Jazzfestival in Ebersberg Feuriger Puls

Biboul Darouiche und seine Band Soleil Bantu verschmelzen Musikstile und Klangtraditionen.

Von Anna Weininger, Ebersberg

Wenn Biboul Darouiche mit seiner Band Soleil Bantu auf der Bühne steht und zum rasanten Trommel-Rhythmus in seiner kamerunischen Muttersprache das Leben besingt, dann hat man für kurze Zeit das Gefühl, dass die Welt sowas von in Ordnung ist. Kein Hauch von kulturellen Differenzen, keine Ecken und Kanten in der Verschmelzung von verschiedenen Musik-Stilen und Traditionen. Verorten würde man die Musik von Biboul Darouiche und seinem Ensemble im ersten Moment im Afrobeat. Doch das wäre zu kurz gegriffen. Natürlich geben die Congas in gewohnter Weise den Afro-Rhythmus vor. Soleil Bantu spannen aber den Bogen über einen Jazzbass-Groove bis hin zum rasanten Funky-Beat, in dem sich Piano, E-Bass und Percussion-Instrumente auch gerne mal in die völlige Extase treiben. Auf diesen feurigen Puls dürfen sich im Oktober die Besucher des Internationalen Jazzfestivals in Ebersberg "EBE-Jazz 15" freuen.

Biboul Darouiche hat schon viel gesehen von der Welt. Im Stamm der Bantu in Kamerun ist er geboren, sein Leben verbrachte er in Syrien, Dänemark, Paris und Deutschland. Das prägte den Percussionisten und Komponisten. Es machte ihn zu einem, der durch Musik die Welt vereint. Seine eigene Welt. Das Musikprojekt "Soleil Bantu", mit dem er im Oktober das Jazzfestival im Landkreis besucht, ist ein Spiegel seiner Lebensgeschichte. Gemeinsam mit Jazzmusikern wie Michael Hornek, Christian Lettner, Ferdinand Kirner, Igor Kljujic, Miko Watanabe und Martin Scales holt er tiefe afrikanische Traditionen hervor und paart sie mit westlichen Musikgenres der Jazz- und Popkultur.

Mit Congas und Gesang beschwört Biboul Darouiche die Musik und Sprache seiner Heimat Kamerun. Doch zu Hause ist er in vielen Kulturen.

(Foto: privat)

"Als ich ein ganz kleiner Junge war, haben mir die Trommler in meinem Dorf in Süd-Kamerun richtig Angst eingejagt", erinnert sich Biboul mit einem herzlichen Lachen. "Wenige Jahre später hat mich das Ding dann besessen." Doch statt der traditionellen Volksmusik des Bantu-Stamms treu zu bleiben, zog er damals eher Jimi Hendrix und die Beatles vor. Schwärmte in Jugendjahren aus in andere Länder, probierte sich musikalisch aus und landete später in der europäischen Jazz-Szene. Neben erfolgreichen Jazzmusikern wie Klaus Doldinger (Passport) etablierte er sich als gefragter Percussionist, nahm außerdem zahlreiche Alben auf - unter anderem mit der Weilheimer Independent-Band The Notwist. Erst im Laufe der Zeit hat er wieder zurückgefunden zu seinen Wurzeln - zur ursprünglichen afrikanischen Volksmusik. Allmählich begann er, mit den alten Rhythmen zu experimentieren. Soleil Bantu ist das Ergebnis dieses Experiments, und es geht auf. Mit ihrem aktuellen Album "Message from the Trees" packen die Musiker die Herkunft ihres Percussionisten liebevoll an den Wurzeln. Jedes Bandmitglied bringt dazu seinen eigenen Charme und Stil mit, kombiniert ihn auf außergewöhnliche Art. Der Österreicher Michael Hornek sorgt für Funk-Improvisationen am Keyboard, heizt an der Holzschlitztrommel ein oder singt auch mal auf Ewondo, einer Stammessprache der Bantu. Dazu lässige Jazz-Gitarrensolos von Martin Scales. Und so entsteht eine Synthese aus Afropop und Ethno-Jazz, die absolut authentisch und ehrlich klingt.

"In Kamerun ist die traditionelle Musik nicht so sehr angesehen", bedauert Biboul, "viele empfinden sie als Kultur zweiter Klasse". Gerade bei jungen Leuten hat sie einen eher geringen Stellenwert. Völlig zu unrecht, findet er, denn vor allem die große Bandbreite an Rhythmen und die melodiöse weiche Sprache laden dazu ein, die Musik aus dem Traditionellen herauszulösen und neu zu entdecken.

Biboul Darouiche sprüht vor Energie, wenn er über zukünftige Projekte spricht. Leidenschaftlich sucht er immer wieder nach neuen Formen, neuen Kombinationen. Mit Soleil Bantu produziert er gerade eine neue Platte, auf der jedes Lied einen anderen Rhythmus hat. Und als Mensch, der in vielen Kulturen lebt, ist er mit der Ideenschmiede noch längst nicht fertig. "Vielleicht bringe ich mal afrikanische Musik mit bayerischer Volksmusik zusammen, oder mit arabischen Klängen", verrät Biboul. In jedem Fall aber wird er immer wieder auf der Suche sein nach musikalischen Möglichkeiten, die die Welt verbinden. Am liebsten würde er junge Leute aus Kamerun motivieren, Stolz auf ihre eigene Tradition zu entwickeln und sie weiterzutragen. Irgendwann wird er dafür seine Musik zurückbringen in sein Geburtsland. Angereichert mit jeder Menge internationaler Inspirationen.

Auf den feurigen Puls von Biboul Darouiche dürfen sich im Oktober die Besucher des Internationalen Jazzfestivals in Ebersberg "EBE-Jazz 15" freuen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Biboul Darouiches gastiert mit seiner Band "Soleil Bantu" (Afrobeat und Tribal Jazz) am Freitag, 16. Oktober, um 22 Uhr im Alten Kino in Ebersberg. Tickets und Infos gibt es im Internet unter ebe-jazz15.de sowie Telefon (08092) 255 92 05 (ab Montag, 7. September).