Ebersberg Auf den Spuren des Orakels

Ein kleines Osternest wartet auf diejenigen, die das SZ-Rätsel lösen.

(Foto: Jessica Morof)

Geocaching ist ein spannendes Hobby für Entdecker und Naturfreunde, in und um Ebersberg soll es beinahe 600 geeignete Verstecke geben. Mit Hilfe von Internet und GPS kann man das ganze Jahr über Ostereier und andere Schätze finden

Von Jessica Morof, Ebersberg

Nur eine halbe Stunde hat es gedauert - und es herrscht Chaos auf dem kleinen Display. Der Touch-Bildschirm des GPS-Geräts zeigt in wirren blauen Linien den bisherigen Weg und mitten drin ist der kleine blaue Punkt mit den Zielkoordinaten zu sehen. Immer wieder treffen die Zick-Zack-Linien an dieser Stelle aufeinander, um wieder auseinanderzulaufen. Das Ziel muss also in der Nähe sein - nur wo? Und wie schaut es überhaupt aus? Ein Nest mit Schokoladeneiern ist es jedenfalls nicht. Denn bei dieser verzweifelten Aktion handelt es sich nicht um eine Ostersuche, sondern um eine Hightech-Version einer solchen.

Unter dem Titel "Geocaching" verstecken und suchen Millionen Menschen weltweit Gegenstände. Das können kleine Dosen oder auch größere Objekte sein, die Dinge zum Tauschen, Rätselaufgaben oder einfach nur Logbücher enthalten, in die sich die Schatzsucher eintragen. In Internetforen geben sie dann in Form von GPS-Koordinaten Hinweise auf den Zielort und gegebenenfalls codierten Zusatzinfos. Zu gewinnen gibt es nichts - außer Ruhm, Ehre und Anerkennung in der Community, die auch im Ebersberger Raum stark vertreten ist.

Wo ist der Cache nur - unter dem Laub, auf den Bäumen?

So mancher kann allerdings von solchen Gefühlen nur träumen. Denn zumindest der Cache namens "Das Orakel von Haselbach" - das Ziel dieser Suche - ist nicht aufzufinden. Klein soll der Gegenstand sein; doch was heißt das genau? Und wo kann er sein; unter dem Laub, auf den Bäumen, in welchem Umkreis der Koordinaten?

Oster-Cache: Die SZ lädt zur Suche ein

Jetzt ist Suchen angesagt. Passend zum Osterfest hat die Redaktion der Süddeutschen Zeitung Ebersberg einen Hightech-Osterhasen angeheuert, der für angehende Geocacher und Leser den SZ-Oster-Cache versteckt. Es handelt sich um ein einfaches Ziel in zwei Etappen und sollte in relativ kurzer Zeit zu finden sein.

Und so funktioniert es:

Die ersten Koordinaten des Multi-Geocaches finden Sie in der folgenden Beschreibung sowie im Internet und auf der Facebook-Seite der SZ Ebersberg. Wer dieses Ziel erreicht hat, findet dort einen Hinweis auf die Koordinaten des eigentlichen Caches.

Das Mitmachen lohnt sich für alle, aber vor allem auch für Kinder. Denn am Ziel warten nicht nur ein Logbuch, in das sich erfolgreiche Cacher eintragen können und sollen, sondern auch kleine Osternester. Wer den Oster-Cache findet, darf sich eines herausnehmen; ganz nach dem Motto: Wer zuerst kommt, nascht zuerst. Bei den erwachsenen Schatzsuchern freut sich die Redaktion auf einen Hinweis auf der Facebook-Seite, eine Mail an die Adresse lkr-ebersberg@sueddeutsche.de oder einen kurzen Leserbrief an SZ Ebersberg, Ulrichstraße 1, 85560 Ebersberg.

Die Cache-Beschreibung:

Cache-Typ: Multi-Geocache

Größe: klein

Schwierigkeit: 2

Gelände: 2

Koordinaten: N 48° 04.612'; E 11° 58.315'

Frohe Ostern und viel Erfolg bei der Suche wünscht die SZ-Redaktion. moje

"Mein Tipp ist, nach Anomalien zu suchen", sagt Peter, der den Cache zusammen mit Yvonne unter dem Nickname "YvoPet" gesetzt hat. Die beiden sind schon seit 2010 begeisterte und erfolgreiche Geocacher. Genau 1307 mal haben sie schon geloggt, also das Ziel gefunden, und sich in das Logbuch eingetragen. Zudem haben der Informatiker und die Vermessungsingenieurin im Ebersberger Raum bereits mehrere, teils aufwendige Geocaches versteckt und unter www.geocaching.com veröffentlicht. Regelmäßig treffen sie sich auch auf Stammtischen mit anderen Cachern; etwa 40 Personen gehören zum harten Kern, "aber es gibt natürlich noch viel mehr in der Region", sagt Peter.

Nur für Nerds, so lautet das Vorurteil

Es muss also etwas dran sein an diesem Hobby, das viele als kindisch oder nur für Nerds geeignet abtun. Und tatsächlich: Schon bei der Online-Suche nach einem Cache regt sich auch bei erwachsenen Nicht-Nerds der Entdeckergeist. "Eigentlich kann Geocaching alle Personen ansprechen, weil für jeden Geschmack etwas dabei ist", sagt Peter. Einfache Spaziergänge, lange Wanderungen, Kletterrouten oder aufwendige und technische Schatzsuchen. Die Aufregung, ob man den Cache finden kann, und Neugierde, was er wohl enthält, sind wohl immer mit dabei.

