Drohungen Rücktritt von Zornedinger Pfarrer erschüttert Gemeinde

Seit 2012 hat Olivier Ndjimbi-Tshiende die Zornedinger in allen Lebenslagen begleitet. Nach dem Osterfest verlässt er die Gemeinde.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)
  • Viele Zornedinger zeigen sich erschüttert, weil Pfarrer Ndjimbi-Tshiende seinen Abschied verkündet hat.
  • Das Erzbistum München und Freising teilte mit, man bedauere die Entscheidung, unterstützt den Pfarrer aber.
  • Nun sucht man nach den Urhebern der Drohungen. Die Polizei ermittelt wegen Beleidigung, Volksverhetzung und Bedrohung.
  • Es ist nicht der erste Fall von rechtsradikalen Verhaltensweisen in Zorneding.
Von Carolin Fries, Zorneding

Am Sonntag stehen viele Zornedinger wie unter Schock. In der morgendlichen Predigt hatte der katholische Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende seinen Abschied aus der Pfarrei zum 1. April verkündet. Die "Erfahrungen der letzten Zeit" hätten ihn diese Entscheidung treffen lassen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wurde ihm offen mit Mord und Gewalt gedroht.

Das Erzbistum München und Freising teilte am Montag mit, Ndjimbi-Tshiende werde eine neue Aufgabe übernehmen. Man bedauere die Entscheidung sehr, stehe aber an der Seite des Pfarrers. Wer sein Nachfolger werden soll, ist noch nicht bekannt, ebensowenig, wo Ndjimbi-Tshiende zukünftig eingesetzt werden soll. Er fühle sich nun erleichtert, nachdem er die Entscheidung getroffen und der Gemeinde mitgeteilt habe, heißt es in der Mitteilung. Obwohl die Situation für ihn sehr belastend gewesen sei, blicke er ohne Verbitterung auf seine Zeit in der Gemeinde zurück.

Nun sucht man in Zorneding nicht nur nach Worten, um die Geschehnisse fassen zu können, sondern auch nach den Urhebern der Drohungen. Die Zweite Bürgermeisterin Bianka Poschenrieder (SPD) erinnert sich noch genau an jenen Tag im Februar im Rathaus. Sie vertrat Bürgermeister Piet Mayr, als ein Zornedinger ihr unter vier Augen sagte, dass es den katholischen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende bald nicht mehr geben werde. "Das hat sich sehr bedrohlich angehört", sagt Poschenrieder, die die Polizei verständigte. Die Beamten seien am Sonntag darauf im Gottesdienst gewesen. Erst zu diesem Zeitpunkt hat Poschenrieder erfahren, dass der Pfarrer bereits seit November 2015 Morddrohungen erhält.

Auch Bürgermeister Piet Mayr (CSU) hatte, wie er sagt, keine Ahnung. "Schlimm, sehr schlimm" sei das. Dass Ndjimbi-Tshiende die Pfarrei Sankt Martin verlässt, bedauern beide. Während die Meinungsverschiedenheiten mit dem besagten Zornedinger inzwischen offenbar bereinigt werden konnten, ist unklar, wer hinter den schriftlichen Drohungen steckt, die in drei Fällen bei der Polizei aktenkundig sind. Die Kripo ermittelt wegen Beleidigung, Volksverhetzung und Bedrohung.

Der Bürgermeister spricht von "Psychopathen"

"Ich wünsche mir, dass es nicht aus Zorneding kommt", sagt Mayr. Er vermutet hinter der Post "Psychopathen von außen". "Ich frage mich, wie ernst man das nehmen muss." Er habe aber Verständnis für die Entscheidung des Seelsorgers. "Ich weiß nicht, ob man mit 67 Jahren noch die nötige Kraft hat." Ndjimbi-Tshiende wird am 18. März 67 Jahre alt und hat dann noch drei Jahre bis zum Ruhestand. Er wird in Zorneding noch die Ostermesse halten und dann eine neue Stelle in der Diözese antreten.

Viele fragen sich nun, wie es so weit kommen konnte. Klar ist, dass es in der Pfarrei an verschiedenen Stellen geknirscht hat. Das Verhältnis zwischen Kirchenpfleger und Pfarrer galt als schwierig, die beiden haben zuletzt nicht mehr miteinander gesprochen. Es war auch kein Geheimnis, dass die Verwaltungsarbeit dem Pfarrer über den Kopf wuchs.

Zuletzt aber setzten ihm wohl vor allem die Drohungen zu, die er in der Folge seiner Kritik an der Zornedinger CSU erhielt. Diese hatte er nach einem rechtspopulistischen Artikel der inzwischen zurückgetretenen Ortsvorsitzenden Sylvia Boher aufgefordert, dem christlichen Glauben Rechnung zu tragen. Boher hatte die Flüchtlinge im Parteiblatt Zorneding Report als "Invasoren" beschrieben.

Briefe und E-Mails auch an die Grundschulleiterin

In den sozialen Netzwerken wurde am Sonntag die Verantwortung der CSU für den Rücktritt des Pfarrers diskutiert. Bürgermeister Mayr sagt, die CSU sei "in keiner Weise verantwortlich für Personen, die sich außerhalb jeglichen Rechtsraumes bewegen". Vielmehr habe sich Zorneding seit "der Affäre" in der öffentlichen Wahrnehmung als eine nach rechts gerückte Gemeinde manifestiert. Die kommissarische Vorsitzende der Zornedinger CSU, Jutta Sirotek, sagt, sie stehe mit voller Überzeugung hinter Toleranz und Menschenwürde und verurteile jegliche Art von Rassismus.

Rechtsradikale Verhaltensweisen von mehreren Personen wurden in Zorneding zuletzt im Sommer vergangenen Jahres beobachtet und dem Staatsschutz gemeldet. Im November 2014 hatte die Leiterin der Grundschule Zorneding Briefe und E-Mails mit fremdenfeindlichen Inhalten erhalten, weil sie den minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen, die damals im Eschenhof lebten, ein leer stehendes Zimmer zur Verfügung stellte.