Event im Alten Speicher Bayerisches Amateurfilm-Festival zum ersten Mal in Ebersberg

Weg in die Wildnis: Auch Kanadas Tierwelt kommt in den Dokumentationen von Toni und Ilke Ackstaller vor.

(Foto: Veranstalter)

Am Wochenende sind im Alten Speicher die 25 besten Kurzfilme des Jahres zu sehen - vier davon aus dem Landkreis Ebersberg.

Von Anja Blum, Ebersberg

Die ersten Aufnahmen vor 90 Jahren, als der Bundesverband Deutscher Filmautoren ins Leben gerufen wurde, waren, gelinde gesagt, noch ziemlich belanglos. Sie zeigten auf simple Weise Alltagsgeschehen, fahrende Eisenbahnen, Familienidylle, kurz: schlichte Bewegungen auf der Leinwand. Kein Mensch hätte wohl um die Jahrhundertwende geglaubt, dass aus dem Kino mal eine Kunstform werden würde.

Dass es ganz anders kam, und zwar nicht nur im fernen Hollywood, davon kann sich das Publikum am kommenden Wochenende in Ebersberg überzeugen, denn dort, im Alten Speicher, finden heuer erstmals die "Bayerischen Amateurfilm-Festspiele" (BAF) statt. Zu sehen gibt es die besten Kurzfilme im Freistaat aus diesem Jahr - also höchste Qualität, da dürfe man sich von dem Begriff "Amateur" nicht in die Irre führen lassen, betonen die Veranstalter. Dieser nämlich zeige lediglich an, dass es sich um Werke handle, hinter denen keine kommerziellen Absichten steckten.

Veranstaltet werden die Festspiele bereits seit 1978 vom Landesverband Film und Video Bayern, Ausrichter sind heuer Ilke und Toni Ackstaller und ihre Filmfreunde Ebersberg. Vor zwei Jahren hatten sie erstmals das südbayerische Landesfilmfestival in die Kreisstadt geholt - ein so großer Erfolg, dass der Verband anfragte, ob man heuer nicht die übergeordnete Veranstaltung in Ebersberg abhalten wolle. "Alle, die Veranstalter wie die Autoren, waren damals hellauf begeistert. Erstens von den Örtlichkeiten hier und zweitens vom enormen Zulauf", erzählt Toni Ackstaller. "Es gab so viel Fremdpublikum wie noch nie."

Kein Wunder, denn das filmische Großereignis bietet jede Menge handwerklich wie inhaltlich anspruchsvoll gestaltete Autorenfilme, die zuvor bereits bei den drei Landesfestivals erfolgreich waren. Zugelassen sind dabei sämtliche Techniken, Stile und Genres, von der Dokumentation bis hin zur Fiktion.

Eine Filmgruppe des Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben ist auch dabei

Wie unterschiedlich die Filme sind, zeigt schon ein Blick auf deren Längen: Manche dauern nur eine Minute, andere schöpfen das Maximum von 20 Minuten aus. Besonders erfreulich ist, dass heuer gleich vier Arbeiten aus dem Landkreis Ebersberg zu sehen sein werden: Ilke Ackstaller hat es mit "Der Weg in die Wildnis" ins Programm geschafft, der Film dokumentiert eine Reise in den Nordwesten Kanadas mit vielen Eindrücken und überraschenden Begegnungen. Ebenfalls unterwegs gefilmt hat ihr Mann Toni Ackstaller: Unter dem Titel "Es wird Herbst im Altai" schildert er, wie es Ende August für die Nomaden des Altai Zeit wird, ihre hoch gelegenen Sommerlager zu verlassen.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Deshalb wird es für die Nomaden des Altai Zeit, ihre hoch gelegenen Sommerlager zu verlassen. In ihren Dokumentationen zeigen die Ebersberger Toni und Ilke Ackstaller unter anderem Naturbilder aus Asien.

