Ebersberg Reitställe gesperrt

Eine akute Ansteckungsgefahr mit der Pferdeseuche besteht im Landkreis nach Auffassung von Tiermedizinern aber nicht. Die Stallsperrungen sind lediglich gesetzlich vorgeschriebene Vorsichtsmaßnahmen.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Die Landkreise Ebersberg und München sind zu potenziell ansteckenden Gebieten erklärt worden, nachdem in Bad Feilnbach eine Pferdeseuche nachgewiesen wurde. Akut ist die Gefahr nach Ansicht von Tierärzten aber nicht

Von Karin Kampwerth, Ebersberg

Im Landkreis Ebersberg sind am vergangenen Freitag drei Reitställe und im Landkreis München ein Stall von den zuständigen Veterinärämtern gesperrt worden. Weitere Höfe wurden von deren Betreibern freiwillig geschlossen. Pferde dürfen diese Anlagen weder verlassen, noch dürfen Tiere, die auf Turnieren waren, zurück in ihre Boxen. Nach derzeitigen Informationen handelt es sich allerdings um eine reine Vorsichtsmaßnahme, nachdem in Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim drei Pferde eingeschläfert werden mussten, bei denen die Infektiöse Equine Anämie nachgewiesen worden war. Die hoch ansteckende und häufig tödlich endende Pferdeseuche, die Fieber, Appetitlosigkeit und Wasseransammlungen hervorruft, ist nur für Einhufer, darunter auch Esel, Maulesel und Maultiere, gefährlich. Menschen und alle anderen Tiere, beispielsweise Hunde, Katzen oder Hühner, können sich nicht anstecken.

Der gemeinsame Nenner ist ein Turnier vor neun Monaten

Der Reiterhof Gut Kastensee bei Glonn ist von der amtlichen Sperrung betroffen, wobei der Betreiber, Pferdewirt Christian Mainzl, betont, dass der Erreger auf seinem Hof nicht nachgewiesen wurde. Vielmehr sei die Sperrung eine bürokratisch vorgesehene Maßnahme, da eines der in Kastensee untergestellten Tiere vor neun Monaten mit einem in Bad Feilnbach erkrankten Pferd auf einem Turnier gewesen ist.

Die ersten Blutbeprobungen im Stall seien bereits negativ ausgefallen. Der Stall muss aufgrund der Inkubationszeit aber so lange geschlossen bleiben, bis auch eine zweite negative Probe vorliegt. Wobei Pferdewirt Mainzl die Vorsichtsmaßnahme in diesem Fall für übertrieben hält. Veterinärmedizinisch sei die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit auf drei Monate begrenzt, "und die sind ja längst vorbei." Das habe Mainzl zufolge auch die Amtstierärztin so gesehen, allerdings müsse sie das Gesetz befolgen.

Ebenfalls von der Sperrung betroffen sind die Reiterhöfe Steinsee und in der Baumgartenmühle bei Grafing - aus dem gleichen Grund: Pferde, die hier eingestellt sind, waren auf dem Turnier mit einem der nun erkrankten und eingeschläferten Pferde aus Bad Feilnbach. Auch die Grafinger Reitstallinhaberin ist überzeugt, dass sich der Erreger auf ihrem Hof nicht nachweisen lassen wird. Eine Quarantäne von drei Monaten, wie sie das Gesetz vorsieht, würde sie sehr bedauern, "da jetzt die Turniersaison losgeht." Nach Informationen von Christian Mainzl von Gut Kastensee soll allerdings noch in dieser Woche über eine Lockerung der Bestimmungen auf ministerieller Ebene entschieden werden.

Reiter im Landkreis sind dennoch nervös. Auch, weil weitgehend alle Reiterhöfe Warnungen an ihren schwarzen Brettern ausgehängt haben. Demnach sollen lange Ausritte und der Besuch von Turnieren in diesen Tagen vermieden werden. Die Nachricht von den gesperrten Höfen machte am Wochenende schnell die Runde - und damit eine ganze Reihe von Gerüchten.

Um diesen vorzubeugen, hat Petra Vodermair vom Max-Hof in Baldham ihre Einsteller schriftlich und auch auf ihrer Facebook-Seite informiert. "Lediglich aus Gründen der äußersten Vorsicht haben wir unseren Stall vorübergehend gesperrt", schreibt sie. Es gebe selbstverständlich keinen Fall der Infektiösen Equinen Anämie. Das Max-Hof-Team folge mit der Maßnahme, die zunächst bis zum 9. August gelten soll, einer Empfehlung von zwei Tierkliniken, "der wir im Interesse aller Pferde folgen werden."

Das Problem ist kein medizinisches, sondern ein juristisches

Dr. Karl Schweighofer, Veterinärmediziner an der Pferdeklinik in Parsdorf, hält die Maßnahme für sinnvoll, auch wenn er unterstreicht, dass es keine akute Ansteckungsgefahr gebe. Wer allerdings an Turnieren teilnehme oder weite Ausritte unternehme, riskiere, in das so genannte Kontrollzentrum zu geraten. Darin werden Hofsperrungen ausgesprochen, wenn Pferde in Kontakt mit Tieren gekommen sind, die wiederum mit den infizierten Pferden aus Bad Feilnbach in Verbindung gebracht werden können. Noch gebe es von amtlicher Seite keine Auskunft darüber, in welchem Kreis dieses Kontrollzentrum gezogen wird. "Wir hoffen, dass wir nächste Woche eine klare Aussage erhalten."

Schweighofer zufolge ist die Sorge unter den Reitern im Landkreis groß. In den vergangenen Tagen habe es zahlreiche Anfragen zu der Pferdseuche und deren Übertragung gegeben. Dabei äußerten Reiter auch die Befürchtung, dass die Krankheit durch Bremsen übertragen werden könne. Nach Aussage des Veterinärs wird das zwar angenommen, ist allerdings nicht ausreichend untersucht.