Das ist vermutlich der Grund, warum sich die Szene um das Geocaching in einer relativ kurzen Zeit so stark entwickelt hat. Denn entstanden ist das Hobby erst zur Jahrtausendwende, als sich die Genauigkeit der Positionsangabe des GPS erheblich verbessert hat. Ein Amerikaner namens Dave Ulmer wollte diese testen und hat einen Eimer mit kleinen Schätzen vergraben und die "Große Amerikanische Lagerjagd" gestartet. Die Idee fand viel Zuspruch, und immer mehr Menschen versteckten und suchten mithilfe von GPS-Koordinaten. Und mit der Zahl der Fans dieses neuen Hobbys stieg auch die Zahl der Internetforen. Die Fangemeinde wuchs - und wächst noch heute.

Auch in Ebersberg gibt es jetzt einen weiteren Cacher, der sich bei abendlichem Frühlingssonnenschein auf den Weg zum ersten Ziel macht. "YvoPets" Orakel von Haselbach soll ein kleiner Cache sein; Schwierigkeit: eineinhalb von fünf Sternen - also sicher kein Problem. Und mysteriös kommt er daher, mit einem Bild und einem codierten Hinweis. Nach der Eingabe der Koordinaten zeigt das Display des GPS-Geräts die Luftlinie zum Ziel mit einem roten Strich und einem Pfeil an. So schwer kann das also nicht sein.

Schnell liegen die Häuser der Stadt hinter einem und es geht auf grüne Wiesen, wehendes Schilf, einen Bach und ein Waldstück zu. Eines ist schon einmal klar: Als Geocacher verbringt man viel Zeit in der Natur. "Darum geht es ja auch", betont Peter: draußen unterwegs sein und dabei etwas erleben. "Wir wollen anderen vor allem Orte und schöne Wege zeigen."

Das machen auch die Karten der Internetplattformen deutlich. Allein auf der Seite www.geocaching.com gibt die Suche 588 Ergebnisse in und um Ebersberg aus. Erstaunlich, wie viele Verstecke sich in den Gemeinden befinden, an denen die meisten täglich vorbeigehen, ohne Bescheid zu wissen. Doch der größte Teil der Einträge befindet sich an den Ortsrändern, in Waldstücken, an Seen und im Ebersberger Forst. Bezeichnungen wie "Geschichtenschreiber", "Frankenplastik im EBE-Forst" oder "Mojo Momo Home" machen doch neugierig.

Plötzlich piepst es, doch das Objekt bleibt verschwunden

Versteckt sind ganz verschiedene Typen: "Traditionals" werden einfache Verstecke mit Tauschgegenständen und Logbuch genannt, "Multi-Caches" ziehen sich über mehrere Stationen hin, bei "Mysterys" oder "Puzzles" müssen Rätsel gelöst werden. Sogar Nacht-Caches und große Events sind in den Foren zu finden.

Als Einsteiger sucht man sich am besten einen Traditional, wie das Orakel von Haselbach heraus. Der Zielpunkt befindet sich laut GPS-Karte in einem kleinen Waldstück, das auch schon aus der Ferne zu erkennen ist. Immer länger wird die blaue Linie auf dem Display; immer kürzer die rote Ziellinie. Bis es plötzlich piepst und das Erreichen der Zielkoordinaten angezeigt wird. Rundherum Bäume, viel Laub, in der Nähe eine Bank und ein paar kaputte Baumstümpfe. Los geht die Suche. Unter Bäumen, unter der Bank auf moosbedeckten Stämmen. Nichts. Wie bei der Osternest-Suche irrt man planlos umher.

Ein Stück nach rechts, ein Stück nach links. Nichts. Noch einmal von vorne: raus aus dem Wald, rein in den Wald, über den Baumstumpf, durchs Gebüsch. Nichts. Die Minuten verstreichen, aber nirgends ein Cache. Zur Unterstützung gibt es einen codierten Hinweis in der Beschreibung - der weiter Verwirrung stiftet. Wie könnte dieses Objekt nur aussehen? Ist es vielleicht sogar unter dem Laub verbuddelt oder gar nicht mehr da?

Langsam senkt sich die Sonne immer tiefer, der Wind macht die Suche ungemütlich. Kurz bevor es dunkel wird, zwingen kalte Ohren und eine triefende Nase dann doch zum Umkehren. Allerdings ohne geloggt zu haben. "Das passiert einem auch nach tausenden Suchen noch manchmal", tröstet Peter später am Telefon. Egal - trotzallem bleibt die gute Stimmung erhalten. Und, immerhin, ein Fund ist am Ende doch noch drin - wenn auch nicht das Orakel. Denn als hätte ein voreiliger Osterhase gewusst, dass in dem Waldstück gesucht wird, waren dort kleine Schokoladen-Schätze verborgen.

Darüber hinaus hat die Aktion noch etwas anderes eingebracht: Einblicke in eine bisher unbekannte Freizeitgestaltung und einen schönen Blick auf das Ebersberger Umland. Und eines ist auf jeden Fall sicher: Die Suche ist noch nicht vorbei! Beim nächsten warmen Sonnenstrahl ist das Orakel fällig.