Ebersberg Endstation für den Nachtexpress

Nach 20 Jahren ist Schluss: Der 1995 gestartete Nachtexpress fährt Ende dieses Jahres wohl endgültig ins Depot.

(Foto: Endt)

Weil immer weniger Jugendliche das Angebot wahrnehmen, soll die 1995 gegründete Buslinie zum Jahresende ersatzlos eingestellt werden.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Für beinahe eine ganze Generation von jungen Landkreisbürgern war er die Garantie auf eine sichere Heimfahrt zu später Stunde. Doch nun, nach 20 Jahren, ist Schluss. Der 1995 gestartete Nachtexpress fährt Ende dieses Jahres wohl endgültig ins Depot. Immer weniger Jugendliche nutzen das Angebot des derzeit noch freitags und samstags auf drei Linien verkehrenden Nachtbusses. Besonders dramatisch nach unten haben sich die Fahrgastzahlen in den vergangenen beiden Jahren entwickelt, der Landkreis musste in der Folge für ein immer höheres Defizit einspringen. Nun zieht der Trägerverein die Notbremse. In der Septembersitzung des Umweltausschusses des Kreistages werden die Vorstände des Vereins Nachtexpress empfehlen, das Angebot ersatzlos einzustellen.

"Es ist uns wirklich nicht leicht gefallen", sagt Christa Stewens über das wahrscheinliche Ende des Nachtexpress. Die Ebersberger CSU-Kreisrätin und frühere stellvertretende Ministerpräsidentin war von Beginn an beim Verein Nachtexpress dabei. "Es gab immer Höhen und Tiefen", fasst Stewens die zwei Jahrzehnte zusammen, aber so dramatisch wie seit zwei Jahren habe sich die Situation noch nie dargestellt. Mehr als 15 Jahre lang habe man sich trotz einiger Schwankungen immer "über stetig steigende Fahrgastzahlen freuen" können.

Noch vor fünf Jahren wurde das Angebot daher ausgeweitet, der bisher nur in den Nächten von Samstag auf Sonntag verkehrende Nachtexpress war seit 2010 auch an den Freitagabenden unterwegs. In diesen beiden Nächten verkehren drei Busse auf jeweils drei Linien. Zwei fahren im Bereich der S-Bahnstationen Ebersberg und Grafing, eine dritte im Landkreisnorden zu den Bahnhöfen Markt Schwaben und Poing. Mindestens drei Mal pro Nacht wird jede der Haltestellen angefahren. Die Fahrt selbst ist mit zwei Euro pro Nacht durchaus erschwinglich.

Doch trotz des konkurrenzlos günstigen Fahrpreises werden es seit drei bis vier Jahren immer weniger Passagiere, die vom Nachtexpress nach Hause gefahren werden wollen. Daher wurde bereits vor zwei Jahren der Fahrplan zusammen mit dem MVV angepasst, die Busse sollten noch besser an S-Bahnen und Regionalzüge angebunden und so attraktiver werden. Doch dies, so schreiben die Vorstände des Vereins nun an Landrat Robert Niedergesäß und an die Kreisräte, habe leider nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Wurden im Jahr 2013 immerhin noch 4624 Fahrkarten für den Nachtexpress verkauft, waren es im vergangenen Jahr gerade einmal 2811 Tickets. Dieser Trend habe sich auch in diesem Jahr fortgesetzt, sagt Stewens, "die Zahlen sind weiter gesunken". Ebenfalls gesunken sind auch die Spenden- und Sponsorengelder, schreiben die Vorstände weiter, "auch durch eine verstärkte Werbung konnte der Abwärtstrend nicht gestoppt werden".

Den Grund dafür sehen Stewens und ihre Vorstandskollegen im "veränderten Ausgehverhalten der Jugendlichen im Landkreis und die bessere Koordination der Jugendlichen untereinander". Statt wie früher auf den Bus zu warten, "rufen sich die jungen Leute mit Handy und Smartphone zusammen und organisieren sich gemeinsam ein Sammeltaxi oder rufen jemanden an, der noch nichts getrunken hat", sagt Stewens. "Der Nachtexpress wird einfach nicht mehr nachgefragt."

Diese mangelnde Nachfrage und ihre finanziellen Folgen waren bereits vor einem Jahr Thema im zuständigen Umweltausschuss des Kreistages. Etwa 127 000 Euro kostet der Betrieb des Nachtexpress pro Jahr, laut Plan sollte der Landkreis 105 000 Euro davon übernehmen. Doch aufgrund der schlechten Fahrgastzahlen und der ausbleibenden Sponsoren- und Spendengelder klaffte ein großes Loch in der Kalkulation. Höchstens 6000 Euro, so der Verein damals, würde man selbst erwirtschaften können. Daher wurde eine Aufstockung des Defizitausgleichs um 15 000 Euro beschlossen, um dem Nachtexpress noch eine Chance zu geben.

Doch in seiner gegenwärtigen Form sei es "unverantwortlich, den Nachtexpress weiter fahren zu lassen", schreiben die Vorstände nun an Landrat und Kreisräte. Auch über eine Umorganisation des Angebotes habe man Gedanken gemacht, sagt Stewens, und sich dazu über Angebote in anderen Landkreisen informiert, etwa kreiseigene Sammelbusse oder Taxi-Gutscheine für Jugendliche. Doch keines dieser Modelle sei auf den Landkreis Ebersberg zu übertragen.

Als letzte Möglichkeit bliebe noch, den Nachtexpress in die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu integrieren und als normalen Nachtbus zu betreiben. Ob es dazu kommt oder ob der Nachtbus tatsächlich nach zwei Jahrzehnten komplett eingestellt wird, muss der Umweltausschuss des Kreistages in seiner Sitzung am 30. September entscheiden.