Dallmayr in München ist einer der ältesten Kaffeehändler Deutschlands. Nun durchsuchte das Bundeskartellamt das Traditionshaus wegen vermuteter Kaffeepreis-Absprachen.

Dallmayr in München ist nicht nur einer der ältesten Kaffeehändler Deutschlands, sondern hat mit dem alten, reich verzierten Haus in der Dienerstraße gewiss auch den schönsten Stammsitz. Selbstbewusst wirbt das Unternehmen: "Die Namensliste der Delikatessengeschäfte der Welt ist ohne Dallmayr nicht denkbar."

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Gab es bei Dallmayr Kaffeepreis-Absprachen? Das Bundeskartellamt durchsuchte den Laden. (© Foto: dpa)

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Das Bundeskartellamt war derselben Ansicht - und schickte am Donnerstag seine Fahnder, im Rahmen der bundesweiten Aktion gegen vermutete Kaffeepreis-Absprachen. Bundesweit rückten sie um 10 Uhr in der Frühe an, so auch in der Dienerstraße. Die Kunden im historischen Ladengeschäft bekamen davon nichts mit, und die Durchsuchungen in den Büros des Stammsitzes überraschte selbst das Münchner Polizeipräsidium.

Wie ein Sprecher mitteilte, waren an der Razzia in der Dienerstraße keine Münchner Polizisten beteiligt. Bei der Einsatzzentrale des Präsidiums sei offiziell keine Aktion angemeldet worden. Auch Oberstaatsanwalt Anton Winkler erklärte auf Anfrage der SZ, dass die Aktion des Bundeskartellamtes in Bonn mit der Staatsanwaltschaft München nicht abgesprochen gewesen sei. "Das würde mich überraschen, wir werden meist von der Kripo unterstützt", sagt hingegen Silke Kaul, Sprecherin des Bundeskartellamtes. Allerdings könnten auch alle Kontrollbeamten des Amts selbst durchsuchen - wobei Kaul das Wort "Durchsuchung" bevorzugt: "Razzia klingt zu reißerisch."

Ob aber nun Razzia oder Durchsuchung: Im Traditionshaus selbst herrscht Bestürzung über den ungewohnten Besuch. Wolfgang Wille ist sie sichtlich anzumerken. Der Geschäftsführer der Kaffeesparte beim Münchner Unternehmen Alois Dallmayr bestätigt die Hausdurchsuchung in den Räumen in der Dienerstraße. Es sei jedoch "noch viel zu früh", um Genaueres über die Vorwürfe des Bundeskartellamtes zu sagen. Immer wieder betont er: "Wir kooperieren mit den Behörden. Es soll sich alles aufklären."

Die Anschuldigungen, sagt Wille, könne er sich kaum erklären: Seit mindestens zehn Jahren sei der Kaffeepreis eher gesunken als gestiegen: "Das hat mit dem Preisverfall auf dem Rohkaffeemarkt zu tun. Ich gehe sogar davon aus, dass wir einen neuen Tiefstand bei den Preisen erreicht haben."

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(SZ vom 04.07.2008/wib)