zu Verwunderung geführt habe. "Aber das konnten wir schnell klären, wichtig ist ja nur, dass die Sachen sauber sind", berichtet Puls. Ansonsten herrsche die gleiche Dynamik wie bei allen anderen Gästen: "Freilich muss man auch die jugendlichen Flüchtlinge mal einbremsen, wenn daneben die Senioren ihre ruhigen Runden ziehen."

Auch im Markt Schwabener Hallenbad gab es bislang keine Probleme mit Flüchtlingen - obwohl oder vielleicht gerade weil diese in größeren Gruppen dorthin kommen. "Beim ersten Mal muss man die Regeln halt erklären", sagt Schwimmmeister Peter Hofmann, aber das funktioniere gut. "Da ist dann immer einer dabei, der Englisch spricht und für die anderen übersetzen kann." Und für die Einhaltung der Regeln sorge ja stets die Aufsicht. Einen Schwimmkurs speziell für Asylbewerber hingegen gab es in Markt Schwaben bislang nicht: Die meisten könnten sich durchaus über Wasser halten, sagt Hofmann, wohl deswegen habe es bislang keine Anfragen gegeben.

"Es macht auch einfach einen großen Unterschied, ob es sich um ein großes Bad handelt, das sieben Tage die Woche rund um die Uhr geöffnet hat, oder um ein kleines wie unseres", sagt Henrik Ipsen, Geschäftsführer im Ebersberger Rathaus. Das Hallenbad in der Kreisstadt sei schließlich - wie die anderen im Landkreis auch - stark von Schulen und Vereinen genutzt, so dass es nur wenig öffentliche Badezeiten gebe. Und diese würden auch nur von wenigen Asylbewerbern genutzt, so dass ein extra Aushang nicht nötig sei. "Bei mir sind jedenfalls keine Beschwerden angekommen", so Ipsen. Das gleiche ist aus dem Aßlinger Rathaus zu hören. "Die Aufsicht übernimmt bei uns eine Schwimmschule, aber wenn es Probleme gäbe, wüssten wir das", sagt Wilfried Graupe aus dem Hauptamt. Zudem seien solche in Aßling recht unwahrscheinlich: "Hier leben nur zwei geflüchtete Familien - und die sind gut integriert."