Agrarfabrik oder Landwirtschaft? Ungeliebte Nachbarn

Bürger in Moosach und Umgebung sammeln Unterschriften gegen einen geplanten Maststall für bis zu 600 Schweine. Die Anwohner befürchten Gestank, Umweltbelastung und mehr Verkehr

Von Wieland Bögel

- Das Landleben gilt dem Stadtmenschen gemeinhin als Idylle, denn dort kann man sich erholen zwischen grünen Wiesen, sanft blickenden Kühen und munter grunzendem Borstenvieh. Doch Letzteres ist in Moosach gerade zu einem großen Streitthema geworden. Die Frage dabei lautet, wie viele Schweine ein kleiner Ort vertragen kann.

Das Dörfchen heißt Baumhau und liegt ganz im Osten der Gemeinde Moosach, in der Nähe des als Ausflugsziel beliebten Ortes Falkenberg. Seit im September bekannt wurde, dass ein Einwohner Baumhaus plant, auf seinem Grund einen Maststall für Schweine zu errichten, sind die Nachbarn beunruhigt. Dies liegt vor allem an der Größe der geplanten Anlage: Bis zu 600 Schweine könnten dort einmal gemästet werden. Eine solch große Zahl von Schweinen werde man deutlich riechen, befürchten die Anwohner. Bereits vor Wochen protestierten einige von ihnen deshalb gegen die Pläne und forderten Bürgermeister Eugen Gillhuber (CSU) und den Moosacher Gemeinderat auf, das Vorhaben zu verhindern.

Der Gemeinderat gab in seiner Sitzung am 19. September allerdings grünes Licht für die Mastanlage. Bei zwei Gegenstimmen wurde das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Dies lag vor allem daran, dass der Bauwerber einen geänderten Plan für den Stall präsentierte. Statt, wie ursprünglich vorgesehen, den Stall östlich von Baumhau zu errichten, soll die rund 1200 Quadratmeter große Anlage jetzt im Westen des Ortes gebaut werden. Auch liegt der neue Standort weiter von der Wohnbebauung entfernt. Der Entscheid des Gemeinderates ist allerdings nicht bindend; ob der Stall gebaut werden darf, wird letztendlich im Landratsamt entschieden.

Die Anwohner sind aber weiter entschlossen, das Projekt zu verhindern. Seit vergangener Woche sammeln sie Unterschriften gegen den Bau des Maststalls. Mit dem Appell wolle man sich an den Moosacher Gemeinderat und die zuständigen Behörden wenden und diese bitten, "dem Projekt zur Intensivtierhaltung die Zustimmung zu verweigern", erklärt Siegfried Lehnberg, der Sprecher der Initiative "Pro Moosach".

Die Gegner des Vorhabens berufen sich dabei auf den Schutz von Landschaft und Umwelt. Die Gemeinde Moosach sei "grüne Oase und Naherholungsgebiet mit Natur- und Landschaftsschutzgebieten", heißt es in einem Flugblatt. Entstünde in Baumhau ein "Gewerbebetrieb zur Schweinemast" sei dies eine Beeinträchtigung von Lebensqualität im Ort und in der Umgebung. Aber auch um die Schweine machen sich die Gegner des Maststalles Sorgen: "Tierhaltung zu den geplanten Bedingungen ist keine artgerechte Tierhaltung", schreiben die Aktivisten.

Außerdem sei eine solche Anlage auch schädlich für die Umwelt, argumentieren die Schweinestallgegner. Denn das für eine solch große Zahl an Tieren nötige Futter stamme meist aus Monokulturen. Ebenfalls kritisiert wird die zu erwartende Geruchsbelästigung durch "die von den Tieren erzeugten Methangase" und "eine erhebliche Zunahme des LKW-Verkehrs". Denn schließlich müsse das Futter angeliefert und der Mist wieder mit dem Lastwagen abtransportiert werden.

Die Unterschriftenlisten liegen noch bis 18. November in Moosach und Umgebung aus. Wer unterschreiben will, kann dies montags bis samstags ab 17 Uhr und am Sonntag an 11 Uhr im Bistro "Break Point" tun. Freitags und sonntags ab 11 Uhr und am Samstag ab 17 Uhr liegen die Listen außerdem in der Schlossgaststätte Falkenberg aus sowie Freitag bis Sonntag von 12 bis 24 Uhr im Wirtshaus Taglaching. Unter pro.moosach@vr-web.de kann man sich auch per E-Mail an dem Protest beteiligen.