Lärm in Vaterstetten SPD und FDP fordern besseren Schallschutz an der Bahnstrecke

Auf der Bahnstrecke zwischen München und Rosenheim ist viel los. Bald wird es noch mehr, die Anliegergemeinden wollen darum besseren Lärmschutz.

(Foto: Renate Schmidt)

Derzeit sind in Vaterstetten täglich 200 Züge unterwegs, S-Bahnen nicht mitgezählt. Bald schon könnten es doppelt so viele sein.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

An der Bahnstrecke durch die Großgemeinde soll es leiser werden - oder wenigstens nicht lauter. Dies haben nun die Vaterstettener SPD und FDP gefordert und einen entsprechenden Antrag an den Gemeinderat gestellt. Hintergrund ist die erwartete Zunahme des Bahnverkehrs, wenn in einigen Jahren der Brennerbasistunnel eröffnet wird.

Voraussichtlich Ende 2026 soll der Tunnel voll in Betrieb gehen. Durch die dann kürzere und weniger steigungsreiche Strecke könnte der Bahnverkehr deutlich zunehmen - auch entlang der Strecke München-Rosenheim, die durch den Landkreis Ebersberg führt. Derzeit sind dort täglich etwa 200 Züge unterwegs, S-Bahnen nicht mitgezählt. Zwischen 300 und 400 könnten es sein, würde das Nadelöhr Brenner wegfallen.

Ein Szenario, das in den Kommunen entlang der Strecke durchaus besorgt zur Kenntnis genommen wird. Vor allem wegen als unzureichend empfundener Lärmschutzmaßnahmen. So würden nach den aktuellen Plänen der Bahn im Landkreis Ebersberg gerade einmal 400 Meter an zusätzlichen Lärmschutzwänden entstehen, und zwar bei Elkofen. Ansonsten hat die Bahn zugesagt, auf der Strecke künftig häufiger die Gleise zu schleifen. Dies soll den Abrieb und damit den Krach reduzieren. Des weiteren ist geplant, sogenannte Schienenstegdämpfer einzubauen. Diese werden zwischen den Schwellen an den Gleisen angebracht und sollen die Schwingungen durch darüberfahrende Züge verringern und damit auch die Geräusche.

Ursprünglich geplant waren diese nur auf einem Teil der Strecke, in Vaterstetten, Baldham und Zorneding. Vor etwa einem Monat kam dann überraschend eine Ankündigung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Demnach soll im Rahmen eines Pilotprojektes die gesamte Bahnstrecke zwischen Rosenheim und München mit den Dämpfern ausgerüstet werden.

Die Lärmgrenze soll bereits jetzt überschritten sein

Woran der Druck aus der Bevölkerung nicht ganz unschuldig sei, so Klaus Willenberg, der Vorsitzende der Vaterstettener FDP. Er lobt besonders seinen Zornedinger Parteifreund Peter Pernsteiner, der als Vorsitzender des Arbeitskreises Bahnlärm eine Initiative zur Verbesserung des Schallschutzes auf den Weg gebracht hat. Auch der im Mai in Kirchseeon gegründete Arbeitskreis Bahnlärm erhöhe den "vielfältigen öffentlichen und politischen Druck".

Dem wollen sich SPD und FDP in Vaterstetten nun anschließen. In ihrem Antrag fordern sie, dass die Gemeinde bei der Bahn gegen die "sehr unzulänglichen beabsichtigten Schallschutzmaßnahmen" Protest einlegt und sich für einen "optimalen Lärmschutz" einsetzt. Bereits heute, so die Antragsteller, läge die Lärmbelastung durch die Bahn über den Grenzwerten, die als gesundheitsschädlich gelten.

Was auch daran liegt, dass diese Werte immer weiter verschärft wurden - was allerdings wegen des Bestandsschutzes für Bahnstrecken keine Auswirkungen hat, selbst wenn der Verkehr dort zunimmt. Darum, so SPD und FDP, soll Vaterstetten fordern, die Strecke nach Eröffnung des Brennertunnels und der dann zu erwartenden "erheblichen Blockverdichtungen" wie eine Neubaustrecke zu behandeln. Damit wäre der Bestandsschutz dahin, und die Bahn müsste ihren Lärmschutz an die aktuellen Grenzwerte anpassen.