Asyl im Landkreis Wohnungen für Flüchtlinge gesucht

Bisher hat nur Vaterstetten gemeindeeigene Räume an Asylbewerber vermietet. Nun könnte auch Grafing eine Lösung bieten.

Von Inga Rahmsdorf

Es ist keine leichte Aufgabe, die das Landratsamt derzeit hat. Seit Monaten suchen die Mitarbeiter nach Räumen, in denen Asylbewerber wohnen können. Von den Gemeinden haben sie dabei wohl nicht viel Unterstützung zu erwarten. Kaum ein Bürgermeister ist bereit oder sieht eine Möglichkeit, gemeindeeigenen Wohnraum zu vermieten. Kommunen wie Ebersberg und Markt Schwaben besitzen nur wenige eigene Wohnungen. Und Zorneding und Kirchseeon, die über viele Wohnungen verfügen, verweisen auf den großen Druck am Wohnungsmarkt - die Räume seien bereits belegt und die Wartelisten lang. Bislang hat nur Vaterstetten Räume seiner Obdachlosenunterkunft für Flüchtlinge vermietet.

Im Landkreis leben derzeit 53 Flüchtlinge. "Die Wohnungssuche ist nach wie vor ein Problem", sagt Marion Wolinski vom Landratsamt. Konkret seien zwar derzeit keine weiteren Asylbewerber angekündigt, "doch der Druck ist da". Denn jederzeit kann die Regierung von Oberbayern die Ankunft weiterer Flüchtlinge ankündigen. Der Landkreis ist laut einer Quote dazu verpflichtet, bis zu 106 Asylbewerber aufzunehmen.

Inwieweit auch die Gemeinden eigenen Wohnraum zur Verfügung stellen können, diese Frage hatten SPD, Grüne und die Freien Wähler in Zorneding aufgeworfen. Kürzlich hatten sie gefordert, drei der 70 Gemeindewohnungen für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. Doch die anderen Fraktionen lehnten den Antrag ab. In Grafing haben nun zwei Stadträte einen ähnlichen Vorschlag eingereicht. Sie fordern, 21 leerstehende Wohnung an Asylbewerber zu vermieten. Der Antrag sollte am gestrigen Dienstagabend im Gemeinderat diskutiert werden.

Kirchseeon hat zwar etwa 70 gemeindeeigene Wohnungen, doch die seien alle belegt, sagt Bürgermeister Udo Ockel (CSU). "Sie werden nach sozialen Kriterien vergeben." Und es gebe viele Einwohner, die schon lange auf eine Wohnung warten. Grundsätzlich sei der Gemeinderat aber dem Thema gegenüber aufgeschlossen, so Ockel. "Wir haben schon grünes Licht geben, unsere Obdachlosenunterbringung für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen." Doch dann wurde das Vorhaben gestoppt, weil die Gemeinde befürchtet, in Raumnot zu geraten, wenn sie Einwohner vor der Obdachlosigkeit schützen möchte. Die Sozialabteilung hätte gemeldet, dass die Situation dadurch erschwert wäre, dass in den Pensionen im Landkreis keine Zimmer mehr zu bekommen, da sie mit Asylbewerbern belegt seien. Dabei handelt es sich jedoch wohl um ein Gerücht, denn das Landratsamt meldet, dass derzeit kein Asylbewerber in einer Pension wohnt.

Wenn wir eine stadteigene Wohnung hätten, die wir vermieten könnten, hätten wir überhaupt kein Problem damit, sie an Asylbewerber zu vermieten", sagt Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer. Die Stadt besitze aber nur wenige Wohnungen und die seien alle belegt. Er betont aber, dass viele der Flüchtlinge derzeit bereits privat in Ebersberg wohnen. "Und es gibt überhaupt keine Probleme ", so Brilmayer. Er würde es begrüßen, wenn weitere Privatpersonen ihren Wohnraum an Asylbewerber vermieten würden.

Auch in Poing und Markt Schwaben gibt es nach Angaben der Bürgermeister nur wenige gemeindeeigene Wohnungen. "Wir haben nichts anzubieten", sagt Georg Hohmann (SPD) aus Markt Schwaben. Die wenigen Wohnungen seien von Mitarbeitern oder der Feuerwehr belegt. "Wir könnten selbst noch Räume gebrauchen, wir bekommen viele Nachfragen von Vereinen, die suchen." Auch in Poing seien alle Sozialwohnungen belegt, sagt Albert Hingerl (SPD). Und in Anzing sehe die Situation ähnlich aus, sagt Bürgermeister Franz Finauer (UBA). "Es gibt einfach keine freien Räume. Wir bringen unsere Obdachlosen schon nicht unter."

Evelyn Schwaiger vom Landratsamt appelliert noch einmal an alle Landkreisbewohner zu schauen, ob sie nicht doch einen Raum oder ein leerstehendes Elternhaus zu vermieten hätten. Sie betont, dass es bisher in keiner der Wohnungen, in denen Asylbewerber wohnen, Probleme gegeben habe.