3. April 2013 17:26 SZ-Forum II Vom Radl-Wegweiser bis zum Schuldenberg

Von Barbara Mooser

Zuhörer nutzen eifrig die Gelegenheit, der Runde auf der Bühne eine Reihe von interessanten Fragen zu stellen

Über diese allerletzte Frage eines langen und interessanten Abends freuten sich die Zuhörer im Alten Kino besonders: Wie die Kandidaten denn ihre eigenen Chancen bei der Wahl einschätzten, wollte Kristina Widmann aus Pliening wissen. Die vier Herren auf dem Podium gaben sich selbstbewusst: "Ich würde mir einen Ausgang über 50 Prozent wünschen", sagte Toni Ried (Freie Wähler); sein CSU-Konkurrent Robert Niedergesäß könnte mit einem Ergebnis in dieser Größenordnung, wie er sagte, ebenfalls gut leben. Ernst Böhm (SPD) äußerte die Hoffnung auf 52 Prozent der Wählerstimmen - und Reinhard Oellerer von den Grünen sagte fröhlich, er wäre mit Ergebnissen, wie sie Amtsinhaber Gottlieb Fauth (CSU) bei vorangegangenen Wahlen eingefahren habe, völlig zufrieden. Fauth wurde 2002 mit 59,4 Prozent der Stimmen gewählt, 2008 kam er immerhin noch auf 52,8 Prozent.

Ob alle Kandidaten bei dieser Frage ganz ehrlich und realistisch waren, mag mancher bezweifelt haben - ansonsten aber bemühten sich alle vier Bewerber, die vielen Fragen aus dem Publikum klar und umfassend zu beantworten. Oder bisweilen auch kurz und bündig: Ohne Zaudern und ohne große Worte sprachen sich alle Kandidaten beispielsweise gegen eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung aus. Marlies Froneberg aus Grafing hatte sich für dieses Thema interessiert. Auch eine neue Radwegebeschilderung, die sich an die seit zehn Jahren in Deutschland geltenden Normen orientiert, wird wohl schnell auf den Weg gebracht, egal, wie der nächste Landrat auch heißt: Alle Bewerber sicherten das Karl-Heinz Schmeling aus Zorneding auf seine entsprechende Frage jedenfalls zu. Fast ebenso einig waren sich die Kandidaten bei der Frage von Jutta Judt aus Zorneding, die sich erkundigt hatte, wie man die Einführung von Tempo 30 in allen Gemeinden sehe. Gerade auf Staats- oder Bundesstraßen sei ein derartiges Tempolimit gar nicht möglich, erläuterten Reinhard Oellerer und Robert Niedergesäß gewissermaßen stellvertretend für die beiden anderen Kandidaten.

Viele der Fragen waren offensichtlich mit großer Leidenschaft formuliert - manche vielleicht auch mit einem gewissen Quantum an Frustration, wie die von Dieter Schröppel aus Grafing. Er beklagte, in der öffentlichen Verwaltung würden Kunden nicht selten als "Untertanen" behandelt und wollte von den Kandidaten wissen, was sie für mehr Kundenorientierung in der Behörde tun würden. Toni Ried versprach ein "Landratsamt auf Augenhöhe" und einen partnerschaftlichen Umgang miteinander. Robert Niedergesäß unterstrich, er sehe sich als verlängerten Arm der Bevölkerung in der Verwaltung - und nicht umgekehrt. Er verteidigte aber auch das Landratsamt: Viele Bereiche - wie etwa die Zulassungsstelle - arbeiteten sehr gut, aber es gebe Licht und Schatten. "Als Unternehmer kann ich gar nicht anders, als die Kunden in den Mittelpunkt zu stellen", betonte Ernst Böhm. Das könne ihm nicht mal die Verwaltung einer Behörde abgewöhnen. Reinhard Oellerer berichtete von meist sehr guten Erfahrungen mit Verwaltungsmitarbeitern - freilich, so räumte er ein, könne das auch an seinem Status als Kreisrat liegen. Die Verbesserung der Kundenfreundlichkeit sei ein laufender Prozess. Im übrigen, so der Grünen-Kandidat, dürfe auch mal ein Landratsamtsmitarbeiter morgens ein bisschen grantig sein - es dürfe nur eben nicht zur Regel werden.

Wie die Kandidaten den Schuldenberg des Landkreises abbauen würden, wollte Anja Walz aus Grafing wissen - und hier gab es durchaus unterschiedliche Ideen. Ernst Böhm kündigte an, er wolle beim Sozialen sparen - und zwar, indem er viele Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung bringe. Toni Ried unterstrich, er halte nichts vom "Rasenmäherprinzip". Man müsse jede Einzelposition des Haushalts betrachten, "das ist eine große Fleißaufgabe". "Überschüsse erwirtschaften" sei das Wichtigste, sagte Reinhard Oellerer. In den vergangenen Jahren sei der Kreishaushalt unterfinanziert gewesen, was auch daran liege, dass im Kreistag auch viele Bürgermeister vertreten seien, die "verschiedene Hüte aufhaben", also neben den Interessen des Kreises auch die ihrer Gemeinden vertreten. Robert Niedergesäß erinnerte daran, dass die Schulden durch Investitionen in wichtige Projekte - etwa in Schulen - entstanden seien. Wie Oellerer wies auch Niedergesäß auf die neue, von allen Fraktionen gemeinsam verabschiedete Finanzrichtlinie hin, deren Ziel es sei, die Verschuldung abzubauen.

Weniger ums große Ganze als vielmehr um ein ganz konkretes Ärgernis ging es bei der Frage von Rudolf Robl aus Grafing: Wieso man am Kreiskrankenhaus eine Parkgebühr zahlen müsse, wollte er wissen: "Meine Gedanken sind andere, als an einen Parkschein zu denken." Die Kandidaten zeigten zwar grundsätzlich Verständnis für die Kritik, warben aber auch ihrerseits um Verständnis. Toni Ried sagte, es gehe nun einmal darum, die Parksituation rund um die Klinik generell zu ordnen. Um Dauerparker auf dem Parkdeck zu verhindern, werde nun eine geringe Gebühr verlangt. Robert Niedergesäß äußerte die Idee, vielleicht in der ersten Stunde das Parken kostenlos zu machen, "aber ich kann es nicht versprechen". Ähnlich wertete auch Ernst Böhm die Situation. Reinhard Oellerer wies darauf hin, dass die Klinik gerade so eine "schwarze Null" schreibe. Dies dürfe man nicht gefährden - und damit möglicherweise eine Privatisierung riskieren.