(Foto: Veranstalter)

"Uns liegt neben Technik und Schnitt, besonders die Gestaltung am Herzen", sagt Ilke Ackstaller. "Filme machen heißt Geschichten erzählen." Ein kritisches Thema greift Erich Heucke von den Ebersberger Filmfreunden mit "Reichtum durch Kohle?" auf. Seine Doku ist eine Reise in den Norden - mit unerwartetem Ausgang. Und auch der kreative Nachwuchs aus dem Landkreis ist präsent: Peter Rohmfeld und seine Filmgruppe des Franz-Marc-Gymnasiums in Markt Schwaben wurden ebenfalls zu dem Festival eingeladen. Ihr fiktionaler Film heißt "Vampire gibt es nicht" - oder doch? Als Caroline bei ihrer Mitschülerin Morta zunehmend Hinweise findet, die ihren Verdacht nähren, spitzt sich die Lage zu. . .

Doch auch unter den Werken anderer Autoren findet sich so manch vielversprechende Ankündigung: In dem Ein-Minüter "Künstliche Intelligenz" schreibt ein Autor an einem Drehbuch - und dann passieren seltsame Dinge. Mit "Max" verbringt das Publikum einen Tag im Gefängnis, "Der Wind kommt von Norden" berichtet von einer Flucht aus der DDR via Ballon und in der "Finsteren Au" geht es um das Katz- und Mausspiel eines Wilderers und eines Forstassistenten.

Doch am Ende, so heißt es, nimmt sich der Wald, was ihm genommen wurde. Gleicher Schauplatz, anderes Thema: Der fiktionale Film "Wildschaden" will zeigen, dass die Kollision von Auto und Reh durchaus ein Leben verändern kann. Genauso wie ein Besuch in der Bücherei? In "Pssst" geht ein alter Mann dorthin und entdeckt sehr interessante Bücher. "Doch es treten Probleme auf. Es gibt Beschwerden. Dem alten Mann wird geholfen. Wirklich?"

Die Kurzfilme werden in vier Blöcken gezeigt

Die Kurzfilme werden im Alten Speicher gezeigt in fünf Blöcken von jeweils etwa einer Stunde. Der Eintritt ist frei - und zwischen den Filmen jederzeit möglich. "Vor der Tür wird ein Fernseher stehen, der ein unproblematisches Kommen und Gehen ermöglicht", erklärt Ilke Ackstaller.

Doch das Publikum darf sich nicht nur auf cineastische Perlen freuen, sondern auch auf interessante Diskussionen: Zwischen den Blöcken wird die Jury die Filme besprechen, und zwar öffentlich. "Und das ist sehr spannend", sagt Ilke Ackstaller, die erst kürzlich das erste Mal selbst als Jurorin tätig war. "Die Frage lautet immer: Funktioniert eine Film - und wenn ja, warum?"Nur die eigentliche Abstimmung am Schluss, also die Preisvergabe, findet hinter verschlossenen Türen statt.

Die Jury des Festivals besteht aus sechs sehr erfahrenen Filmmenschen, Profis wie Amateure, sie alle stammen nicht aus Bayern: Dieter Volk arbeitet als Referent für Filmgestaltung, Gerd Motzkus war bis vor kurzem Chef der SWR-Sendung "Treffpunkt", Lehrer Fritz Dannemann hat über Sportlehrfilme promoviert, Moritz Wacker arbeitet als Mediengestalter und Kameramann, Techniker Walter Heim produziert Imagefilme und Dokumentationen und Rainer Drews ist langjähriger Referent und Juror.

Gemeinsam prämieren sie die Filme des Festivals. Zu vergeben sind sechs kleine bayerische Löwen aus Porzellan sowie ein großer Löwe mit Rautenschild, vom Ministerpräsidenten höchstpersönlich gestiftet. Diese Auszeichnung geht an den bayerischen "Film des Jahres". Dazu gibt es einen Jugendpokal, einen Publikumspreis sowie von Sponsoren gestiftete Sonderpreise.