Diebstähle auf Friedhöfen Wenn am Grab plötzlich was fehlt

Ein Snowboard als Grabstein: Die letzte Ruhestätte eines 17-Jährigen auf dem Forstinninger Friedhof wurde bereits öfter von Dieben heimgesucht.

(Foto: Christian Endt)

Im Landkreis Ebersberg werden immer wieder Gräber verwüstet und Gegenstände gestohlen. Manchmal treibt einfach nur ein Tier sein Unwesen - meistens steckt dahinter aber menschliches Kalkül.

Von Sandra Langmann, Forstinning

Sie dienten schon den alten Ägyptern, Griechen und Römern als letzte Ruhestätte: Bis heute sind Friedhöfe für die Lebenden ein Ort der Trauer und des Trostes. Gerade deswegen, um den Schmerz besser verarbeiten zu können, wird viel Arbeit und Geld in die Grabgestaltung gesteckt. Dreiste Diebe scheint das aber wenig zu stören, wie der aktuelle Fall am Forstinniger Waldfriedhof zeigt.

Die Grabstätte eines 17-Jährigen, der 2011 in Feldkirchen auf den Anhänger eines Güterzuges kletterte und dabei ums Leben kam, scheint es Dieben angetan zu haben. Immer wieder wurde Dekoration entwendet und sogar versucht, das Snowboard, das als Grabstein dient, aus dem Betonsockel zu reißen.

Eine Erklärung hat weder die Polizei, noch die Familie des jungen Mannes. Da könne man nur spekulieren, sagt Poings Polizeichef Manfred Winter. Vielleicht gebe es persönliche Beziehungen zum Grab des 17-Jährigen, vielleicht habe es aber auch nur jemand auf das Snowboard abgesehen. Nachvollziehen könne man solche Taten jedenfalls nicht.

Indes: Das Forstinninger Grab ist nicht der einzige Fall, der die Polizisten und Friedhofsverwaltungen im Landkreis auf Trab hält. Auch in Ebersberg seien im Frühjahr 2016 Gestecke, Blumen und weitere Deko-Gegenstände entwendet worden, sagt Erik Ipsen Geschäftsleiter der Verwaltung im Rathaus. Doch zum Glück gebe es keine schwereren Fälle, weder auf dem neuen, noch auf dem alten Friedhof. "Häufig wird auch bei uns nachgefragt, ob wir etwas entfernt hätten", so Ipsen. Nicht jeder Fall werde angezeigt.

Auf dem Poinger Friedhof sieht es da schon etwas anders aus, wie Janine Rettig von der Friedhofsverwaltung erklärt. Im Vorjahr kam es zu Vandalismus, bei dem ein höherer Sachschaden entstand. Das bestätigt Polizeichef Winter. In der Nacht von 24. auf 25. Juni 2016 seien vier Gräber heimgesucht worden. An zweien wurden Laternen, Lichter und Kupfer entwendet, zwei weitere wurden verschmutzt und beschädigt.

Vor einigen Jahren war ein Seriendieb auf den Friedhöfen unterwegs

Dabei entstand ein Sachschaden in Höhe von 500 Euro. Zeugen konnten den Tatverdächtigen aber dabei beobachten, wie er im Eingang eines Mehrparteienhauses verschwand. Dank genauer Personenbeschreibung konnte die Polizei den Tatverdächtigen schließlich ermitteln und vernehmen. Der 23-Jährige habe unter Einfluss alkoholischer Getränke gestanden und sei weder gesprächig noch kooperativ gewesen, so Winter, weswegen der junge Mann zu 50 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt wurde.

Vor einigen Jahren sorgte außerdem eine sogenannte "Gruftibewegung" für Unruhe, die sich nachts zu "unchristlichen Zeiten" auf dem Friedhof traf. "Doch diese Leute hatten nicht die Absicht, etwas zu entwenden", so Winter.

Vor allem auf Edelmetalle abgesehen hatten es Diebe auf dem Kirchseeoner Friedhof. Im Herbst sei ein Vogel aus Bronze von einem Grab abgesägt worden, berichtet Sabine Köpp, Zuständige für Bestattungswesen und Friedhofsangelegenheiten im Rathaus. Jedoch war das hier nicht der erste Fall, dessen sich die Ebersberger Polizei annehmen musste.

Bereits 2010 waren insgesamt 63 Grabplatten aus Messing gestohlen worden. Der entstandene Schaden war enorm, da sich die Kosten für eine Platte auf zirka 160 Euro belaufen. Gerhard Freudenthaler, stellvertretender Dienststellenleiter, geht davon aus, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Serientäter handelte, der in Heimstetten ermittelt wurde. Dort seien im Mai 2010 ebenfalls Grabplatten entwendet worden.

Es kann aber auch andere Gründe geben, warum ein Grab beschädigt oder verwüstet wird. Dahinter müssen nicht unbedingt kriminelle Absichten stecken. Verschwinden kleine Engelsfiguren oder werden Blumen ausgegraben, könne das auch daran liegen, dass ein Fuchs oder ein Mader auf dem Friedhof sein Unwesen treibe, sagt Sabine Köpp. So einen Fall habe es zum Beispiel in Neukirchen gegeben: Nachdem dort die Verwüstung eines Grabes gemeldet wurde, konnte ein Jäger die Spuren eines Tieres feststellen.