Es wird gekichert, gekreischt, gesungen und beleidigt: Massenauflauf beim Vorentscheid zu "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) in München.
Sie hält sich im Schatten einer weißen Säule versteckt. Sie trägt ein grünes T-Shirt und eine fünfstellige Nummer auf dem Bauch, sie hat lange blonde Haare und sie schaut verzweifelt. "Ist jemand da, der noch nicht gesungen hat?", fragt der Mann mit dem Headset am Kopf. Die Blonde tritt noch ein bisschen weiter hinter die Säule zurück. Könnte sie sich unsichtbar machen, sie würde es tun.
Angstvoll warten Teilnehmer des Superstar-Castings auf das Ergebnis. (© Foto: Rumpf)
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Doch sie hat nicht mit ihrer tatkräftigen Freundin gerechnet. Die schiebt sie jetzt energisch hinter der Säule vor. "Ah, hier ist noch jemand. Komm gleich mit", sagt der Headset-Mann. Angstvoll reißt sie die Augen auf, dann geht sie ergeben hinter ihm die Treppe hoch in eines der Zimmer, in denen die Jurys warten.
Das Hilton-Hotel am Tucherpark wurde am Wochenende von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im emotionalen Ausnahmezustand bevölkert: Der Privatsender RTL veranstaltete dort ein Casting für die Fernsehsendung "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Und die Attraktivität dieses Fernsehformats scheint auch nach der fünften Staffel nicht nachzulassen, im Gegenteil: "Wir haben jetzt bereits einen neuen Bewerberrekord", sagt Anke Eickmeyer von RTL. Rund 29.000 Menschen haben bei den Castings in mehreren deutschen Städten vorgesungen, sie alle wollen 2009 gerne Superstar werden.
"Sing für Mama!"
Zum Beispiel Radosav Obradovic. Nach seinem Namen gefragt, sagt er: "Schreiben Sie Rocky." Rocky also hat sich für diesen Tag herausgeputzt, das ist nicht zu übersehen. Die Haare sind perfekt mit Gel nach oben geformt, das rosafarbene Hemd ist gestärkt und gebügelt. "Natürlich will ich ein Superstar werden", sagt Rocky.
Sicherheitshalber hat der 21-Jährige zur Verstärkung seine Familie mitgebracht: Mutter, Bruder, zwei Schwestern und einen Cousin - wobei man sagen muss, dass eine Schwester und der Cousin ebenfalls vorsingen. Als man ihn bittet, etwas vorzusingen, ziert sich Rocky zunächst - und trällert erst los, als seine Mutter bittet: "Sing für Mama!" Schließlich will er eines Tages "eine Konkurrenz für Xavier Naidoo sein".
Angemessene Quoten
Frühmorgens an diesem Samstag sind sie aus allen Ecken Bayerns nach München gefahren : aus Dingolfing, aus Augsburg und Ingolstadt, Regensburg und Würzburg. Rocky reiste sogar aus der Schweiz an. Schon eine Stunde vor dem offiziellen Beginn des Vorsingens steht eine große Menschentraube vor der Glastür des Hotels. Die Jugendlichen pressen ihre Nasen an die Scheibe, um etwas erkennen zu können.
Es wird gekichert und gekreischt, manche treten betont forsch auf, andere hüpfen nervös von einem Fuß auf den anderen. Sie schleppen Gitarrenkoffer mit sich und riesige Taschen, in denen von Halsbonbons über Modemagazine, Haarspray und einer stattlichen Auswahl unterschiedlicher Kleidungsstücke alles zu finden ist.
Bekannt sein, berühmt sein, im Fernsehen auftreten - das hat manche Menschen schon immer gereizt. Und vermutlich war es ohnehin noch nie so einfach, irgendwie ins Fernsehen zu kommen. Vor laufender Kamera wird ausgewandert, werden Kinder erzogen, Restaurants eröffnet und sonst noch allerlei. Die Superstar-Suche funktioniert dank zweier klassischer Zutaten: Es wird gesungen - und es wird beleidigt. DSDS ist auch deshalb erfolgreich, weil Dieter Bohlen gerne mit allerlei Beschimpfungen weniger für faire Urteile denn für angemessene Quoten sorgt. Deshalb wurde beispielsweise das Casting im Bremer Rathaus von der Verwaltung abgelehnt. Der Stil des Wettbewerbs passe nicht zum Rathaus, da Kandidaten "gezielt erniedrigt" würden.
Vorcasting ohne Bohlen
Beim Vorcasting in München - übrigens ohne Bohlen, zunächst treffen RTL-Musikredakteure eine Vorauswahl - kann man die 3405 Teilnehmer in zwei Gruppen einteilen: jene, die sich in Gedanken schon mit einem Mikrophon in der Hand auf der DSDS-Bühne sehen, und die Eventtouristen. "Wir sind da, weil's lustig ist", sagt Fridolin Fröschle, 18, aus Augsburg. Mit seinem Bruder Korbinian ist er hierher gekommen, hat die Jury mit einem unbekannten Song überrascht.
"Und dann hab' ich den höchsten Ton verpatzt", sagt er. Vor Bohlen habe er keine Angst, sagt er: "Der interessiert mich nicht." Auf den gefürchteten Produzenten werden die beiden ohnehin nicht treffen: Sie gehören nicht zu den Auserwählten. Weiter hinten sitzt Sebastian Hauser und sagt: "DSDS ist Unterhaltung." Und wenn er weiterkäme - und die Zuschauer über ihn lachen würden? "Das wäre nicht so gut."
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Studie zur Beliebtheit der Deutschen
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wieso meldet man sich da an? mit viel glück existiert man 2 jahre als teeniestar. danach ist jede weitere karriere verbaut durch "das ist doch die/der aus dieser gecasteten band"
Xaver Kurt Naidoo ist schlimmer als diese Sendung.
Einschaltquoten und das damit verdiente Geld.
Ihr seid in erster Linie Opfer!!
2. Mittel zum Zweck in einer perversen Vermarktungsmaschinerie
3. Vom Kopf her noch nicht soweit um die späteren Folgen abschätzen zu können
4. Nicht so talentiert wie ihr das teilweise selbst glaubt zu sein (pathologische Selbstüberschätzung)
Würden geschätzte 95 % der DSDS-Casting-Kandidaten von ihrem (wahlweise) Lehrer, Ausbilder, Chef, Kollegen, Freund/Freundin, Mama/Papa so vorgeführt, beleidigt, blamiert, wie es Teil des DSDS-Konzepts ist, gäbe es wohl eine Vielzahl an Gerichtsprozessen oder haufenweise zerstörte Freundschaften bzw. Familien.
Aber vor laufender Kamera lässt man sich scheinbar gerne mal blamieren/beleidigen.
Alles nur für '15 minutes of fame.'
Paging